Arbeitsmarkt Arbeitslosenzahl sinkt auf 3,028 Millionen

Nürnberg/Berlin - Trotz leichter Konjunkturschwäche ist die März-Arbeitslosigkeit in diesem Jahr auf ein neues Rekordtief gesunken: Mit 3,028 Millionen waren so wenige Männer und Frauen arbeitslos wie zuletzt zum Frühjahrsbeginn vor 20 Jahren.

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Arbeitslosenzahl sinkt auf 3,028 Millionen Bild: dpa

Wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg berichtete, sank die Erwerbslosigkeit im Vergleich zum Februar um 82 000. Der Frühjahrsaufschwung fiel damit so stark aus wie im Schnitt der vergangenen fünf Jahre. Vor einem Jahr hatte die Arbeitslosigkeit noch um 182 000 höher gelegen. Die Arbeitslosenquote sank im März um 0,2 Punkte auf 7,2 Prozent - nach 7,6 Prozent im Vorjahr.

BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise zufolge hat die konjunkturelle Schwächephase am Jahresende 2011 bislang keine Spuren auf dem Arbeitsmarkt hinterlassen. Auch Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) sieht den deutschen Arbeitsmarkt weiter im Aufwärtstrend; die einsetzende Frühjahrsbelebung verleihe zusätzliche Impulse. In einem schwierigen internationalen Wirtschaftsumfeld bleibe der Arbeitsmarkt eine verlässliche Stütze der binnenwirtschaftlichen Entwicklung. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) rechnet mit einem weiteren Rückgang der Arbeitslosigkeit. Die Konjunktureintrübung habe bislang kaum Spuren am Arbeitsmarkt hinterlassen.

Hoffen können nach Ansicht von BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker auch die von Arbeitslosigkeit bedrohten Beschäftigten der Drogeriemarktkette Schlecker. Die Bundesagentur sieht für sie gute Vermittlungschancen: «Derzeit gibt es bundesweit 25 000 offene Stellen für Verkäuferinnen», sagte Becker. «Der Markt ist also aufnahmefähig.» Die Arbeitsagenturen seien darauf eingestellt, den Betroffenen nach dem Scheitern einer Transfergesellschaft rasch eine neue Arbeit zu vermitteln. Generell sieht die BA Transfergesellschaften eher kritisch; sie hätten überwiegend eine «soziale Ausgleichsfunktion».

Auch Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) betonte, die BA müsse den Beschäftigten von Schlecker nun schnell neue Perspektiven aufzeigen. «Die Arbeitsmarktsituation ist günstig.» Dem widersprach die Bundestagsfraktion der Linkspartei; sie wies unter Berufung auf BA-Zahlen darauf hin, dass den 25 000 freien Stellen im Handel mehr als 300 000 Arbeitslose aus Verkaufsberufen gegenüberstünden. Trotz des Falls Schlecker und anderer kriselnder Unternehmen rechnet die Bundesagentur vorerst nicht mit gravierenden Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt.

Unverändert wenig profitieren nach den jüngsten Zahlen weiterhin Ausländer und ältere Arbeitslose ab 55 Jahren von dem seit rund drei Jahren anhalten Job-Boom. Die Zahl der erwerbslosen Kräfte mit ausländischen Wurzeln ging seit März 2011 lediglich um 2,1 Prozent zurück; die Zahl der älteren Jobsucher verringerte sich in diesem Zeitraum nur um 2,4 Prozent. Auch räumte die Bundesagentur ein, dass die tatsächliche Arbeitslosigkeit im März um gut eine Million über der amtlich registrierten Arbeitslosigkeit lag. Nicht erfasst in den amtlichen Zahlen sind nämlich jobsuchende Männer und Frauen, die Trainingsmaßnahmen oder Kurse absolvieren oder krank sind.

BA-Chef Weise sieht den Arbeitsmarkt dennoch weiter in einer guten Verfassung. Immerhin entstünden noch immer neue Arbeitsplätze: Nach den jüngsten Daten vom Januar habe die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Stellen bei 28,58 Millionen gelegen, das sind 712 000 mehr als im Jahr davor. Die Zahl aller Erwerbstätigen lag zuletzt im Februar bei 41,1 Millionen - und damit um 587 000 höher als im Februar 2011.

Ungleich kritischer sehen dagegen die Oppositionsparteien im Bundestag die Lage auf dem Arbeitsmarkt. Nach Ansicht der Grünen zeigen die Zahlen, «dass unter der schwarz-gelben Regierung die Spaltung des Arbeitsmarktes voranschreitet». Inzwischen sei mehr als ein Drittel der Jobsucher langzeitarbeitslos. Für die Linkspartei ist die Lage der Schlecker-Frauen auf dem Arbeitsmarkt exemplarisch: «Niedrig entlohnt, oft prekär beschäftigt und ohne aktive Arbeitsmarktpolitik ohne Chance». Auch der DGB sieht trotz der günstigen Arbeitsmarktentwicklung kaum Fortschritte beim Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit. Die Bundesregierung komme auf diesem Feld nur in Trippelschritten voran.

Arbeitsmarktbericht für März

news.de/dpa

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