Energie Q-Cells will Insolvenz - Phoenix Solar unter Druck

Bitterfeld-Wolfen - Der einst weltgrößte Solarzellenhersteller Q-Cells hat am Dienstag die Insolvenz beantragt. Als vorläufiger Verwalter wurde der Rechtsanwalt Henning Schorisch mit Büros in Halle und Dresden eingesetzt, wie eine Sprecherin des Amtsgerichts Dessau-Roßlau mitteilte.

Q-Cells will Insolvenz - Phoenix Solar unter Druck (Foto)
Q-Cells will Insolvenz - Phoenix Solar unter Druck Bild: dpa

Die Q-Cells SE in Bitterfeld-Wolfen habe am Mittag den Antrag auf Eröffnung eines reguläres Insolvenzverfahrens gestellt. Das Unternehmen solle zunächst fortgeführt werden.

Auch das Photovoltaik-Unternehmen Phoenix Solar kämpft angesichts der geplanten Kürzung der Solarförderung um seine Finanzierung. Für einen Kredit eines Bankenkonsortiums im Volumen von ursprünglich 150 Millionen Euro musste ein Stillhalteabkommen verlängert werden, wie das Unternehmen aus Sulzemoos bei München mitteilte. Als Folge brachen Phoenix-Aktien am Dienstag zeitweilig um mehr als 30 Prozent ein. Die Aktien von Q-Cells waren am Vortag um mehr als 40 Prozent auf nur noch 0,126 Euro abgestürzt.

Wie eine Unternehmenssprecherin von Phoenix Solar erklärte, hatte das Unternehmen im dritten Quartal bestimmte Konditionen für die Aufrechterhaltung des Kredits nicht mehr erfüllt. Damals reduzierte das Unternehmen seine Prognose deutlich, Lagerbestandsabwertungen ließen hohe Verluste erwarten. Daher habe sich Phoenix Solar mit den Banken darauf geeinigt, ein Restrukturierungskonzept vorzulegen, auf dessen Basis die Finanzierung bis Ende Februar neu geregelt hätte werden sollen. Dies habe sich wegen der angekündigten Förderungskürzungen für die Solarenergie nun verzögert.

Dem Abwärtstrend deutscher Solarwerte will sich das Hamburger Unternehmen Conergy entziehen. «Conergy ist 2012 bisher auf einem guten Weg», sagte Vorstandschef Philip Comberg am Dienstag. Auch Conergy war wegen der Branchenkrise und eines Konzernumbaus im vergangenen Jahr tief in die rote Zahlen gerutscht, will sich aber im laufenden Jahr deutlich verbessern. Der Vorstand erwartet zwar einen Umsatz unter Vorjahresniveau, will sich aber beim operativen Ergebnis (EBITDA) nach einem Verlust im vergangenen Jahr auf einen niedrigen positiven Wert verbessern. Conergy setzt für die Zukunft vor allem auf die asiatischen und nordamerikanischen Märkte, für die Branchenkenner noch Wachstumspotenzial sehen.

Q-Cells hatte den Gang zum Insolvenzrichter bereits am Montag angekündigt. Das Unternehmen ist hoch verschuldet und beschäftigt noch rund 2200 Menschen in Deutschland und Malaysia. Von der Firma selbst war zunächst keine Stellungnahme zu bekommen. Nach Angaben einer Gewerkschaftssprecherin wurde eine Informationsveranstaltung für die Belegschaft vom Management kurzfristig abgesagt.

Unklar ist, welche Auswirkungen die Insolvenz auf die Zukunft der Arbeitsplätze bei dem Hersteller haben wird, der in Bitterfeld-Wolfen (Landkreis Anhalt-Bitterfeld) ansässig ist. «Wir stochern mächtig im Nebel», sagte eine Sprecherin der Gewerkschaft IG BCE. «Eine Insolvenz heißt aber nicht automatisch, es ist das Ende», sagte sie.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) erklärte, nach dem Insolvenzantrag könne nun an einer Lösung für die Zukunft gearbeitet werden. «Jetzt muss der Insolvenzverwalter mit dem Unternehmen eine Bestandsaufnahme vorlegen. Auf dieser Grundlage kann dann die Politik überlegen und festlegen, welche Schritte sie geht», erklärte Haseloff einem Sprecher zufolge. Eine Übernahme von 580 Millionen Euro Schulden durch das Land sei aber nicht verantwortbar.

Nach Solarhybrid, Solar Millennium und Solon ist dies die vierte größere Pleite in der deutschen Solarbranche. Die Unternehmen leiden unter Förderkürzungen und einem starken Preisverfall. Die Billigkonkurrenz aus China hat die deutschen Hersteller massiv unter Druck gesetzt.

news.de/dpa

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