Kündigung Ihr Recht auf Abfindung

Ihr Arbeitgeber will Sie entlassen? Dann nehmen Sie das besser nicht einfach hin. Mit etwas Glück ist noch ein finanzielles Polster zu holen. Wann Sie mit einer Abfindung rechnen können und was die finanziell bringt, erklärt news.de.

Abfindung nach Kündigung (Foto)
Betriebsbedingt gekündigt? Abfindungen dafür gibt es in Deutschland nur selten. Bild: dpa

Ob Wirtschaftskrise oder Konsolidierung eines Unternehmens - am Ende sind meist die Arbeitnehmer die Leidtragenden. Vielen flattert dann die Kündigung ins Haus. Anderen wird angeboten, diese freiwillig zu akzeptieren. Um den «freiwilligen» Abgang schmackhafter zu machen, winken manche Unternehmen mit einer Abfindung.

Darauf verlassen sich Arbeitnehmer aber besser nicht. Denn Abfindungszahlungen sind in Deutschland eher die Ausnahme als die Regel. Mehr als 83 Prozent der Beschäftigten wurde der vorzeitige Abgang aus dem Unternehmen nicht mit einer Abfindung versüßt. Das hatte zuletzt 2008 das Sozio-oekonomische Panel des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung gezeigt. Lediglich 1,7 Prozent der Befragten bekamen immerhin bis zu 2500 Euro Abfindung.

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Rechtliche Regelung der Abfindung

Grundlage ist das Kündigungsschutzgesetz (KSchG). Das räumt Arbeitnehmern seit 2004 zwar grundsätzlich einen Abfindungsanspruch ein. Vorausgesetzt, der Arbeitgeber kündigt wegen «dringender betrieblicher Erfordernisse». Allerdings besteht der Abfindungsanspruch nur, wenn der Arbeitgeber in der Kündigungserklärung explizit auf eine Abfindung hinweist und der Arbeitnehmer keine Kündigungsschutzklage anstrengt (KSchG, Paragraph 1a, Absatz 1). Das Gesetz sieht also eindeutig keine Pflicht für den Arbeitgeber, eine Abfindung zu zahlen.

Bietet der Arbeitgeber die Abfindung im Rahmen der betriebsbedingten Kündigung schriftlich an, und lässt sich der Arbeitnehmer darauf ein, muss der Arbeitgeber die Abfindung zahlen. Grundsätzlich muss sich ein Arbeitnehmer aber nicht auf eine betriebsbedingte Kündigung einlassen. Er kann auch eine Kündigungsschutzklage anstreben.

Wann Abfindungen möglich sind

Grundsätzlich kann der Arbeitgeber bei einer Kündigung jederzeit eine Abfindung gewähren. Meist wird diese aber nur im Zusammenhang mit einer betriebsbedingten Kündigung oder im Rahmen eines Aufhebungsvertrages angeboten.

Eine Abfindung kann aber auch gerichtlich festgelegt werden. Nämlich dann, wenn der Arbeitnehmer eine Kündigungsschutzklage anstrebt und gerichtlich festgestellt wird, dass die vom Arbeitgeber erteilte Kündigung das Arbeitsverhältnis nicht auflöst, es aber unzumutbar ist, dass der Arbeitnehmer im betreffenden Unternehmen weiter arbeitet (KSchG, Paragraph 9, Absatz 1).

Die Höhe der Abfindung

Für die betriebsbedingte Kündigung mit entsprechender schriftlicher Regelung sieht das Gesetz eine Abfindung von einem halben Bruttomonatsgehalt vor - für jedes Jahr, in dem die Betriebszugehörigkeit bestanden hat. Außerdem gilt in diesem Fall, dass Zeiträume von mehr als sechs Monaten auf ein volles Jahr aufgerundet werden müssen (KSchG, Paragraph 1a, Absatz 2).

Bei anderen Kündigungen - zum Beispiel im Zusammenhang mit einem Aufhebungsvertrag - kann der Arbeitgeber sich an der obigen Regelung orientieren. Ihm stehen Abweichungen nach oben und unten aber jederzeit frei.

Ist eine Kündigungsschutzklage erfolgreich, kann per Gericht eine Abfindung festgesetzt werden. Der Betrag kann bis zu zwölf Bruttomonatsgehälter umfassen (KSchG, Paragraph 10, Absatz 1). Höher kann die Abfindung ausfallen, wenn der Arbeitnehmer älter als 50 Jahre ist und das Arbeitsverhältnis mindestens 15 Jahre bestanden hat (KSchG, Paragraph 10, Absatz 2).

Abfindung und Steuer

Wer eine Abfindung tatsächlich bekommt, sollte sich darüber nicht zu sehr freuen. Der Betrag muss vollständig versteuert werden. Die Regelung, dass bis zu 7200 Euro der Abfindung steuerfrei sind, wurde im Dezember 2005 aufgehoben. Wie viel heute von der Abfindung übrig bleibt, hängt also von der Steuerklasse des Betroffenen ab.

Abfindung und Arbeitslosengeld

Nimmt ein Arbeitnehmer eine angebotene Abfindung an, ohne dass die gesetzlichen Kündigungsfristen eingehalten werden, muss der Betroffene zunächst auf Arbeitslosengeld verzichten. Und zwar für den Zeitraum vom Ende Arbeitsverhältnis bis zu dem Tag, an dem das Arbeitsverhältnis unter Einhaltung der Kündigungsfristen geendet hätte (Drittes Sozialgesetzbuch, Paragraph 143a).

rzf/sca/news.de

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Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • gewerkschafter
  • Kommentar 1
  • 08.05.2012 13:45

Kann nur jedem raten, gegen seine Kündigung zu klagen. Kollegen, die bei vergleichbarer Betriebszugehörigkeit gegen ihre Entlassung vor Gericht geklagt hatten, bekamen Abfindungen bis zur zehnfachen Höhe der freiwillig zugebilligten Summe zugesprochen. Zudem greift sofort das Finanzamt und die Arbeitsagentur auf die Abfindungssumme zu, da sind dann, je nach Steuerklasse, schnell die Hälfte der Abfindung sofort wieder weg. Der Staat ist auf jeden Fall der Hauptnutznießer!

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