Unzufriedene Kunden Wie miserabel sind Bankberatungen wirklich?

Unsicherheit bei der Geldanlage und Bankberater mit verbesserungswürdigen Leistungen: Aktuelle Umfragen bei Privatanlegern zeichnen ein düsteres Bild. Worauf Sie bei Bankberatungen achten sollten, fasst news.de zusammen.

Eine aktuelle Umfrage bringt ans Licht: Mehr als die Hälfte aller deutschen Privatanleger sind mit den Beratungsleistungen von Bankern unzufrieden. Die Leipziger Universität und die Essener Hochschule für Ökonomie und Management befragte 940 erfahrene Privatanleger für den Aktionärskompass der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) zu ihren Erfahrungen mit Bankberatungen. Ganze 56 Prozent blicken auf schlechte Erfahrungen zurück, während lediglich 11 der Befragten angaben, mit den Empfehlungen ihres Bankberaters zufrieden zu sein.

Außerdem geht der Trend immer stärker dahin, dass Anleger den Rat ihres Bankberaters nicht mehr als in Stein gemeißelte Wahrheit auffassen, sondern sich selbst mit dem Thema Geldanlage befassen. Als Mittel der Wahl wurden Fachzeitschriften, Internetrecherche und TV-Angebote genannt. Informationsmaterial der Banken rangiert als Wissensquelle auf den hinteren Plätzen.

Der Umfrage zufolge treffen 9 Prozent der Befragten die Entscheidung für oder gegen eine Investition selbst. Die Umfrage, bei der Mehrfachnennungen möglich waren, zeigt weiterhin, dass allein 20 Prozent der Probanden die Bankberatung in Teilen berücksichtigen, während 7,5 Prozent einen Vermögensverwalter zurate ziehen.

Hauptkritikpunkte der befragten Anleger: Die Beratung ist oft nicht bedarfsgerecht, zudem kennen sich viele Bankberater zu wenig mit den infrage kommenden Finanzprodukten aus. Bei Bankkunden tut sich also unweigerlich die Frage auf: Woran erkenne ich überhaupt einen qualifizierten Bankberater und ein gutes Beratungsgespräch?

Was einen guten Bankberater ausmacht

Gerade für Neueinsteiger in Sachen Geldanlage ist oftmals nicht leicht zu erkennen, ob der konsultierte Bankberater kompetente Beratung bietet oder nicht. Hektisch, versiert in Fachchinesisch und rückfragenresistent - so könnte die Beschreibung eines Beraters lauten, den Bankkunden meiden sollten. Wenn Ihr Berater sich für das Kundengespräch genügend Zeit nimmt, Sie nicht in der Öffentlichkeit der Bankschalterhalle abfertigt und sich erst Ihre persönliche Situation erläutern lässt, bevor er Ihnen Anlageoptionen empfiehlt, stehen die Chancen gut, dass Sie einen vertrauenswürdigen Fachmann gefunden haben.

Einer passenden Empfehlung, wie Sie Ihr Geld anlegen können, geht zunächst eine fundierte Betrachtung Ihrer finanziellen und persönlichen Lage voraus. Dazu sollte sich ein Bankberater erkundigen, wie viel Sie verdienen, ob Sie bereits Erfahrungen mit Geldanlagen oder Krediten haben und welche Sparziele Sie verfolgen. Ob Sie beispielsweise in wenigen Jahren das Geld für ein neues Auto benötigen oder ein Finanzpolster für die Altersvorsorge anlegen möchten, hat Einfluss darauf, welche Anlagemodelle für Sie infrage kommen.

Pluspunkte gibt es zudem für Berater, die ihre Provision nicht vor die Bedürfnisse der Kunden stellt und auch Anlageprodukte empfehlen, die nicht zwingend von ihrer eigenen Bank stammen. Außerdem sollten Sie misstrauisch werden, wenn Ihnen Geldanlagen ans Herz gelegt werden, die massive Rendite bei geringem Risiko versprechen. Wägt Ihr Berater allerdings im Gespräch ab, wie sicherheitsbewusst oder risikoorientiert Sie anlegen möchten und empfiehlt Ihnen daraufhin infrage kommende Anlageformen, spricht das für einen guten Bankberater.

Beratungsprotokoll ist Pflicht

Seit zwei Jahren ist gesetzlich vorgeschrieben, dass Bankkunden nach einer Beratung ein Protokoll über das Informationsgespräch auszuhändigen ist. In der Praxis sieht das jedoch anders aus, belegt eine Studie des Deutschen Instituts für Service-Qualität. Dabei nahmen Testkunden 120 Beratungsgespräche bei zwölf Banken und Sparkassen in Anspruch.

Alarmierend: Nur die Hälfte der Geldinstitute stellte ein Beratungsprotokoll aus. Minuspunkte gab es überdies für die Bedarfsanalyse in puncto Lebens- und Finanzsituation der Kunden. Die vorgeschlagenen Produkte, meist Standardlösungen, entsprachen in einer Vielzahl der Fälle nicht den persönlichen Bedürfnissen der Kunden.

Ein gutes Gefühl dürfen Sie haben, wenn Ihnen nach der Beratung ein ausführliches Protokoll des Gespräches ausgehändigt wird und Sie nicht an Ort und Stelle gedrängt werden, einen Vertrag abzuschließen. Das Protokoll können Sie sich daheim in aller Ruhe durchlesen und gegebenenfalls von Dritten prüfen lassen.

Achten Sie darauf, dass keine Punkte enthalten sind, die nicht oder nicht in der niedergeschriebenen Form besprochen wurden. Mit einem Beratungsprotokoll können Sie zudem andere Anlageoptionen bei anderen Banken und Beratern besser vergleichen. Überhastete Abschlüsse sind nicht empfehlenswert, wenn Sie nach dem besten Weg für eine Wertanlage suchen - schließlich geht es um Ihr Geld.

loc/ham/news.de/dapd

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Sven Forbis
  • Kommentar 1
  • 20.09.2012 17:13

Es gibt eine ganz einfache Regel! Die Banken wollen zu Lasten der Kunden Geld verdienen und Profite machen. Lassen Sie sich als von Ihrem Bankberater "beraten". Er berät Sie grundsätzlich so, das eine Provision winkt und ein profitables Geschäft für die Bank herausspringt. Ich mache in der Regel von dem Produkt Gebrauch, dass angeblich nicht so gut ist, oder nicht so massiv umworben wird. Unter dem Strich werden wir so oder so beschissen. Merke: Banker sind die größten Verbrecher, die frei rumlaufen. Sie verwalten das Geld der "Kunden" genauso schlecht wie der Staat.

Kommentar melden
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig