Außenhandel Deutscher Exportmotor läuft wieder auf Hochtouren

Wiesbaden/Berlin - Der deutsche Exportmotor brummt - vor allem weil die Nachfrage aus Ländern außerhalb Europas kräftig wächst.

Deutscher Exportmotor läuft wieder auf Hochtouren (Foto)
Deutscher Exportmotor läuft wieder auf Hochtouren Bild: dpa

Von Januar auf Februar 2012 legten die Ausfuhren trotz der schwelenden Euro-Schuldenkrise überraschend zu, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Dienstag mitteilte. Auch im Jahresvergleich setzte sich der zuletzt positive Trend fort.

Der Präsident des Branchenverbands BGA, Anton Börner, sieht die deutschen Exporteure weiter auf Rekordkurs. «Die deutschen Exporte stehen im laufenden Jahr vor einem neuen Allzeithoch», sagte Börner in Berlin. Der Außenhandelsverband rechne für 2012 nach wie vor mit einem Exportplus von sechs Prozent auf 1124 Milliarden Euro. Börner warnte aber auch: «Die Schuldenkrise mit der stetigen Gefahr eines Überschwappens auf die Realwirtschaft ist noch nicht gebannt.»

Von Januar auf Februar 2012 erhöhten sich die Exporte kalender- und saisonbereinigt um 1,6 Prozent. Volkswirte hatten mit einem Rückgang um bis zu 1,2 Prozent gerechnet. Insgesamt lieferten deutsche Firmen im Februar Waren im Wert von 91,3 Milliarden Euro ins Ausland und damit 8,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Die Zahlen machen aus Sicht der Commerzbank Hoffnung, dass die deutsche Wirtschaft im ersten Vierteljahr wieder leicht gewachsen sein dürfte.

Haupttreiber bleibt die wachsende Nachfrage nach «Made in Germany» außerhalb Europas, also etwa aus boomenden Volkswirtschaften wie Brasilien, Indien, Russland und China (BRIC-Staaten). Die Exporte in Länder außerhalb der Europäischen Union legten im Jahresvergleich mit plus 13,4 Prozent rund zweieinhalb mal so stark zu wie die Ausfuhren in EU-Staaten (plus 5,4 Prozent) und sogar gut viermal so stark wie die deutschen Exporte in Eurostaaten (plus 3,3 Prozent).

In Länder außerhalb der EU exportierte Deutschland im Februar Waren im Gesamtwert von 37,9 Milliarden Euro. In die EU-Staaten gingen Waren für 53,4 Milliarden Euro.

Allerdings ließ beim wichtigsten Wachstumstreiber China die Dynamik zuletzt nach. Im März stiegen die chinesischen Ausfuhren zwar um 8,9 Prozent zum Vorjahr, die Importe legten jedoch nur um 5,3 Prozent zu. Experten werteten dies als Beleg für die schwächelnde Binnenkonjunktur in China. Sie hatten ein fast doppelt so starkes Plus erwartet.

Der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) sieht weiterhin gute Wachstumschancen in Südost- und Ostasien, in Lateinamerika und auch wieder in Nordamerika sowie im Nahen Osten.

«Der Aufstieg Asiens und insbesondere Chinas ist nicht automatisch unser Abstieg, sondern ganz im Gegenteil: Er sichert auch unseren weiteren Aufstieg für die nächsten Jahrzehnte», erklärte Verbandspräsident Börner laut Redetext: «Wir gehören zu den größten Profiteuren des Asienbooms und wachsen im Windschatten des asiatischen Wachstums. Platt gesagt: Wenn ein Chinese mehr verdient, kann er sich auch eher ein deutsches Auto leisten.»

Seit Jahren werden die außereuropäischen Handelspartner für Deutschlands Exporteure immer wichtiger. Das gilt vor allem für Asien: Der Anteil der deutschen Exporte nach Asien stieg von 12 Prozent im Jahr 2007 auf 16 Prozent im Jahr 2011. Gleichzeitig sank der Anteil der deutschen Exporte in die EU-Länder von 65 Prozent auf 59 Prozent.

«Die Weltwirtschaft hat wieder Tritt gefasst, und das wettbewerbsfähige Deutschland dürfte davon auch in den kommenden Quartalen profitieren», kommentierte die Commerzbank die jüngsten Zahlen. Berenberg-Ökonom Christian Schulz verwies darauf, dass Deutschland zwar innerhalb der Eurozone an Wettbewerbsfähigkeit verliere, weil Staaten wie Spanien und Italien einen harten Reformkurs eingeschlagen haben. Zugleich jedoch gewinne Deutschland weltweit Marktanteile.

Die Einfuhren nach Deutschland erhöhten sich nach Zahlen des Bundesamtes im Februar binnen Jahresfrist um 6,1 Prozent auf 76,5 Milliarden Euro. Von Januar auf Februar gab es ein Importplus von 3,9 Prozent. Dass dieser Wert deutlich über den Erwartungen von 1,3 Prozent lag, erklärten Volkswirte mit der kalten Witterung und höheren Öl- und Gaspreisen.

Mitteilung Bundesamt

news.de/dpa

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