Schifffahrt «Costa Allegra» legt auf Seychellen an

Victoria - Tropische Hitze, keine Klimaanlage, blockierte Toiletten: Für die mehr als 600 Passagiere des havarierten Kreuzfahrtschiffs «Costa Allegra» ist ein Alptraum zu Ende.

«Costa Allegra» legt auf Seychellen an (Foto)
«Costa Allegra» legt auf Seychellen an Bild: dpa

Drei Tage nach einem Brand im Maschinenraum legte das Pannenschiff am Donnerstag im Hafen der Seychellen-Hauptinsel Mahé an. Die Reisenden gingen an Land. Busse brachten die erleichterten Touristen in Hotels.

Der 36 Jahre alte Sebastian Veit aus Schwäbisch Gmünd sagte einer Reporterin der Nachrichtenagentur dpa, nachdem er an Land kam: «Es ging überhaupt nichts mehr. Ich habe schnell gemerkt, dass das kein kleiner Schaden war.» Am Montag war im Maschinenraum ein Feuer ausgebrochen. Das Schiff habe sich nach Backbord geneigt.

Der Passagier Franz Mayer aus der Nähe von Koblenz erzählte, die Besatzung der «Costa Allegra» habe Rettungsboote heruntergelassen: «Wir waren alle schon bereit, in die Rettungsboote zu gehen.»

Passagiere aus 25 Ländern machten auf dem Schiff Urlaub, insgesamt waren etwa 1000 Menschen an Bord. «Wir haben die Passagiere gefragt, und von den 38 deutschen Gästen wollten 15 unmittelbar zurück nach Hause», sagte der Sprecher von Costa Kreuzfahrten in Deutschland, Werner Claasen, am Donnerstag. Sie fliegen voraussichtlich über Paris zurück in die Heimat.

Die 23 weiteren Reisenden aus Deutschland hätten sich entschieden, zunächst auf den Seychellen weiter auszuspannen. Die Costa-Reederei ist nach dem zweiten Schiffsunfall in Folge unter Druck und versucht, die Passagiere möglichst gut zu versorgen. Das Unternehmen hatte es den Reisenden überlassen, nach Hause zu fliegen oder einen Urlaub auf Kosten des Unternehmens zu verbringen.

Viele Reisende lobten Crew und Kapitän, sie hätten umsichtig gehandelt. Nach Angaben eines Mitarbeiters des Gesundheitsministeriums auf den Seychellen sollen sich sechs Passagiere die Arme gebrochen haben.

Die für die Seychellen zuständige deutsche Botschafterin in Kenia, Margit Hellwig-Bötte, sagte über die deutschen Reisenden: «Sie scheinen aber alle gesundheitlich in guter Verfassung.» Sie müssten sich erstmal vom dem Schreck erholen.

Nach dem Brand war das Kreuzfahrtschiff manövrierunfähig und musste geschleppt werden. «Die meiste Zeit über zog der französische Fischtrawler "Trevignon" das Schiff alleine», erklärte der Costa-Sprecher Claasen in Deutschland. Zu Beginn seien zwar zwei Schlepper zur Verstärkung geholt worden, diese hätten dann aber gemeinsam mit einem Boot der Marine die «Costa Allegra» vor allem begleitet.

Die «Trevignon» der Reederei Chevannes-Merceron-Ballery (CMB) war nach dem Notruf unmittelbar zu Hilfe geeilt und hatte die «Costa Allegra» seit Dienstag im Schlepp bis in den Hafen von Victoria manövriert. An Bord waren auch mehr als 100 Passagiere aus Frankreich. Einige berichteten in französischen Medien von schlimmen hygienischen Verhältnissen, lobten aber zugleich ebenfalls die Umsicht der Besatzung.

Helikopter hatten die Menschen mit dem Nötigsten versorgt. Auch Lebensmittel wie frisches Brot sowie Batterien für Handys, Plastikgeschirr und Medikamente wurden auf das Schiff gebracht.

Die 26-Tage-Seereise sollte eigentlich von Mauritius über Madagaskar durch den Suezkanal bis Savona in Italien führen.

Die Havarie der «Costa Allegra» trifft erneut ein Kreuzfahrtschiff jener italienischen Reederei, der auch das halb gesunkene Unglücksschiff «Costa Concordia» gehört. Es liegt vor der Küste der italienischen Insel Giglio.

Webseite Costa Allegra

news.de/dpa

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