Finanzen Geld für den Start - Mikrokredite für Unternehmensgründer

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Geld für den Start - Mikrokredite für Unternehmensgründer Bild: dpa

Berlin/Hamburg - Wer ein Unternehmen gründen möchte, scheitert oft schon an der ersten Hürde - dem Kredit. Gerade bei kleinen Summen, ist es schwierig, eine passende Finanzierung auf die Beine zu stellen.

Eine Alternative sind Mikrokredite.

Wer in Deutschland als Existenzgründer oder bereits bestehendes Unternehmen Zugang zu Kapital haben möchte, hat es bei kleinen Beträgen schwer. «Der Aufwand ist den klassischen Banken schlicht zu groß», erklärt Max Herbst von der unabhängigen FMH-Finanzberatung in Frankfurt am Main. «Das Verleihen einer geringen Summe steht in keiner Relation zur Verwaltung des Darlehens.»

Die Bundesregierung hat daher staatlich gesicherte Mikrokredite ins Leben gerufen. Verliehen werden dabei schon wenige hundert, maximal aber 25 000 Euro. Die Kleindarlehen sind mit einem Fonds von 100 Millionen Euro gesichert - dem Mikrokreditfonds Deutschland. Geldgeber sind der Europäische Sozialfonds sowie das Bundesministerium für Arbeit und Soziales.

Seit dem Start im Jahr 2010 wurden bereits über 6000 Kredite vergeben. Existenzgründer oder junge Unternehmen leihen sich dabei durchschnittlich 6000 Euro für eine Dauer von meist 25 Monaten. Eine Kredituntergrenze gibt es nicht. Die Laufzeit beträgt bis zu drei Jahre. Sogenannte Mikrofinanzinstitute, etwa Unternehmensberatungen, übernehmen die Verwaltung und Beratung. Anschließend vermitteln sie die Kreditnehmer an die GLS-Bank. Sie ist der eigentliche Geldgeber.

Die Kreditvergabe funktioniert nach Auskunft des Bundesarbeitsministeriums unbürokratisch: «Vom Kreditantrag bei der Bank bis zur Auszahlung vergehen in der Regel fünf bis zehn Tage», sagt eine Sprecherin. «Für normale Firmenkredite beträgt die Bearbeitungszeit bei den Banken in der Regel ein Vielfaches.» Geförderte Branchen sind vor allem Dienstleistungen, gefolgt von Gastronomie und Einzelhandel. «Gerade diese Branchen haben oftmals einen besonders schwierigen Zugang zu Kapital.» Einen geringeren Zins als marktüblich erhalten die Gründer und Unternehmer jedoch nicht. Sie müssen derzeit 8,9 Prozent effektiven Jahreszins einkalkulieren.

Prof. Udo Reifner vom Institut für Finanzdienstleistungen (IFF) in Hamburg hält das Programm allerdings für wenig geeignet. «Mit dem Fonds wird die Sorgfalt der Kreditvermittler sowie der Bank herabgesetzt, denn das Risiko trägt der Staat», sagt Reifner. Zudem werde mit den hier tätigen Mikrofinanzinstituten der Bankensektor verlassen.

«Das Programm ist eine Einladung an unseriöse und unerfahrene Unternehmensberater, sich als Kreditvermittler zu gerieren und mit dem staatlichen Siegel Kunden zu werben. Die Qualität der Beratung wird nicht geprüft», gibt der Finanzexperte zu bedenken. Die Laufzeit der Mikrokredite sei mit maximal drei Jahren zudem zu kurz. «Ein Unternehmen erreicht meist erst nach über drei Jahren den Break-Even-Point, also den Punkt, an dem es überlebensfähig ist.»

Jungen Existenzgründern ohne Eigenkapital rät Finanzexperte Herbst, sich mit ihrem Konzept an die Förderbanken der Bundesländer zu wenden. «Diese Institute können für Existenzgründer das Geschäftsmodell prüfen und tragen einen Teil des Risikos. Sie übernehmen die Bürgschaft gegenüber einer anderen Bank, die schließlich den Kredit gibt.» Auch die Sparkassen bieten gewerbliche Kleinkredite an, bei denen die Zinsen staatlich subventioniert sind.

Existenzgründer können sich zudem an die Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern und verschiedene Gründerinitiativen wenden. Die Berater kennen in der Regel auch das Kreditangebot der Institute vor Ort und die staatlichen Fördermöglichkeiten. Die Beratung der Kammern ist meist kostenlos. Haben Gründungswillige schließlich ein solides Geschäftskonzept in der Hand, sind die Chancen auf einen Kredit bereits deutlich größer.

Infoseite des BMAS

mein-mikrokredit.de

Mikrokredite

Insgesamt 45 Mikrofinanzinstitute (MFI) betreuen Existenzgründer und Unternehmen für die Aufnahme des von der Bundesregierung geförderten Mikrokredits vom Erstgespräch bis zur Rückzahlung. Über die Internetseite mein-mikrokredit.de können die Kunden die einzelnen Institute kontaktieren.

news.de/dpa

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