Arbeitsmarkt Arbeitsmarkt: Schwächster Frühjahrsaufschwung seit drei Jahren

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Arbeitsmarkt: Schwächster Frühjahrsaufschwung seit drei Jahren Bild: dpa

Nürnberg/Berlin - Die schwächste Frühjahrsbelebung seit drei Jahren hat die Sorgen vor einem Ende des deutschen Jobaufschwungs wachsen lassen.

Zwischen März und Mai ging nach jüngsten Daten der Bundesagentur für Arbeit (BA) die Zahl der Erwerbslosen nur noch um 254 000 zurück.

Üblich sind in diesem Zeitraum Rückgänge von 300 000 bis 350 000. Allein im Mai sank die Zahl der Erwerbslosen überraschend nur noch um 108 000 auf 2,855 Millionen. Das waren 105 000 Erwerbslose weniger als vor einem Jahr.

Trotzdem lag die Mai-Arbeitslosigkeit auf dem niedrigsten Stand seit 20 Jahren. Die Erwerbslosenquote sank um 0,3 Punkte auf 6,7 Prozent. Vor einem Jahr hatte sie noch bei 7,0 Prozent gelegen, berichtete BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise.

Für dieses Jahr rechnet Weise weiterhin mit einer durchschnittlichen Arbeitslosigkeit zwischen 2,8 und 2,9 Millionen. Ein Risiko stelle allerdings die Euro-Schuldenkrise dar. «In Deutschland werden die wirtschaftlichen Auswirkungen der Schuldenprobleme in einigen Ländern noch von der starken Binnenkonjunktur und dem starken Export in Länder außerhalb der EU kompensiert», sagte Weise. Trotzdem könne sich den negativen Einflüssen womöglich auch Deutschland nicht entziehen.

Der BA-Chef räumte ein, dass der Arbeitsmarkt im Mai keinen Schub mehr von der Konjunktur bekommen habe. «Im Mai spüren wir nur noch den saisonüblichen Frühjahrsaufschwung», betonte er. Eine Trendwende sieht er darin allerdings nicht. Die Lage sei weiterhin gut. Allerdings schwäche sich die positive Tendenz der vergangenen Jahre ab. «Wir fahren weiter mit Geschwindigkeit, beschleunigen aber nicht mehr.»

Aus Sicht von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) präsentiert sich der Arbeitsmarkt damit trotz der Risiken im Euro-Raum insgesamt positiv, «aber die gute Tendenz schwächt sich etwas ab». Auch Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) sieht weiterhin eine positive Grundtendenz auf dem Arbeitsmarkt. Was der Arbeitsmarkt derzeit spüre, sei lediglich «die bereits überwundene Wachstumsdelle». Inzwischen habe die Konjunktur aber im ersten Quartal nach einer kurzen Schwächephase wieder Tritt gefasst.

Das für Hartz IV zuständige BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt führt den ungewöhnlichen geringen Rückgang der Mai-Arbeitslosigkeit auch auf die geschrumpfte aktive Arbeitsmarktpolitik der Arbeitsagenturen und Jobcenter zurück. Im Mai hatten sich nach seinen Angaben nur noch rund 973 000 Erwerbslose in Ein-Euro-Jobs befunden oder absolvierten Aus- und Fortbildungskurse - 253 000 weniger als vor einem Jahr.

Zuversichtlich stimmt BA-Chef Weise das große Angebot an freien Stellen. Insgesamt hatten Unternehmen nach Erkenntnissen der Arbeitsagenturen im Mai eine halbe Million Mitarbeiter gesucht. Die Nachfrage nach Arbeitskräften erreichte damit ein ähnlich hohes Niveau wie zum Höhepunkt des Job-Booms im Herbst vergangenen Jahres.

Wie auch die Beschäftigtenstatistik zeige, entstünden in vielen Unternehmen weiterhin neue Arbeitsplätze, sagte Weise. So wuchs die Zahl der Erwerbstätigen binnen Jahresfrist um 572 000 auf 41,42 (Stand April), die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze sogar um 675 000 auf 26,78 Millionen (Stand März).

Die SPD-Bundestagfraktion beklagte «tiefe Verwerfungen am deutschen Arbeitsmarkt». Fraktionsvize Hubertus Heil forderte ein Aktionsprogramm für eine gerechte Ordnung auf dem Arbeitsmarkt. Die Linksfraktion im Bundestag warnte: «Unter Personen mit geringen Vermittlungschancen droht sich die Arbeitslosigkeit zu verfestigen». Für DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach muss «der Boom bei prekären Jobs endlich in einen Boom guter Arbeit umgewandelt werden».

Arbeitsmarktbericht für Mai

news.de/dpa

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