Prozesse Nach sieben Jahren beginnt neuer Prozess um VW-Affäre

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Nach sieben Jahren beginnt neuer Prozess um VW-Affäre Bild: dpa

Wolfsburg - Fast sieben Jahre nach Beginn der VW-Affäre um falsche Abrechnungen und Luxusreisen auf Firmenkosten hat der vermutlich letzte Prozess um den Skandal begonnen.

Seit Dienstag muss sich die frühere Geliebte des mächtigen Ex-Betriebsratschefs Klaus Volkert vor dem Wolfsburger Amtsgericht verantworten.

Ihr wird Beihilfe zur Untreue in 26 Fällen vorgeworfen. Die aus Brasilien stammende Adriana Barros habe aufgrund von Scheinrechnungen insgesamt rund 250 000 Euro einkassiert, ohne dass sie Leistungen dafür erbrachte, wirft die Anklage ihr vor. Die heute 47 Jahre alte Frau, die nach eigenen Angaben Journalistin ist, soll danach gewusst haben, dass sie darauf keinen Anspruch hatte.

Außerdem soll sie in 15 weiteren Fällen privat veranlasste Kosten für Flüge, Hotelaufenthalte und Sprachkurse in Höhe von insgesamt rund 100 000 Euro zu Lasten von VW abgerechnet haben.

Die Angeklagte bestritt vor Gericht alle Vorwürfe. Die Reisen hätten den Hintergrund gehabt, Filme und Videos über soziale Projekte von Volkswagen zu verbreiten. «Ich hatte keinen Moment die Absicht, meine Arbeit nicht durchzuführen - im Gegenteil, mir war sehr daran gelegen», sagte sie. Zahlreiche Filme, die sie in ihrer eigenen Fernsehproduktion hergestellt habe, seien in Brasilien ausgestrahlt worden. Andere Aufnahmen habe sie direkt an Volkert gegeben.

Ende der 90er Jahre hatte sie Volkert auf einer von dessen Dienstreisen in einem Club in Brasilien kennengelernt. Die beiden kamen sich alsbald näher und waren über sieben Jahre lang ein Paar. Barros war beeindruckt von dem Mann aus Deutschland, der ihr den Eindruck vermittelte, als sei er «die zweitwichtigste Person bei Volkswagen», wie sie vor Gericht aussagte. Er habe sie eingeladen, zum Essen, ins Theater und auch auf Reisen. Sie habe geglaubt, dass Volkert bezahlte. Wenn ihr etwas seltsam vorkam, sei das damit begründet worden, dass seine Frau nichts von der Affäre mitbekommen sollte.

Der Rechtsanwalt der Brasilianerin, die vor Gericht mittels einer Dolmetscherin kommunizierte, sagte zu Beginn der Verhandlung, Frau Barros wolle ihre vollkommene berufliche und persönliche Rehabilitierung erreichen. Sie habe nichts gewusst von den Machenschaften und Abrechnungsmodalitäten in dem VW-Skandal. «Sie ist hier, weil sie es möchte und aktiv mit gestalten will,» sagte der Rechtsanwalt Hans-Joachim Gerst.

Gegen einen Strafbefehl hatte die Angeklagte Einspruch erhoben. Er war ihr im Juli 2008 zugestellt worden - mit einem Strafmaß von einem Jahr Freiheitsstrafe mit Bewährung. Damit hätte die Sache für sie erledigt sein können. Mit Beginn der Verhandlung ist nun aber wieder alles offen. Dass es so lange gedauert hat, bis das Verfahren eröffnet werden konnte, begründete der Sprecher des Amtsgerichts mit Problemen bei der Zustellung der notwendigen Unterlagen nach Brasilien.

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Braunschweig geht davon aus, dass sich die Verhandlung hinziehen wird. Bisher sind sechs Verhandlungstage angesetzt. Auch Volkert soll als Zeuge gehört werden. Das Urteil ist bisher für den 8. Mai vorgesehen.

Die VW-Affäre, die im Frühsommer 2005 ans Licht gekommen war, erschütterte Europas größten Autobauer bis in die Grundfesten. Der Skandal zog schnell immer größere Kreise und beherrschte wochenlang die Schlagzeilen der Boulevardblätter.

news.de/dpa

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