Konjunktur Deutsche Wirtschaft wieder zuversichtlicher

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Deutsche Wirtschaft wieder zuversichtlicher Bild: dpa

Die deutsche Wirtschaft sieht Aussichten auf Entspannung in der Eurokrise und schüttelt ihre Rezessionsängste ab. Der ifo-Geschäftsklima-Index stieg im Januar überraschend zum dritten Mal in Folge.

München (dpa) - Die deutsche Wirtschaft sieht Aussichten auf Entspannung in der Eurokrise und schüttelt ihre Rezessionsängste ab. Der ifo-Geschäftsklima-Index stieg im Januar überraschend zum dritten Mal in Folge.

Trotz Rezession in vielen Euroländern ist auch die Exportindustrie für das kommende halbe Jahr wieder optimistischer. «Die deutsche Wirtschaft startet mit Elan ins neue Jahr», sagte ifo-Präsident Hans-Werner Sinn am Mittwoch in München.

Der ifo-Index legte von 107,3 Punkten im Dezember auf 108,3 Punkte zu. Die befragten Unternehmen bewerteten ihre aktuelle Geschäftslage zwar etwas schlechter, stuften ihre Aussichten bis Juli aber deutlich besser ein als bisher.

«Die Eurokrise hat sich ein bisschen beruhigt, und in den USA läuft es deutlich besser», erklärte der Konjunkturexperte des ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, Klaus Abberger. Von einer Trendwende würde er noch nicht sprechen, «aber die Wirtschaft hat sich wieder gefangen. Der Abwärtstrend ist erst einmal gestoppt».

Vor allem in der Industrie hat sich die Stimmung deutlich verbessert. Die befragten Unternehmen schätzten ihre aktuelle Geschäftslage etwas günstiger und ihre Perspektiven sogar deutlich günstiger ein. Von der Chemie- bis zur Investitionsgüterindustrie gebe es «breit wachsende Zuversicht», sagte der Wirtschaftsforscher. Auch in der Exportindustrie sei die Skepsis verflogen, die Unternehmen «sind gedämpft optimistisch, dass kein Einbruch droht».

Vor allem die Europäische Zentralbank (EZB) habe dafür gesorgt, indem sie den Banken Liquidität zur Verfügung gestellt und damit die Sorge vor einer Kreditklemme stark verringert habe. Damit kämen potenzielle Kunden deutscher Produkte in anderen europäischen Ländern wieder leichter an Geld und müssten ihre Investitionen nicht so stark einschränken, erklärte Abberger. Außerdem gebe es aus den USA positive Signale, «zum Beispiel der Aufwärtstrend am Arbeitsmarkt».

Die bessere Stimmung in der deutschen Industrie wiederum sorge dafür, dass auch die Bereitschaft, mehr Stellen zu schaffen, hierzulande wieder etwas positiver sei. Im Einzelhandel, der nach einem sehr guten Weihnachtsgeschäft sehr optimistisch war, habe sich die Stimmung normalisiert, sagte Abberger.

Auf dem Bau dagegen verbesserte sich das Klima weiter. Der Winter sei mild, der Wohnungsbau laufe sehr gut, und auch die Unternehmen investierten wieder in neue Hallen und Büros, erklärte der Konjunkturexperte.

Im letzten Quartal 2011 war die deutsche Wirtschaft um 0,25 Prozent geschrumpft. Für das laufende Jahr erwartet das ifo-Institut ein gedämpftes Wachstum von 0,4 Prozent - «mit einem schwachen ersten Quartal und dann steigender Tendenz», sagte Abberger.

Das Damoklesschwert ist aber weiterhin die Euro-Schuldenkrise. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF), der am Vortag seine Prognose für die Weltwirtschaft kräftig herunterstutzte, warnt vor einer gefährlicher Phase der Euro-Krise und sieht die Euro-Zone in diesem Jahr in der Rezession. Für Deutschland geht aber auch der IWF noch von einem Mini-Wachstum von 0,3 Prozent aus.

Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) hält das Risiko einer Rezession in Deutschland für gering. Die Wahrscheinlichkeit, dass die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal wächst, schätzen vom ZEW befragte Finanzmarktexperten derzeit auf 71 Prozent. Für das erste Quartal erwarten sie ein Wachstum von 0,2 Prozent und im zweiten Quartal von 0,3 Prozent.

Der ifo-Index wird jeden Monat aus einer Umfrage unter rund 7000 Unternehmen ermittelt und gilt als wichtigster Frühindikator für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft. Im vergangenen Jahr war er monatelang gesunken und dann ab November wieder gestiegen.

news.de/dpa

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