Computer SAP rechtfertigt Cloud-Milliardenzukauf als Riesenchance

SAP rechtfertigt Cloud-Milliardenzukauf als Riesenchance (Foto)
SAP rechtfertigt Cloud-Milliardenzukauf als Riesenchance Bild: dpa

Mannheim - Der Softwarekonzern SAP zaubert für seine Aktionäre pünktlich zur Hauptversammlung eine Überraschung aus dem Hut: Mit der Milliarden-Übernahme des Cloud-Experten Ariba soll der weltweit zweitgrößte Anbieter in der Internet-Datenwolke eingemeindet werden.Das bedeutet im Dauerkampf gegen den Erzrivalen Oracle einen neuen Angriff.

Pünktlich zur Aktionärsversammlung am Mittwoch schlugen die Deutschen abermals im Stammland von Oracle-Chef Larry Ellison zu und leiteten den Kauf des amerikanischen Cloud-Spezialisten Ariba für rund 4,3 Milliarden Dollar (3,3 Mrd Euro) ein. Damit gewinnt der Wettlauf zwischen den zwei Konkurrenten bei Übernahmen von Diensten aus dem Netz weiter an Fahrt. Die SAP-Führungsspitze dementierte aber vor den Aktionären eine Schlacht um Zukäufe.

Ariba bietet Firmen Handelsnetzwerke an - etwa Online-Plattformen für Ein- und Verkauf. Sie erlauben neben Automatisierungsfunktionen auch die Zusammenarbeit bei Projekten wie eine Art Soziales Netzwerk.

«Es gibt weltweit kein besseres Unternehmen, das mehr Synergien mit SAP hat, als Ariba», sagte SAP-Co-Chef Jim Hagemann Snabe am Mittwoch am Rande der Hauptversammlung in Mannheim. Gleichzeitig bekräftigten er und sein Kollege Bill McDermott, dass SAP mit eigenen Ideen wachsen wolle und nicht auf groß angelegter Einkaufstour sei. «Unsere Strategie ist es nicht, Unternehmen zu übernehmen», sagte Snabe.

SAP will nun bei dem Geschäft von Ariba schon bald kräftig den Turbo zünden: Derzeit gibt es gut 700 000 Käufer und Verkäufer auf der Handelsplattform, bereits kommendes Jahr könne die Millionen-Marke erreicht werden, sagte McDermott. Derzeit fließen über das Handelsnetz 319 Milliarden Dollar. Der mögliche Markt liege aber in den Billionen.

Ariba ist für SAP die zweite Milliarden-Übernahme binnen weniger Monate. Erst vor kurzem stemmte der Konzern den etwa 3,4 Milliarden Euro teuren Kauf des ebenfalls amerikanischen Anbieters Successfactors, eines Spezialisten für Personaldienstleistungen aus der Cloud. Auch Oracle schlug in den vergangenen Monaten mit zwei großen Cloud-Übernahmen zu: Taleo bietet Werkzeuge für Personalabteilungen an, RightNow Technologies hilft beim Kundenmanagement. Etliche Experten sehen in der Cloud einen entscheidenden Zukunftsmarkt, der rasantes Wachstum vor sich hat.

Auf der SAP-Hauptversammlung äußerten Aktionärsschützer aber auch Bedenken, ob die Milliardenzukäufe womöglich wie beim Börsencrash vor gut zehn Jahren in einer völlig überdehnten Blase enden. So übersteigt der geplante Kaufpreis auch bei Ariba den Jahresumsatz um ein Vielfaches. SAP verweist auf externe Bewertungen zweier Banken.

Die Übernahme im Oracle-Stammland dürfte den Konkurrenzkampf der beiden Rivalen weiter befeuern. Oracle ist die weltweite Nummer eins bei Datenbanken, SAP bei Unternehmenssoftware etwa für die Buchhaltung.

Das SAP-Führungsduo erklärte vor Journalisten, die ersten konkreten Gespräche mit Ariba lägen etwa 100 Tage zurück. Näher ins Auge gefasst hätten die Walldorfer den US-Anbieter schon Anfang 2010, als SAP mit einer neuen Strategie aufs Cloud-Geschäft zielte.

SAP bietet für die Ariba-Aktie 45,00 Dollar (35,50 Euro). Snabe und McDermott zufolge wollen sie die 3,3 Milliarden Euro Kosten zu einem Drittel aus dem SAP-Kassenbestand finanzieren und sich den Rest bei Banken leihen. Der Deal soll im dritten Quartal unter Dach und Fach sein. Für Ariba arbeiten 2600 Menschen. Das nach SAP-Angaben zweitgrößte Cloud-Unternehmen der Welt setzte 2011 rund 444 Millionen US-Dollar um (etwa 350 Mio Euro). Die Walldorfer wollen das Ariba-Netzwerk auch mit ihrer neuen Echtzeit-Technologie Hana kombinieren, bei der riesige Datensätze blitzschnell direkt im Arbeitsspeicher und nicht mehr auf Festplatten bewegt werden können.

Seine Aktionäre belohnt SAP nach dem erfolgreichsten Geschäftsjahr der Unternehmensgeschichte mit einer Rekorddividende. Laut Beschluss der Hauptversammlung am Mittwoch in Mannheim werden nach 60 Cent im Vorjahr diesmal 1,10 Euro ausgeschüttet. SAP legt damit unter allen 30 Dax-Konzernen im Jahresvergleich den höchsten Dividendensprung hin.

Außerdem wurde mit Anja Feldmann erstmals eine Frau als Vertreterin der Anteilseigner in den Aufsichtsrat gwählt. Feldmann ist Professorin an der Fakultät für Elektrotechnik und Informatik an der Technischen Universität Berlin und gilt als renommierte Internetforscherin. Auf Arbeitnehmerseite sitzen im 16-köpfigen Kontrollgremium bereits drei weibliche Mitglieder. Die stellvertretende Betriebsratschefin Christiane Kuntz-Mayr stieg zur stellvertretenden Aufsichtsratschefin auf.

Mitteilung

Alte Mitteilung Cloud-Strategie

news.de/dpa

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig
Anzeige
news.de auf Facebook
Follow us on Facebook!
News.de auf Twitter
Follow us on Twitter!
Anzeige