Agrar Grüne Woche beginnt. Ruf nach sanfter Landwirtschaft

Begleitet vom Ruf nach mehr Umwelt- und Tierschutz in der Landwirtschaft beginnt an diesem Freitag die Grüne Woche in Berlin. Auf der weltgrößten Agrarmesse präsentieren sich mehr als 1600 Aussteller aus knapp 60 Ländern.

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Grüne Woche beginnt. Ruf nach sanfter Landwirtschaft Bild: dpa

Berlin (dpa) - Begleitet vom Ruf nach mehr Umwelt- und Tierschutz in der Landwirtschaft beginnt an diesem Freitag die Grüne Woche in Berlin. Auf der weltgrößten Agrarmesse präsentieren sich mehr als 1600 Aussteller aus knapp 60 Ländern.

Die deutschen Bauern sind nach einem wirtschaftlich guten Jahr 2011 in bester Stimmung. Angesichts umstrittener Antibiotika-Anwendungen in der Massentierhaltung stellen sie sich aber auf kritische Verbraucherfragen an den Messetagen ein. «Mit diesen verständlichen Emotionen müssen wir umgehen», sagte Bauernpräsident Gerd Sonnleitner am Donnerstag.

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) kündigte an, sich für mehr Tierschutz und Nachhaltigkeit in der Branche einzusetzen. Der Bauernverband stimmte zu, sieht dafür aber auch die Verbraucher in der Verantwortung. Sie dürften nicht nur auf billige Preise setzen. Sonnleitner warnte auch vor Wettbewerbsnachteilen der deutschen Bauern auf den internationalen Märkten.

Aigner sagte, ihr Leitbild sei eine ökologisch tragfähige, ökonomisch existenzfähige, sozial verantwortliche und Ressourcen schonende Wirtschaftsweise. «Das Tierwohl werden wir stärken und dem Verbraucher in seinen Wahlmöglichkeiten bei Lebensmitteln über mehr Transparenz eine klare Orientierung bieten», sagte die Ministerin bei der Vorstellung einer «Charta für Landwirtschaft und Verbraucher», die nach Gesprächen mit der Branche, Umweltverbänden und anderen gesellschaftlichen Gruppen entstand.

Aigner bekräftigte, sich auf EU-Ebene für einheitliche Kennzeichen für Produkte einzusetzen, an denen der Kunde besondere Standards für tiergerechte Haltung erkennen kann. Zudem gelte es, die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung zu sichern und die Rohstoffspekulation einzudämmen. Darum geht es auf einem internationalen Agrarminister- Treffen an diesem Samstag am Rande der Messe.

Geschäftlich ist die Stimmung der deutschen Bauern so gut wie lange nicht. Das Konjunkturbarometer des Bauernverbands erreichte im Dezember einen Spitzenwert. So benoteten die Landwirte ihre aktuelle wirtschaftliche Lage auf einer Notenskala von 1 bis 5 im Schnitt mit 2,72. Das ist so positiv wie bislang nur im Frühjahr 2008. Gute Ernteergebnisse sowie die Entwicklung der Fleisch- und Futtermittelpreise besserten die Stimmung auf.

Der Öko-Beauftragte des Verbands, Heinrich Graf von Bassewitz, appellierte an die Supermarktkunden. «Die Verbraucher, die sich heute über die sogenannte Massentierhaltung beschweren, haben mit ihrem Kauf von Billig-Lebensmitteln und ihrer extremen Preisbewusstheit letztlich genau diese Art der Landwirtschaft vorangetrieben», sagte er der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Donnerstag). Langfristig seien steigende Preise zu erwarten, sagte Aigner in der ARD.

Grünen-Fraktionschefin Renate Künast warf der Ministerin vor, die Systemfragen der Massentierhaltung nicht anzupacken. Fleisch zu Dumpingpreisen bedeute, dass artgerechte Haltung unmöglich sei und Tiere massiv mit Antibiotika versorgt würden, sagte Künast der dpa. Sie forderte ein Verbot quälender Haltungsformen. Fördergeld dürfe es nur geben, wenn Mindeststandards gewahrt seien.

Alternative Agrarverbände warnten vor verheerenden Folgen der wachsenden Exportorientierung der deutschen Landwirtschaft. «Das Gerede von der Verantwortung für die Ernährung der Weltbevölkerung ist billiges Gerede», sagte der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Hubert Weiger. «Die Not der Menschen wird benutzt, um Milliarden zu verdienen.» Flächen in Entwicklungsländern würden zerstört, um dort billiges Futter für Tiere in «Agrarfabriken» auch in Deutschland zu produzieren.

Sonnleitner sagte, die deutschen Bauern verfütterten in hohem Maße heimische Futtermittel. Auf den guten Böden in Deutschland lasse sich verglichen mit Entwicklungsländern das Drei- bis Fünffache ernten. «Darum helfen wir durch unsere Exporte, den Druck aus dem Kessel der Weltagrarmärkte zu nehmen.» Die deutschen Agrarexporte waren 2011 um zehn Prozent auf rund 59 Milliarden Euro gewachsen.

Grüne Woche

news.de/dpa

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