Opel Opel-Chef: Astra nur noch in zwei Werken

Rüsselsheim - Opel tritt auf die Kostenbremse: Weil der Absatz stetig sinkt und die Werke bei weitem nicht ausgelastet sind, lässt der defizitäre Autohersteller sein Hauptmodell Astra künftig nur noch in zwei Werken bauen.

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Opel-Chef: Astra nur noch in zwei Werken Bild: dpa

Doch wo der Astra zukünftig vom Band rollen darf, verkündete Unternehmenschef Karl-Friedrich Stracke am Montag nach einer Betriebsversammlung in Rüsselsheim nicht. Es gilt aber als sicher, dass der Opel-Bestseller künftig nicht mehr in Deutschland hergestellt wird.

Stracke blieb auch die Antwort auf die Frage schuldig, ob sein Sanierungsplan weitere Werksschließungen oder einen neuerlichen Stellenabbau in Europa vorsieht. Der Unternehmensplan solle im Juni dem Aufsichtsrat vorgelegt werden, sagte Stracke: «Er ist keineswegs ein Sparplan, sondern eine umfassende Strategie, mit der wir schnell wieder in die Gewinnzone fahren werden, ganz egal ob mit oder ohne Rückenwind des Marktes.»

Damit werde Opel bis 2016 seine Margen, Marktanteile und den Umsatz deutlich steigern. Zuvor soll es auf der Betriebsversammlung mit gut 8000 Beschäftigten am Stammsitz Rüsselsheim ein ums andere Mal sehr laut geworden sein - vor allem dann, wenn die Belegschaft die Antworten ihres Chefs für unzureichend hielt. «Die Stimmung ist angespannt», betonte Opel-Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug. Die Betriebsversammlung müsse bald fortgesetzt werden.

Stracke präsentierte einen Zehn-Punkte-Plan, wonach die Materialkosten gesenkt und die bislang weitgehend auf Europa beschränkte General-Motors-Tochter neue Exportmärkte erschließen soll. Zudem werde aktuell geprüft, ob Modelle der Konzernschwester Chevrolet in Europa gebaut werden könnten. Beides fordert der Betriebsrat seit Jahren als wichtigen Baustein, um Werksschließungen zu vermeiden.

«Wir sind weiter der Auffassung, dass es Möglichkeiten gibt, die Werke hier auch in Dreischicht auszulasten, wenn man entsprechendes Volumen hat, wenn man Chevrolet-Fahrzeuge hier produziert, wenn man die Fahrzeuge, die im Moment außerhalb der europäischen Werke vorgesehen sind, nach Europa holt», sagte Schäfer-Klug.

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer glaubt allerdings nicht, dass diese Vorschläge viel Aussicht auf Erfolg haben: «GM wird das wegen der Kostenunterschiede nicht machen, denn Chevrolet soll in Europa als Billigmarke etabliert werden.»

Unterstützt wurden die Opel-Arbeitnehmer am Montag von den Ministerpräsidenten aus Hessen und Rheinland-Pfalz, Volker Bouffier (CDU) und Kurt Beck (SPD). Dabei blieb Beck skeptisch: «Von einer positiven Perspektive kann man bei weitem noch nicht sprechen.» Bouffier forderte eine bessere Zusammenarbeit zwischen Management und Arbeitnehmervertretern: «Man ist stärker, wenn man gemeinsam in die gleiche Richtung arbeitet. Ich bin sicher, dass man diesbezüglich noch Luft nach oben hat.» Zuvor hatte der Betriebsrat dem Management vorgeworfen, ohne Rücksicht auf Verträge und ohne Rücksprache mit den Sozialpartnern Fakten schaffen zu wollen.

Stracke legte am Montag auch Altbekanntes wie ein 11 Milliarden Euro schweres Investitionsprogramm für neue Modelle abermals auf den Tisch. Die «Modelloffensive» hatte Stracke-Vorgänger Nick Reilly bereits im Februar 2010 angekündigt - und damals das längst kassierte Ziel ausgegeben, 2012 in die Gewinnzone zurückkehren zu wollen.

Darüber hinaus will Stracke die komplexe Fertigung vereinfachen und die Kapazitätsauslastung verbessern, um Kosten zu senken. «Klares Ziel ist es hier, in jedem einzelnen Werk einen Dreischichtbetrieb zu erreichen», betonte der Opel-Chef. Den Anfang mache das Unternehmen bei der Produktionsvergabe der nächsten Astra-Generation: «Angesichts der erwarteten Nachfrage sind wirtschaftlich nur zwei Astra-Werke sinnvoll. Wenn wir diese zwei Werke im Dreischichtbetrieb laufen lassen, werden die Produktionskosten für die nächste Astra-Generation deutlich unter den heutigen liegen.»

Bislang wird das aktuelle Astra-Modell in den drei Werken in Rüsselsheim, im britischen Ellesmere Port und im polnischen Gliwice jeweils im Zweischichtbetrieb produziert. Im Bochumer Werk laufen zudem noch Versionen des Vorgängermodells als «Astra Classic» für den Export nach Osteuropa vom Band. Nach Informationen aus Gewerkschaftskreisen überlegt der Konzern, die Astra-Produktion aus Rüsselsheim abzuziehen und dem Stammwerk zum Ausgleich den bisher in Bochum gefertigten Zafira zu geben. Das könnte für das Bochumer Werk mit 3200 Opelanern das Aus bedeuten. Stracke äußerte sich dazu nicht.

Der Opel-Chef zeigte sich aber für weitere Kooperationen offen. Erste Projekte bei der jüngst beschlossenen Zusammenarbeit mit dem französischen Hersteller PSA Peugeot-Citroën würden gerade geprüft. Zuletzt war spekuliert worden, dass die nächste Generation des Familien-Vans Zafira nicht mehr in Rüsselsheim entwickelt werden solle, sondern bei PSA. Stracke bestritt dies nicht, stellte aber klar, dass diese Allianz keine einzige Stelle im Internationalen Technischen Entwicklungszentrum in Rüsselsheim kosten werde: «Sollten wir entscheiden, ein Entwicklungsprojekt von Opel zu PSA zu verlagern, wird im Gegenzug ein PSA-Projekt nach Rüsselsheim kommen.»

news.de/dpa

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