Versicherungen Allianz hat schon den halben Jahresgewinn

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Allianz hat schon den halben Jahresgewinn Bild: dpa

München - Europas größter Versicherer Allianz ist überraschend gut ins Jahr gestartet. Mit einem Gewinn von 1,4 Milliarden Euro im ersten Quartal hat der Konzern bis März bereits die Hälfte des angepeilten Jahresgewinns eingefahren.

«Wir freuen uns, dass wir ein bisschen ein Polster haben», sagte Vorstandschef Michael Diekmann am Mittwoch auf der Hauptversammlung in München. «Wir sind damit auf Kurs, unser Ziel für 2012 zu erreichen.» Denn angesichts der weiter schwelenden Euro-Schuldenkrise und niedriger Zinsen bleibe das Ziel anspruchsvoll, warnte er.

Naturkatastrophen in Asien und Abschreibungen auf Aktien und Staatsanleihen hatten den Gewinn der Allianz im Vorjahr auf 2,5 Milliarden Euro halbiert, dieses Jahr soll sich der Jahresüberschuss wieder leicht erholen, dank weniger Katastrophenschäden. Analysten waren vom Aufschwung zu Jahresbeginn positiv überrascht.

Die Hauptversammlung machte den Weg für einen Börsengang in China frei. Wenn die Börse in Schanghai die Tore für ausländische Unternehmen im Frühjahr nächsten Jahres öffnet, wolle die Allianz startbereit sein und als eines der ersten Unternehmen Aktien platzieren können, sagte Finanzvorstand Paul Achleitner. Das würde die Allianz in Asien bekannter machen und Startkapital für mehr eigenes Wachstum in der Region einbringen. Für ausländische Anbieter ist der chinesische Versicherungsmarkt im Moment noch weitgehend verbaut. In den nächsten drei Jahren soll er sich aber auf ein Volumen von mehr als 300 Milliarden Euro verdoppeln und wäre damit der zweitgrößte nach dem US-Markt.

Mit Beifall verabschiedeten die Aktionäre den ausscheidenden Aufsichtsratschef Henning Schulte-Noelle, der von 1991 bis 2003 als Vorstandschef an der Spitze des Konzerns gestanden hatte. Er habe die Allianz international erfolgreich gemacht, sagte Gerhard Cromme als dienstältestes Aufsichtsratsmitglied und sprach auch sein größtes Fiasko an: «Auch wenn die Übernahme der Dresdner Bank aus heutiger Sicht als unglücklicher Schritt erscheint, sprachen damals gute Gründe dafür», sagte er. Neben dem früheren Controlling-Vorstand Helmut Perlet wurden auch drei Arbeitnehmervertreter neu in den Aufsichtsrat gewählt. Wie der Konzern am Abend berichtete, wurde anschließend in der ersten Sitzung des neuen Kontrollgremiums Perlet zum neuen Aufsichtsratschef gewählt.

Für Aufsehen sorgte der Vorwurf der Entwicklungshilfe-Organisation Oxfam, die Allianz schüre den Hunger auf der dritten Welt. Als Global Player bei der Spekulation mit Lebensmitteln habe sie «6,2 Milliarden Euro in Wetten auf Agrarrohstoffe investiert», sagte Oxfam-Kampagnenleiter Frank Braßel auf der Hauptversammlung. «Der Vorstand der Allianz setzt das Leben von armen Menschen in Entwicklungsländern aufs Spiel.» Die extremen Preissprünge machten Nahrungsmittel für viele Menschen fast unerschwinglich. Diekmann wies die Vorwürfe zurück: «Die Reputation der Allianz ist lupenrein.» Doch werde das Unternehmen die Frage noch einmal sehr ernsthaft prüfen.

Diekmann sagte, Sachversicherung, Lebensversicherung und Vermögensverwaltung hätten zum Jahresauftakt bessere Ergebnisse erzielt. Außerdem hat die US-Versicherung Hartford der Allianz Finanzhilfen mit einem saftigen Bonus zurückgezahlt. Der Konzernumsatz übertraf im ersten Quartal die knapp 30 Milliarden Euro des Vorjahresquartals. Das operative Ergebnis stieg um 40 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro. Im Gesamtjahr strebt die Allianz 8,2 Milliarden an.

Aktionärsschützer und Investoren kritisierten die vielen Baustellen des Konzerns. Die größte sei die Sachversicherung in Deutschland, die keine schnelle Wende erwarten lasse, sagte Union-Investment-Fondsmanager Ingo Speich. Lichterloh brenne es bei der US-Tochter Fireman's Fund, wo die Allianz schon «seit Jahren permanent draufzahlen» müsse. Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) beklagte die Entwicklung des Deutschlandgeschäfts, wo die Allianz die Marktführerschaft bei der Kfz-Versicherung verloren hat.

news.de/dpa

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