Private Versicherung Nur wer gesund ist, hat Vorteile

Wehe dem, der mit Krankheiten zu kämpfen hat: Bei der privaten Krankenversicherung, der Berufsunfähigkeitsversicherung sowie privaten Pflegezusatzversicherung sind Risikozuschläge an der Tagesordnung. Das wird für den Versicherten mehr als teuer, wenn er überhaupt akzeptiert wird.

Privatversicherung (Foto)
Menschen mit Rückenschmerzen, die eine Privatversicherung abschließen wollen, müssen sich auf teure Risikoaufschläge einstellen. Bild: dpa

Wer privat versichert ist, kann die Vorzüge seines gehobenen Status genießen. Aber nur, wenn der Versicherte gesund ist. Allergiker oder Antragsteller mit nicht einmal besonders schweren Vorerkrankungen zahlen immer einen gehörigen Aufschlag im Vergleich zu beschwerdefreien Versicherten. Mehrkosten können auch bei riskanten Berufen entstehen.

Wie hoch die Zuschläge ausfallen, könne der Versicherer selbst festlegen, erklärt der unabhängige Versicherungsberater Jörg Deppner. Vor allem psychische Erkrankungen würden mit Aufschlägen versehen. Aber auch Allergiker und Antragsteller, die zu dick sind, müssten mehr zahlen.

Und das geht ins Geld: 50 Prozent und mehr Aufschlag auf den normalen Tarif sind üblich. Doch es geht noch schlimmer. Es ist mitunter an der Tagesordnung, dass potenzielle Kunden mit chronischen Krankheiten von den Versicherungsgesellschaften komplett ignoriert werden. Ohne Folgen, denn alle privaten Versicherer können Antragsteller mit Vorerkrankungen ablehnen. Nur die gesetzlichen Krankenkassen müssen ihren Basistarif für jeden öffnen.

Versicherung: Häufige Ursachen für Berufsunfähigkeit

Wer jedoch von einer Gesellschaft aufgenommen wird, muss sich auf harte Bedingungen einstellen. Bestimmte Erkrankungen werden nämlich vom Schutz ausgenommen. Ein unkalkulierbares Risiko für jeden Versicherten, wie Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten weiß. In der Folge sei es für die Anbieter ein Kinderspiel, im konkreten Fall die Leistung zu verweigern. Denn die Verträge seien Rudnik zufolge oft nicht eindeutig und klar formuliert. Und sie bezögen sich nicht auf ein bestimmtes Krankheitsbild.

Risikovoranfrage ist das Zauberwort

Wer als Privatversicherter in Zukunft einen Zuschlag umgehen oder Ablehnungen vermeiden will, sollte nicht wahllose Anfragen stellen - wenn er weiß, dass Krankheiten den Schutz schwierig machen. In dem Fall könne es Deppner zufolge hilfreich sein, eine Risikovoranfrage zu stellen.

Damit wird bei vielen Anbietern gleichzeitig ein Antrag gestellt, Ablehnungen müssen bei neuen Anträgen nicht mehr angegeben werden. Das erhöhe die Chancen, den Versicherungsschutz ohne Wenn und Aber zu bekommen, wie Deppner erklärt. Findet der Sachbearbeiter einer Gesellschaft hingegen Hinweise auf bereits bestehende Ablehnungen, ist es vorbei mit einem vernünftigen Schutz.

Grundsätzlich kann es aber auch gut gehen. Beispielsweise können Zuschläge der Versicherten wieder gestrichen werden, wenn die Vorerkrankung ausgeheilt ist. Allerdings seien das Kann-Bestimmungen. Und damit würde der Versicherer sich schwertun, drückt Thorsten Rudnik die Erwartungen.

Dabei gibt es laut Versicherungsvertragsgesetz ein Recht darauf, die Zuschläge zu reduzieren. Und dies kann notfalls sogar gerichtlich durchgesetzt werden, zeigt eine Entscheidung des Oberlandesgerichts Coburg (Aktenzeichen: 32 S 131/00). Im konkreten Fall hatte ein Privatversicherter sein jahrelanges Rückenleiden auskuriert, sodass er kein erhöhtes Krankheitsrisiko mehr aufwies. Daher musste die private Krankenversicherung den Risikozuschlag kippen, entschieden die Richter.

Wenn eine Erkrankung ausgeheilt ist oder sich deutlich verbessert, sollte das der Versicherte mit einem Attest beglaubigen lassen. Das sollte bescheinigen, dass sein Krankheitsrisiko nicht größer ist als das eines gesunden Versicherten. Danach muss die Versicherungsgesellschaft handeln und den Beitrag senken.

Reagiert diese nicht darauf, sollte zunächst der Ombudsmann der privaten Krankenversicherungen kontaktiert werden. Dessen Rat ist kostenlos und in seiner Funktion kann er zu einer Schlichtung beitragen.

Spezielle Angebote für Erkrankte mit Vorsicht zu genießen

Wer von mehreren Vorerkrankungen geplagt wird und keinen Versicherungsschutz erhält, der findet speziell bei Versicherungen zur Berufsunfähigkeit und Pflege des Öfteren Angebote, die einen Vertrag ohne Gesundheitsprüfung vorsehen. Allerdings sind solche Angebote laut Jörg Deppner mit Vorsicht zu genießen. Oft sei das Leistungsspektrum sehr stark eingeschränkt, die Verträge sähen nur geringe Zahlungen im Ernstfall vor, oder sie erfüllten schlicht nicht ihren Zweck.

Bevor also viel Geld in einen zwielichtigen Schutz investiert wird, sollte der Antragsteller vorab einen Experten aufsuchen - auch wenn dieser für seine Beratung Geld verlangt.

sca/rzf/ham/news.de/dapd

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Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Christoph
  • Kommentar 1
  • 05.04.2012 12:19

Das größte Problem bei den Berufsunfähigkeitsversicherungen stellen momentan tatsächlich die Annahmebedingungen dar. Dies bemängelte auch die Öko-Test in ihrem aktuellen Testbericht zur BU 2012. Nachzulesen unter www.berufsunfaehigkeitsversicherungen-vergleich.com

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