Verspätete Rückzahlung Lahmes Finanzamt nervt Steuerzahler

Wer seine Steuererklärung zu Jahresbeginn abgibt, hat normalerweise spätestens nach vier Wochen seinen Steuerbescheid im Briefkasten - und die Rückerstattung flott auf dem Konto. Doch das Finanzamt hinkt weit hinterher.

Steuererklärung (Foto)
Wer auf Geld vom Finanzamt wartet, tut dies heuer lange. Die Behörden sind überlastet. Bild: dpa

In diesem Jahr müssen sich Millionen Steuerzahler mächtig in Geduld üben. Mehr als 860 Euro bekommen Arbeitnehmer im Schnitt zurück. Doch die Finanzverwaltung ist bundesweit völlig überlastet. Erst im März wurde mit der Bearbeitung der Steuererklärungen für 2011 begonnen, teilte etwa das Bayerische Landesamt für Steuern in München mit.

Viele Steuerzahler seien wegen der späten Rückzahlungen genervt und oft auch erbost, berichtet Thomas Eigenthaler, Vorsitzender der Deutschen Steuergewerkschaft. Viele hätten fest mit einer frühen Erstattung gerechnet. In den meisten Finanzämtern laufen bereits die Telefone heiß vor lauter Anfragen. Doch das Nachbohren lege den Betrieb nur zusätzlich lahm, bittet beispielsweise das Finanzamt Emmendingen in Baden-Württemberg um Nachsicht.

Finanzbetrug: Riskante Steuertricks

«Die Situation spitzt sich zu», kritisiert Uwe Rauhöft, Geschäftsführer des Neuen Verbands der Lohnsteuerhilfevereine. Dass die Finanzbeamten zurzeit in Arbeit ersticken, liege nicht nur an massiven EDV-Problemen. Das «Gesamtkonzept ist überarbeitungsbedürftig».

Wie eine Ausrede

Als Hauptgrund für die verzögerte Bearbeitung von Steuererklärungen von bis zu einem Vierteljahr wird eine gesetzliche Änderung angeführt. Bis zum 28. Februar hatten Arbeitgeber, Versicherungen, Krankenkassen und andere Stellen Zeit, um benötigte Steuerdaten elektronisch an die Finanzbehörden zu schicken, wie Roland Jüptner, Präsident des Bayerischen Landesamts für Steuern, erklärt.

Dazu gehören beispielsweise Lohnsteuerbescheinigungen, Beitragsdaten zur Kranken- und Pflegeversicherung, Altersvorsorge sowie Rentenbezugsmitteilungen. Doch die Datenflut werde immer größer, betont Rauhöft. Und solange nicht alles da ist, bleibt die Bearbeitung liegen. Was zusätzlich für Probleme sorgt: Die Software für die neue Übermittlung steht erst seit Ende Januar bereit, auf den letzten Drücker also.

«Eigentlich kann man das den Bürgern nicht vermitteln, dass es an der elektronischen Übersendung von Daten hakt», sagt Gewerkschaftschef Eigenthaler. «Es wirkt wie eine Veräppelung, wie eine Ausrede.»

Elektronische Lohnsteuerkarte: «Bugwelle» an Arbeit

Doch die Finanzämter kämpfen derzeit mit noch mehr Problemen. Die massive Arbeitsbelastung liegt vor allem an der Einführung der elektronischen Lohnsteuerkarte ElStAM. Der Start musste wegen technischer Probleme bereits zum zweiten Mal verschoben werden, diesmal auf 2013. Weil die Papierlohnsteuerkarte jedoch bereits seit 2011 abgeschafft ist und die Finanzämter sämtliche Anfragen der verunsicherten Steuerzahler schultern müssen, sei es zu einer großen «Bugwelle» an Arbeit gekommen, berichtet Eigenthaler. «Bis die Umstellung funktioniert und abgearbeitet ist, das dauert ewig.»

Steuerverschwendung: Hier wird unser Geld verprasst

Wer sich dieses Jahr also besonders mit seiner Steuererklärung beeilt hat, hatte Pech. Bisher wurden noch die «alten» Steuererklärungen aus 2010 bearbeitet, die noch eingetrudelt sind. Nun ist 2011 dran - aber wenigstens nach der Reihenfolge der Einsendung, wie Jüptner betont. Am 31. Mai als letztem Termin fürs Abgeben der Steuererklärung wird im Übrigen nicht gerüttelt, Arbeitsbelastung hin oder her.

sca/kru/rzf/news.de/dapd

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Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Pazifiko
  • Kommentar 1
  • 15.12.2012 00:49

In einer Schmarotzerrepublik investiert ein Arbeitnehmer viel Geld in ein Auto aus heimischer Produktion um damit zur Arbeit zu fahren zwecks Einkommen für seine Familie und sich sowie nebenbei auch den Staat (Steuerabgaben), und um nach einem Unfall mit Totalschaden auf dem Arbeitsweg keine Steuererleichterung zur Abmilderung noch bestehender Restfinanzierung zu bekommen, während Bezieher von staatlichen Fürsorgemitteln Prämien im Rahmen eines Konsumpaketes zur Förderung der nationalen Wirtschaft erhalten, mit der sie sich letztlich doch nur billige Vehikel aus Niedriglohnländern finanzieren!

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