Banken Bei JPMorgan rollen erste Köpfe nach Milliardenverlust

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Bei JPMorgan rollen erste Köpfe nach Milliardenverlust Bild: dpa

New York/Washington - Der milliardenschwere Spekulationsverlust bei JPMorgan Chase kostet die verantwortliche Bankmanagerin ihren Job. Nach mehr als 30 Jahren im Unternehmen habe Ina Drew entschieden, die Bank zu verlassen, erklärte Amerikas mächtigstes Geldhaus am Montag in New York.

Ihr Abgang war erwartet worden - und es dürften weitere folgen. Drew leitete seit 2005 das sogenannte Chief Investment Office. Händler dieser Sparte hatten binnen sechs Wochen rund 2 Milliarden Dollar verzockt (1,5 Mrd Euro) und damit die Reputation des Kreditinstituts schwer beschädigt. Drew wurde vorgeworfen, die drohende Gefahr nicht erkannt zu haben.

Das Weiße Haus wertete die Entwicklung als Beweis dafür, wie richtig es gewesen sei, dass Präsident Barack Obama die Wall-Street-Reform durchgesetzt habe - und wie wichtig es sei, die Bankenregulierungen auch voll umzusetzen. Seit der Verabschiedung hätten Lobbyisten Abermillionen Dollar für den Versuch ausgegeben, die Reform zu verwässern, sagte Obamas Sprecher Jay Carney.

Er verwies darauf, dass Obama mit dem Gesetz darauf abgezielt habe, Durchschnittsbürger vor den Folgen leichtsinnigen Bankenverhaltens zu schützen. Im Fall JPMorgan seien es die Teilhaber und die Bank selbst, die Verluste hinnehmen müssten. «Deshalb ist es so wichtig, dass wir uns den den Bestrebungen von Republikanern und Wall-Street-Lobbyisten widersetzen, sie (die Regulierungen) rückgängig zu machen», sagte Carney.

Der Abgang von Drew wiegt für Bankchef Jamie Dimon schwer: Die 55-Jährige war eine der mächtigsten Frauen an der Wall Street und galt als seine Vertraute. Im vergangenen Jahr kassierte sie ein Gehalt von 15,5 Millionen Dollar - mehr als so mancher Bankboss. Auch nach ihrem Ausscheiden dürften ihr Millionen zustehen.

«Ina Drew war eine klasse Partnerin in all den Jahren», sagte Dimon, der nach Informationen von US-Medien bis zuletzt gezögert hatte, die Karrierebankerin gehen zu lassen. Ihre Leistungen sollten nicht von den jüngsten Spekulationsverlusten überschattet werden, sagte Dimon. Drew hatte mitgeholfen, die Bank fast ohne Blessuren durch die Finanzkrise zu steuern.

Nachfolger von Drew wird der bisher fürs Anleihegeschäft zuständige Matt Zames. Der ehemalige Finanzchef Mike Cavanagh wird überdies ein Team leiten, dass eine Strategie gegen die Spekulationsverluste erarbeiten soll. Denn die problematischen Finanzwetten laufen weiter. Konzernchef Dimon hatte bereits eingeräumt, dass die Bank noch mehr Geld verlieren könnte.

Wie das «Wall Street Journal» und die «New York Times» unter Berufung auf eingeweihte Personen berichteten, wird auch damit gerechnet, dass der Leiter des Londoner Wertpapier-Handels und ein Händler gehen. Die Londoner Niederlassung von JPMorgan hatte mit ihren Spekulationen das Desaster heraufbeschworen.

Nach Angaben des «Wall Street Journal» dürfte überdies Bruno Iksil die Bank verlassen. Der ebenfalls in London stationierte JPMorgan-Händler erlangte in der Finanzwelt Berühmtheit, weil er ein derart großes Rad mit sogenannten Derivaten drehte, dass der gesamte Kreditmarkt verzerrt wurde. In der Branche bekam er den Spitznamen «Wal von London» verpasst.

JPMorgan-Chef Dimon hatte den Milliardenverlust am späten Donnerstag eingeräumt. Am Freitag war der Aktienkurs um 9 Prozent eingebrochen, am Montagmorgen gab er um weitere 3 Prozent nach. Das ist für Dimon besonders peinlich, weil an diesem Dienstag (15. Mai) die Hauptversammlung ansteht und er seinen Aktionären Rede und Antwort stehen muss. Dimon versicherte, «dass unsere Firma stark und finanziell gut ausgestattet ist.»

Für eine Bank von der Größe JPMorgans ist der Verlust des Geldes nicht das eigentliche Problem. Das Problem ist der Imageschaden. Dimon ist unter den Wall-Street-Größen der wortgewaltigste Gegner einer strengeren Bankenregulierung. «Das ist eine ziemlich unglückliche Zeit für einen solchen Fehler», räumte Dimon in einem am Sonntag ausgestrahlten Interview mit dem US-Sender NBC ein.

news.de/dpa

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