EU Neuer Schlag für Eurozone: Frankreich verliert «AAA»

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Neuer Schlag für Eurozone: Frankreich verliert «AAA» Bild: dpa

Die Eurozone steht vor neuen schwierigen Herausforderungen: Deutschland wird wohl als einziges großes Land seine Topbonität behalten. Dagegen verliert Frankreich sein «AAA», wie Wirtschaftsminister François Baroin am Freitagabend im französischen TV bestätigte.

Frankfurt/New York/Paris/Berlin (dpa) - Die Eurozone steht vor neuen schwierigen Herausforderungen: Deutschland wird wohl als einziges großes Land seine Topbonität behalten. Dagegen verliert Frankreich sein «AAA», wie Wirtschaftsminister François Baroin am Freitagabend im französischen TV bestätigte.

Das sei keine Katastrophe, betonte Baroin. «Es sind nicht die Ratingagenturen, die Frankreichs Politik diktieren.»

Auch Österreich droht der Verlust des Spitzenratings, wie die Nachrichtenagentur dpa aus Finanzkreisen erfuhr. Die Abstufung dürfte es für beide Länder schwerer und teurer machen, sich frisches Geld am Kapitalmarkt zu leihen. Damit steigt der Druck auf ganz Europa.

Das Hauptproblem: Frankreich ist eine zentrale Figur in den Rettungsbemühungen für die gesamte Eurozone. Doch Glück im Unglück: Die Ratingnote geht nur um eine Stufe zurück auf ein immer noch sehr gutes «AA+». Die mächtige Ratingagentur Standard & Poor's hatte ursprünglich eine Absenkung um gleich zwei Stufen erwogen. Mit einer offiziellen Ankündigung von S&P selbst wurde noch am Abend gerechnet. Auch anderen Euroländern drohen schlechtere Noten.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte zuvor gelassen auf die mögliche Herabstufung reagiert: «Wir haben uns ja in den letzten Monaten zunehmend weltweit darauf verständigt, wir sollten die Rating-Agenturen auch nicht überschätzen in ihren Beurteilungen», sagte er dem Fernsehsender RTL am Rande einer Wahlkampfveranstaltung im schleswig-holsteinischen Henstedt-Ulzburg. Dass es eine große Verunsicherung bei den Finanzmärkten gegenüber der Eurozone insgesamt gebe, sei ja nicht neu. Bundeskanzlerin Angela Merkel wollte sich erst Samstag äußern.

Auch die französische Budgetministerin Valérie Pécresse bemühte sich um beruhigende Worte. «Frankreich ist ein sicherer Wert, es kann seine Schulden zurückzahlen und das Defizit hat sich zuletzt besser entwickelt als erwartet», sagte sie dem Fernsehsender BFMTV. Spitzenvertreter der französischen Regierung trafen sich am Abend zu Beratungen im Elyséepalast.

S&P hatte im Dezember insgesamt 15 Eurostaaten unter verschärfte Beobachtung gestellt, darunter auch Deutschland. Den Informationen aus Finanzkreisen zufolge wird die Bundesrepublik aber ihr Toprating behalten. Nach einem Bericht der französischen Wirtschaftszeitung «Les Echos» werden Italien, Spanien und Portugal dagegen sogar um zwei Noten herabgestuft.

Die Abstufung kommt insofern überraschend, als sich die Lage zuletzt entspannt hatte. Europas Staaten waren am Kapitalmarkt wieder leichter und günstiger an frisches Geld gelangt; die Börsenkurse hatten sich von ihren Tiefständen erholt.

Warum S&P nun ausgerechnet an einem Freitag dem 13. mit einer Herabstufung herauskommen dürfte, ist unklar. Die Agentur lehnte vorerst jeden Kommentar ab. Die Informationen über das massenhafte «Downgrade» sind aber glaubwürdig: Ratingagenturen sind verpflichtet, ihre Schritte im Vorfeld den betroffenen Regierungen zu melden. Deshalb wusste Frankreichs Wirtschaftsminister auch bereits Bescheid.

Erste Gerüchte über eine bevorstehende Abstufung lösten am Freitagnachmittag an den europäischen Börsen einen Kursrutsch aus. Bis zum Börsenschluss beruhigte sich die Lage aber wieder etwas. Der deutsche Leitindex Dax schloss 0,58 Prozent tiefer bei 6143,08 Punkten. Der französische Aktienindex CAC 40 verlor am Ende 0,1 Prozent. Auch der Euro gab deutlich nach und fiel zwischenzeitlich um zwei Cent auf bis zu 1,2624 Dollar.

Die Konsequenzen insbesondere aus einer Herabstufung Frankreichs könnten fatal sein. Die «Financial Times» zitierte einen namentlich nicht genannten Amtsträger, dass dies die gesamte Konstruktion des Euro-Rettungsfonds EFSF in Frage stellen könnte. Auch dessen Bonitätsnote steht unter verschärfter Beobachtung.

Investoren flüchteten sich am Freitag in die als sicher geltenden deutschen Staatsanleihen. Marktanalyst Robert Halver von der Baader Bank riet allerdings, die Eurozone solle sich «nicht kirre machen lassen». Eine Bonitätsabstufung hält er für «absolut ungerechtfertigt». Die Europäische Zentralbank habe zuletzt entschlossen gehandelt und für eine Entspannung an den Märkten gesorgt. Auch führende Volskwirte reagierten gelassen.

Den Informationen zufolge blieben neben Deutschland nur noch die kleineren Staaten Niederlande, Finnland und Luxemburg mit einem sogenannten Triple-A-Rating übrig. Ein «AAA» bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit eines Staatsbankrotts faktisch ausgeschlossen wird. Investoren leihen den Ländern ihr Geld deshalb zu besonders günstigen Konditionen.

Frankreich steht wegen seines hohen Staatsdefizits seit Monaten unter erheblichem Druck der Märkte. Angesichts der sich eintrübenden Wirtschaftslage musste die Regierung innerhalb weniger Monate zwei Sparprogramme ankündigen, um die Ziele beim Schuldenabbau einhalten zu können.

Die französische Opposition nutzte die Nachrichten 100 Tage vor den Präsidentschaftswahlen für heftige Kritik an Staatschef Sarkozy. «Letztendlich wird diese Präsidentschaft die des Verfalls von Frankreich sein, des finanziellen Verfalls, des sozialen Verfalls und des moralischen Verfalls», sagte der sozialistische Senatsabgeordnete François Rebsamen der Nachrichtenagentur AFP.

Nach Angaben aus dem französischen Wirtschaftsministerium dürfte die Herabstufung dem Land Mehrkosten von zwei Milliarden Euro pro Jahr bescheren. S&P hatte jüngst allerdings betont, dass es keine systematische Korrelation zwischen dem Rating eines Landes und den Zinsen gebe, die es an den Finanzmärkten zahlen müsse.

In der Tat müssen die USA heute trotz des Verlusts ihrer eigenen Topbonität im Sommer eher geringere Zinsen berappen - was aber in erster Linie daran liegt, dass viele Investoren sich aus Europa zurückgezogen haben und einen sicheren Hafen für ihr Geld suchten.

FT-Bericht

S&P-Mitteilungen zur Eurozone

S&P-Mitteilung zu Deutschland

Erläuterung CreditWatch, mit Registrierung

news.de/dpa

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • herby
  • Kommentar 1
  • 17.01.2012 20:01

Man kann sich diesen Mist nicht mehr länger durchlesen, wo hat denn die BRD GmbH die Top Bonität versteckt...die BRD GmbH ist Pleite und alles was nun als Bonität gilt ist das Hab und Gut des Bürgers, ich kann nur allen Raten passt auf euch auf, der deutsche Bürger wird haftbar sein für all diese Schweinereien die Banker angerichtet haben, Liebe gutglaubige deutsche Bürger alle Macht geht vom Volke aus wir müssen Handeln...Geldentzug ist ein Mittel was diese verstehen, zb.: wenn 20 000 000 Millionen Bürger an jeden Zahltag 500 € abheben sind das: 10000 000 000 € u.d. Banken wären Geschichte

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