Eurozone EZB senkt Leitzins auf Rekordniveau

Schuldenkrise
Der Euro in Not

Die Europäische Zentralbank hat die Leitzinsen auf 0,75 Prozent gesenkt. Das ist der niedrigste Stand in der Geschichte der Währungsunion. Von einem Einsatz der Geldpolitik im Kampf gegen die Eurokrise ist die Rede. Doch was bedeutet das? Und was können Sparer tun?

Was ist eine Leitzinssenkung eigentlich?

Es gibt mehrere Leitzinsen, im Mittelpunkt steht meist der Hauptrefinanzierungssatz. Das ist der Zins, zu dem sich Banken in der Regel Geld von der EZB leihen. Künftig müssen die Institute dafür nur noch 0,75 Prozent Zinsen zahlen statt bisher 1,0 Prozent. Die Banken können sich also günstiger Geld von der Notenbank leihen.

Welche Folgen hat das?

Die Banken haben zwei Möglichkeiten: Sie können entweder die günstigeren Zinsen an ihre Kunden weitergeben und die Kreditkonditionen verbessern. Oder sie vergeben Kredite zu den gleichen Zinsen wie bisher und streichen die Differenz für sich ein, erhöhen also ihre Marge. Im Zweifel entscheiden sie sich für einen Mittelweg. Die niedrigeren Zinsen könnten die Wirtschaft ankurbeln, indem sie zu mehr Ausgaben für Häuser, Maschinen, Autos oder Restaurantbesuche führen. Das gilt aber wegen der Eurokrise nicht unbedingt.

Was ist diesmal anders?

«Die Geldpolitik funktioniert in der Krise nicht nach den gleichen Mustern wie in normalen Zeiten», erklärt Henning Vöpel, Experte für Geldpolitik am Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut. Die Unsicherheit und unklare Zukunftsaussichten verhinderten viele Investitionen, besonders in Krisenländern wie Griechenland, Spanien oder Italien.

Mit einem Impuls für die Realwirtschaft rechnet er deshalb nicht, sondern mit einer Stabilisierung der Banken und der Vermögenspreise. Die Banken dürften über die höhere Zinsmarge höhere Gewinne erwirtschaften und damit ihr Eigenkapital stärken. Je mehr Eigenkapital sie haben, desto mehr Verluste können sie verkraften.

Welche Gefahren bergen die niedrigen Zinsen?

Je billiger Kredite sind, desto eher schlagen Unternehmen oder Häuslebauer zu. Wer nur drei Prozent Zinsen für seinen Hauskredit zahlt, kann sich auch einen höheren Kaufpreise leisten als bei sechs oder sieben Prozent. Der derzeitige Bauboom und die stark steigenden Immobilienpreise sind also auch eine Folge der niedrigen Zinsen. Dabei kann eine Blase entstehen.

Wenn sich Unternehmen Geld zu niedrigen Zinsen leihen können, steigt zudem die Gefahr von Fehlinvestitionen. Die Firmen stecken dann Mittel in Projekte, die sie bei höheren Zinsen nie angepackt hätten, weil das Risiko zu hoch oder der erwartete Ertrag zu niedrig ist.

Wie können Verbraucher auf niedrigere Zinsen reagieren?

«Das ist eine lukrative Situation für Häuslebauer» sagt Thomas Mai, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bremen. Die Kehrseite der Medaille: Wer Geld anlegen will, muss sich auf (noch) niedrigere Renditen einstellen. «Der Sparer sollte allgemein darauf achten, dass eine Zwei vor dem Komma steht, damit zumindest die Inflation ausgeglichen wird», sagte Mai. Wenn die Realzinsen, also die Rendite nach Abzug der Inflation, negativ werden, dann sind auch Riester- und andere Renten weniger wert. «Dann müssten einige noch mal ne Schippe drauflegen.»

Einen Grund, die Geldanlage grundsätzlich umzustellen, gebe es aber auch bei niedrigen Leitzinsen nicht: «Wer kein Kursrisiko in Kauf nehmen will, der sollte deshalb nicht in Aktien investieren», rät Mai. Besser sei es da noch, falls vorhanden, einen alten Bausparvertrag zu nutzen, der drei oder vier Prozent Zinsen biete.

zij/news.de/dapd

Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • hector
  • Kommentar 2
  • 08.07.2012 16:32

Jahrzehntelang wurde zur Wirtschaftsbelebung immer wieder das Instrument der Zinssenkung bemüht. Nun sind die Zinsen bei Null. Daraus wird deutlich, dass künftig andere Instrumente erforderlich sind, denn einen Zins unter Null wird es nicht geben. Zinsen bei Null und ordentliche Preissteigerungen, man denke bloß an Energie, treiben kräftig die Inflation. Viele Menschen werden kaum Gelegenheit bekommen sich ein Vermögen aufzubauen. Schon bald weden wir ohnehin die Zeche zahlen müssen, wenn unser Land für ESM, Schuldenländer und marode Banken in Haftung genommen wird. Die Gefahr der noch größeren Verschuldung steigt durch niedrige Zinsen, aber sie werden nicht ewig niedrig bleiben.

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  • Josef
  • Kommentar 1
  • 05.07.2012 21:15

Was will man mit der Senkung des Leitzinses erreichen? Das gleiche was man mit all den Rettungsschirmen (ESFS, ESM), Fiskalpakt, Bankenunion, Wachstumspakete erreichen will: den Geldkreislauf noch eine Zeitlang in Schwung zu halten. „Die Summe, welche die Anleger in Spareinlagen horten, auf ihrem Girokonto liegen lassen oder als Bargeld halten, liegt derzeit bei fast zwei Billionen Euro. Das sind 40 Prozent des gesamten Geldvermögens. So hoch war dieser Anteil noch nie.“ Zitat aus der Süddeutschen vom 30.06.2012 – „Ein bisschen Hoffnung“ Die Frage ist doch: Wie kann man diese fast zwei Billion

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