Handel Weitere Gespräche mit Kaufhof-Bietern

Das Investorenrennen zur Warenhauskette Kaufhof geht ins neue Jahr. Der Aufsichtsrat der Metro AG fällte am Freitag erwartungsgemäß noch keine Entscheidung, welcher Interessent das Tochterunternehmen Kaufhof mit über 100 Häusern und mehr als 20 000 Mitarbeitern bekommen soll.

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Weitere Gespräche mit Kaufhof-Bietern Bild: dpa

Düsseldorf (dpa) - Das Investorenrennen zur Warenhauskette Kaufhof geht ins neue Jahr. Der Aufsichtsrat der Metro AG fällte am Freitag erwartungsgemäß noch keine Entscheidung, welcher Interessent das Tochterunternehmen Kaufhof mit über 100 Häusern und mehr als 20 000 Mitarbeitern bekommen soll.

Mit der österreichischen Immobilienfirma Signa und dem Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen sollen weitere Gespräche geführt werden, um technische Details und offen Fragen zu klären, sagte ein Sprecher der Metro AG der Nachrichtenagentur dpa. Der Vorstand unter dem scheidenden Konzernchef Eckhard Cordes stellte dem Aufsichtsrat der Metro AG Details der vorliegenden Angebot vor.

Das Bieter-Rennen um Kaufhof mit den mehr als 100 Häusern in besten Innenstadtlagen versuchen gleich mehrere Investoren für sich zu entscheiden. Vor der letzten Aufsichtsratssitzung der Metro in diesem Jahr legte Nicolas Berggruen ein verbessertes Angebot vor. Laut «Handelsblatt» werde darin auch deutlich, dass Berggruen an Kaufhof mit seinem Management und Mitarbeiterstamm festhalten wolle. Seit mehreren Jahren wird über ein Zusammengehen von Kaufhof und Karstadt in der Handelsbranche diskutiert. In dem Zusammenhang gab es Befürchtungen, dass es zu massiven Einschnitten kommen könnte.

Schärfster Konkurrent von Berggruen ist die österreichische Immobilienfirma Signa, die in den vergangenen Monaten in der Favoritenrolle zu sein schien. Signa-Chef René Benko hat bereits ein bindendes Angebot für Kaufhof vorgelegt. Zur Höhe wollte sich der Immobilienunternehmer nicht äußern. Zudem hatte ein Konsortium um Ex-KarstadtQuelle-Chef Wolfgang Urban Interesse an Kaufhof bekundet.

In der Branche wird der Unternehmenswert von Kaufhof auf zwei bis drei Milliarden Euro taxiert. Besonders werthaltig sind dabei die Immobilien in den deutschen Innenstädten. Kaufhof erzielte 2010 einen Umsatz von 3,6 Milliarden Euro und einen um Sonderfaktoren bereinigten operativen Gewinn von 138 Millionen Euro. Die Metro veröffentlicht nicht, was ihre Töchter unter dem Strich verdienen. Neben mehr als 100 Warenhäusern und 16 Sporthäusern in Deutschland betreibt Kaufhof 15 Filialen in Belgien unter der Marke «Inno».

Der Handelskonzern Metro setzt seinen Sparkurs und den Verkauf der Warenhauskette Kaufhof mit Spitzenmanagern aus den eigenen Reihen fort. Neuer Finanzvorstand wird zum 1. Januar 2012 Mark Frese, der derzeit Finanzchef der Metro-Großhandelstochter in Europa ist. Er wird Nachfolger von Olaf Koch, der zum Metro-Vorstandschef aufsteigt.

Aufsichtsratschef Franz Markus Haniel betonte, Frese habe große Erfahrung im Konzern gesammelt. «Die zügige interne Besetzung dieser Position bringt zudem die notwendige Kontinuität in der aktuell herausfordernden Situation für die Metro Group», erklärte Haniel. Vor seiner derzeitigen Aufgabe war Frese Bereichsleiter Controlling der Metro. Von 2004 bis 2009 arbeitete er in gleicher Rolle bei Kaufhof.

Außerdem habe der Aufsichtsrat auf Vorschlag des Vorstandes einige Zuständigkeiten neu verteilt: Vorstandsmitglied Joël Saveuse wird sich demnach auf die Lebensmitteltochter Real konzentrieren und das «Gesamtgeschäft dieser Vertriebslinie im In- und Ausland wieder stärker strategisch führen». Der Metro-Vorstand hat nach früheren Angaben bei Real mehrere Option: Ein Verbleib im Konzern, ein Verkauf oder eine Partnerschaft. Saveuse war er zuletzt auch für den Metro- Großhandel in Europa zuständig. Diese Aufgabe übernimmt Vorstand Frans Muller, der damit dann den Großhandel weltweit verantwortet.

Bei der Suche nach einem Nachfolger für Cordes galt Saveuse mit seiner Handelserfahrung zeitweise als ein aussichtsreicher Kandidat. Zu einer Kampfkandidatur gegen den ebenfalls chancenreichen Koch kam es aber nicht. Die Entscheidung für Koch wird in Branchenkreisen auch als eine Richtungsentscheidung gesehen für die Fortsetzung des bisherigen Kurses. Dazu gehört die angestrebte Trennung von Kaufhof.

news.de/dpa

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