EU Spanische 10-Jahresrendite auf Rekordhoch

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Spanische 10-Jahresrendite auf Rekordhoch Bild: dpa

Madrid/Frankfurt - Trotz angekündigter Bankenhilfen in dreistelliger Milliardenhöhe nehmen Anleger Spanien immer stärker unter Beschuss. Am Dienstag kletterte die Rendite im richtungsweisenden zehnjährigen Laufzeitbereich auf den höchsten Stand seit Einführung des Euro.

Einen weiteren Nackenschlag für Spanien gab es von der Ratingagentur Fitch: Am Nachmittag stufte das Unternehmen 18 spanische Geldhäuser herunter. Die Finanzmärkte schalten in den Panik-Modus.

Bis zum Nachmittag legte die Rendite am Sekundärmarkt für bereits gehandelte zehnjährige spanische Anleihen auf 6,783 Prozent zu. Noch nie seit Gründung der Währungsgemeinschaft lag sie über diesem Niveau. Auch italienische Staatspapiere hat die Krise mit voller Wucht erfasst. Die zehnjährigen Renditen kletterten auf 6,156 Prozent.

Nach Einschätzung von Experten herrscht die blanke Panik am Markt. «Wie stark die Verunsicherung ist, zeigt sich nicht nur an den starken Verkäufen von spanischen und italienischen Staatsanleihen», sagte Marc Burgheim, Leiter des Devisenhandels der BayernLB. «Mittlerweile werden auch die als bisher sicher geltenden deutschen Anleihen verkauft.» Stark nachgefragt werde neben dem Dollar auch das Gold.

Die Ratingagentur Fitch heizte die Nervosität an den Finanzmärkten mit einem Rundumschlag gegen den spanischen Finanzsektor weiter an. Nachdem die Agentur kürzlich bereits die Kreditwürdigkeit der beiden Schwergewichte Banco Santander und BBVA gesenkt hatte, stufte Fitch am Dienstag 18 Sparkassen herab. Der Euro erreichte ein Tagestief bei 1,2443 US-Dollar. Die Aktienmärkte gerieten ebenfalls in Aufruhr: Der Dax fiel unter die Marke von 6100 Punkten.

Immer deutlicher wird unterdessen auch, wie sehr die Finanzmärkte an den jüngst beschlossenen Hilfszahlungen für den maroden spanischen Bankensektor zweifeln. Am Wochenende kündigten Madrid und seine Euro-Partner an, dass Spanien unter den Rettungsschirm schlüpfen wird. Bis zu 100 Milliarden Euro sollen aus den Krisenfonds EFSF oder ESM fließen, damit der angeschlagene spanische Finanzsektor saniert werden kann.

Die Befürchtungen, dass Hilfen allein für die Banken nicht reichen, wird jedoch immer größer. «Auch wenn Spanien zunächst nur für seine Banken um Geld bittet, ist die Wahrscheinlichkeit nun recht groß, dass das Land bald auch für die Finanzierung seines normalen Staatshaushalts um Hilfe nachsuchen wird», sagt Commerzbank-Analyst Ralph Solveen.

Doch mittlerweile hat Italien, das als drittgrößte Euro-Volkswirtschaft als entscheidender Dominostein in der Schuldenkrise gilt, Spanien als größten Unruheherd abgelöst. Spätestens nachdem Österreichs Finanzministerin Maria Fekter ein Hilfsprogramm für Rom am Montagabend nicht ausschließen wollte, zittert Europa um ein Schwergewicht, das nach einhelliger Expertenmeinung zu groß für den Rettungsschirm wäre.

Dass der italienische Premier Mario Monti Fekter umgehend auf die Finger klopfte, beeindruckt Investoren wenig. «Ich halte es für vollkommen unangemessen, dass eine Ministerin eines EU-Mitgliedstaates die Lage eines anderen EU-Mitgliedstaates kommentiert. Daher verzichte ich auf jegliche Kommentare», hatte Monti am Dienstag in Rom vor Journalisten gesagt, die ihn um eine Reaktion auf Fekters Äußerung baten.

Commerzbank-Experte Solveen ist auch mit Blick auf Italien skeptisch. Zwar scheine die Regierung bei der Reduzierung des Budgetdefizits halbwegs im Plan zu sein. Ansonsten dominierten aber die schlechten Nachrichten: Die Konjunktur sei zu Jahresbeginn eingebrochen, und der Reformwillen der italienischen Politik sei offensichtlich bereits wieder deutlich erlahmt. «So könnte auch ein Hilfsantrag Italiens nur eine Frage der Zeit sein.»

news.de/dpa

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