Versicherungen Talanx streicht 730 Jobs in Deutschland

Hannover - Deutschlands drittgrößte Versicherungsgruppe Talanx will in den kommenden drei Jahren 730 Jobs streichen. Vorstand und Betriebsrat einigten sich auf Details eines Sparpakets, das bis 2015 umgesetzt werden soll.

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Talanx streicht 730 Jobs in Deutschland Bild: dpa

Das teilte die Talanx AG heute am Hauptsitz in Hannover mit.

Die Kürzungen in der Sparte Privat- und Firmenkunden beträfen nur Mitarbeiter in Deutschland, hieß es.

Das Unternehmen hatte den Stellenabbau bereits seit längerem in Aussicht gestellt. Wie viele der insgesamt rund 5600 Jobs in der Privat- und Firmenkundensparte wegfallen sollen, war zunächst offen geblieben. Von Juni an will der Konzern bisher getrennte Funktionen etwa in der Vertragsverwaltung und im Beschwerde-Management zusammenfassen. Ziel ist es, auch durch die Reduzierung der Arbeitsplätze jährlich 245 Millionen Euro einzusparen.

Dies solle allerdings «stufenweise und sozialverträglich» gelingen, betonte der Konzern - zum Beispiel über Altersteilzeit, die Nichtbesetzung auslaufender Stellen oder Vorruhestandsregelungen. «Es ist leider nicht zu vermeiden, dass wir im Rahmen unserer Umstrukturierung Stellen streichen», erklärte eine Sprecherin.

Jeder betroffene Mitarbeiter bekomme in einem ersten Schritt ein Angebot für einen alternativen Arbeitsplatz, bis Ende 2015 werde es keine betriebsbedingten Kündigungen geben.

Trotz des Sparkurses sollen alle deutschen Standorte erhalten bleiben. In der Sachversicherung werden wichtige Betriebsfunktionen aber in Hannover und Essen konzentriert. Das Vertriebsnetz soll sogar wachsen. Der Absatz konzerneigener Versicherungen läuft künftig auch über neue Regionaldirektionen, unter anderem in Leipzig und Mainz.

Erst vor kurzem hatte Talanx angekündigt, sein Geschäft mit Privat- und Firmenkunden in der Marke HDI zu bündeln - auch, um doppelte Strukturen abschaffen und nach außen einheitlicher auftreten zu können. In der Industriesparte bleibt die Marke HDI-Gerling dagegen.

2006 waren HDI in Hannover und Gerling in Köln - einst Rivalen im Großkundengeschäft mit der Industrie - zusammengegangen. Abläufe und IT-Systeme konnten jedoch nicht sofort vereinheitlicht werden. Die Neuausrichtung soll den Betrieb nun effizienter machen und Doppelungen in Produktentwicklung, Verwaltung und Marketing abbauen.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hatte die bevorstehenden Kürzungen scharf kritisiert - auch weil Talanx zuletzt gut verdiente. Trotz enormer Belastungen wie der Erdbebenkatastrophe in Japan hatten die Hannoveraner 2011 einen mehr als doppelt so hohen Überschuss wie im Vorjahr verbucht. Unterm Strich standen 520 Millionen Euro Gewinn, nach 216 Millionen 2010. Zur Unternehmensgruppe gehört auch die Hannover Rück, die weltweite Nummer drei unter den Rückversichern.

Analysten sehen auch im geplanten Börsengang von Talanx einen Grund für die Einsparungen. Konzernchef Herbert Haas sprach bei der Bilanzvorlage Ende März von einem günstigen Marktumfeld für den schon mehrfach verschobenen Schritt aufs Parkett. Auf einen genauen Zeitpunkt wollte er sich allerdings noch nicht festlegen.

news.de/dpa

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