Arbeitsmarkt Trotz schwacher Juni-Zahlen: Bundesagentur sieht keine Trendwende

Nürnberg - Der deutsche Job-Boom hat sich im Juni weiter abgeschwächt - doch die Bundesagentur für Arbeit (BA) sieht darin noch keinen Hinweis auf eine bevorstehende Trendwende.

Trotz schwacher Juni-Zahlen: Bundesagentur sieht keine Trendwende (Foto)
Trotz schwacher Juni-Zahlen: Bundesagentur sieht keine Trendwende Bild: dpa

Zumindest bis zum Jahresende rechnet BA-Chef Frank-Jürgen Weise mit einer stabilen Entwicklung und weiterhin guten Chancen für Jobsucher. Wie sich der Arbeitsmarkt im Jahr 2013 entwickeln werde, hänge hingegen von der Euro-Schuldenkrise ab. Diese stelle weiterhin ein Risiko für den Stellenmarkt dar, sagte Weise bei der Bekanntgabe der neuesten Arbeitslosenzahlen am Donnerstag in Nürnberg.

«In diesem Jahr ist aber mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Trendwende zu erwarten. Dafür, dass sich das Blatt wendet, gibt es keine belegbaren Fakten.» Als Beispiele nannte Weise die gute Lage der Bauwirtschaft und die gute Binnennachfrage - beide stützten den Arbeitsmarkt. «Es ist nicht zu erwarten, dass sich in diesem Jahr daran etwas ändert», zeigte sich der oberste Arbeitsvermittler optimistisch. Er räumte aber «Anzeichen einer schwächeren Entwicklung» im Juni ein.

Zugleich warnte Weise angesichts eines Rekordtiefs bei den Erwerbslosen vor überzogenen Erwartungen: «Wir haben eine gute Ausgangsbasis. Und man muss sich daher fragen: Wie weit kann Arbeitslosigkeit noch zurückgehen?»

Im Juni war die Zahl der Erwerbslosen im Vergleich zum Vormonat nur noch um 46 000 auf 2,809 Millionen gesunken, wie die Bundesagentur mitteilte. Dies ist der schwächste Rückgang in einem Juni seit zehn Jahren. Trotzdem verzeichnen die Arbeitsagenturen weiterhin ein Rekordtief bei der Arbeitslosigkeit: Weniger Jobsucher gab es in einem Juni zuletzt vor 21 Jahren. Die bundesweite Arbeitslosenquote sank seit Mai um 0,1 Punkte auf 6,6 Prozent.

Die jüngste Entlassungswelle bei der insolventen Drogeriemarktkette Schlecker wird sich nach BA-Einschätzung erst in den Juli-Zahlen auswirken. Die vom endgültigen Aus betroffenen 13 000 Schlecker-Mitarbeiter erhalten erst in diesen Tagen ihre Kündigungen. Von 11 500 Schlecker-Frauen, die bereits vor einigen Wochen ihren Job verloren haben, hätten bereits 2500 eine neue Arbeit gefunden, hieß es. Weitere 2550 seien in Ruhestand gegangen, im Mutterschutz oder seien aus anderen Gründen nicht länger arbeitslos gemeldet.

Kaum noch Schub erhält der Arbeitsmarkt von der Konjunktur: Für den Rückgang der Juni-Erwerbslosigkeit sind allein jahreszeitliche Effekte verantwortlich. Ohne diese wäre die Zahl der Arbeitslosen im Juni um 7000 auf 2,882 Millionen gestiegen. Auch liegt die Arbeitslosigkeit nur noch unwesentlich unter dem Vorjahresniveau. Noch im März 2011 hatte es fast 350 000 Jobsucher weniger gegeben als im Vorjahresmonat; inzwischen sind es nur noch 84 000.

Als Hinweis auf eine stabile Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt sieht die Bundesagentur vor allem die immer noch steigende Zahl der Arbeitsplätze in deutschen Betrieben. Die Zahl der Erwerbstätigen stieg nach den jüngsten Daten vom Mai auf 41,58 Millionen, ein Plus von 561 000 binnen eines Jahres. Die Zahl der regulären Jobs mit Sozialversicherungspflicht lag im April bei 28,88 Millionen und damit um 666 000 über dem Vorjahresmonat.

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sieht die Ursache für den abgeschwächten Job-Aufschwung in Deutschland in der Euro-Schuldenkrise. «Die Risiken im Euroraum drücken auf den deutschen Arbeitsmarkt», kommentierte sie die Arbeitsmarktdaten. Die dynamische Entwicklung aus dem Vorjahr habe sich abgeschwächt, der Arbeitsmarkt auf breiter Front seinen positiven Trend verloren. Ein Hinweis auf eine Trendwende sei das aber nicht. Diese Einschätzung teilte auch ihr Kabinettskollege, Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP).

Kritisch beurteilt dagegen die Linkspartei die Lage am Arbeitsmarkt. «Merkels Kürzungsdiktate für die Krisenländer in Europa bringen nun auch den deutschen Arbeitsmarkt ins Schlingern», erklärte die Linken-Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann in Berlin. Die jüngsten Zahlen zeigten, dass Deutschland sich von den Krisentendenzen nicht abkoppeln könne. Zimmermann forderte mehr Hilfen für Langzeitarbeitslose. Dagegen sieht Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt durchaus Fortschritte bei der Vermittlung von Hartz-IV-Beziehern. Ihre Zahl sinke seit Monaten überproportional stark, sei aber noch immer wesentlich zu hoch.

Arbeitsmarktbericht für Juni

news.de/dpa

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