Energie Stromnetze am Rand der Belastbarkeit

Netzagentur: Stromnetze am Rand der Belastbarkeit (Foto)
Aus Sicht der Bundesnetzagentur ist der Neubau der Leitungen dringend geboten. Bild: dpa

Von news.de-Volontär Ronny Janke
Laut Bundesnetzagentur hinkt Deutschland beim Ausbau seines Stromnetzes deutlich hinterher. Von vier Jahren Verzug ist bereits die Rede. Wird der Winter zur Bewährungsprobe für die in die Jahre gekommenen Leitungen?

Ein aktueller Bericht der Bundesnetzagentur spricht eine deutliche Sprache: Der Bau neuer Stromautobahnen schreitet nicht in dem Tempo voran, wie es nötig ist, um die deutschen Haushalte auch weiterhin zuversichtlich mit Strom zu versorgen. Gerade in dünn besiedelten Gegenden, wo viele Wind- und Solarparks entstehen, gibt es nicht genügend Hochleistungsnetze, um den dort gewonnenen Strom dahin zu transportieren, wo er benötigt wird. Kritiker warnen deshalb davor, dass gerade der Winter zeigen könnte, wie stabil das bestehende Stromnetz in Deutschland wirklich ist.

«Für unsere Berichte spielen wir kritische Szenarien durch. Das heißt, wir überprüfen, was passiert, wenn bestimmte Leitungen ausfallen», sagt der Sprecher der Bundesnetzagentur, Rainer Warnecke, zu news.de. Dabei sei es wichtig, dass im gesamten Stromnetz in Deutschland das Gleichgewicht zwischen Einspeisung und Ausspeisung von Energie gewahrt bleibt. Gerade zur Weihnachtszeit und mit all der zusätzlichen Beleuchtung in den Haushalten würde es zu einer stärkeren Belastung des Stromnetzes kommen als im Sommer. «Denn da sind die Menschen viel draußen und verbrauchen deshalb zum Beispiel auch weniger Strom.»

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Kann das Stromnetz den weihnachtlichen Energiebedarf decken?

24 besonders wichtige Neubauprojekte stehen seit August 2009 an. Dafür müssen 1807 Kilometer Energieleitungen gespannt werden. Bisher sind davon lediglich 214 Kilometer Hochleistungsnetze verlegt worden. Eine der Trasse, deren Ausbau nicht vorankommt, ist die zwischen Kassø (Dänemark) - Hamburg/Nord - Dollern, die zum Windstrom-Transport von der Küste wichtig ist. Von 187 Kilometern Leitung, die verlegt werden müssen, ist bisher kein einziger gebaut. Noch nicht einmal die Planungsphase ist abgeschlossen.

Laut Experten sollen über die seit 2009 geplanten Projekte hinaus sogar bis zu 4000 Kilometer neue Hochspannungsleitungen fehlen. Die Kosten dafür belaufen sich auf etwa 40 Milliarden Euro, die jedoch auf die kommenden zehn Jahre verteilt werden sollen und deshalb die Haushalte nur geringfügig belasten. Der scheidende Chef der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, will mit einem neuen Netzentwicklungsplan dafür sorgen, dass es so schnell wie möglich zur Energiewende in Deutschland kommt.

Was die Auslastung des Stromnetzes zur Weihnachtszeit betrifft, kann Warnecke jedoch Entwarnung geben: «Man sollte den privaten Verbrauch nicht überschätzen.» Noch sehe er keine Probleme für das bestehende Netz, den weihnachtlichen Energiebedarf stemmen zu können. Obwohl die Situation noch beherrschbar ist, mahnt der Fachmann zu mehr Geschwindigkeit: «Wichtig ist, dass der Netzausbau endlich vorangetrieben wird». Vielleicht wären dann Planspiele, wie sie die Bonner Behörde in regelmäßigen Abständen durchführt, nicht mehr nötig.

Strom wird 2012 teurer, der Anbieterwechsel soll aber schneller möglich sein als bisher

Die beim Ausbau des Stromnetzes anfallenden Kosten werden natürlich nicht von den vielen Energieanbietern allein getragen. Deshalb verwundert es nicht, dass sich 2012 die Verbraucher auf eine Erhöhung des Strompreises um 25 bis 40 Euro einstellen müssen. Doch die Kunden sind den steigenden Kosten nicht wehrlos ausgeliefert: «Viel zu wenig Menschen nutzen ihr Recht, den Versorger zu wechseln», sagt Warnecke zu news.de.

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Und dieser Wechsel soll in Zukunft noch schneller erfolgen. Per Gesetz werden die Strom- und Gasanbieter gezwungen, den Wechsel innerhalb einer dreiwöchigen Frist vollziehen zu müssen. Die Bundesnetzagentur wird diese Prozesse streng überwachen. Den Verbrauchern soll so eine weitere Hürde genommen werden: Die Ausrede «Das dauert aber so lang und bestimmt wird sich mein alter Stromanbieter quer stellen» wird dann nicht mehr gelten.

Den aktuellsten Zahlen zufolge greifen nur knapp 16 Prozent der Deutschen auf die Möglichkeit zurück, den sogenannten Grundversorger mit einem der alternativen Stromanbieter zu vergleichen. Viele Haushalte zahlen deshalb Monat für Monat mehr Geld, als sie eigentlich müssten. Trotzdem hat sich, ausgelöst auch durch das diesjährige Atomkraftwerkunglück in Fukushima, einiges getan: Etwa drei Millionen Stromkunden wechselten immerhin ihren Anbieter. Nicht nur, weil es den Menschen wichtiger geworden ist, Ökostrom zu nutzen. «Eine vierköpfige Familie kann jährlich bis zu 200 Euro sparen», sagt Warnecke. Geld, das in das eine oder andere Weihnachtsgeschenk sicher besser investiert ist.

beu/news.de/dpa

Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • hpklimbim
  • Kommentar 2
  • 25.12.2011 13:47
Antwort auf Kommentar 1

Genau das habe ich beim Lesen der Zeilen auch gedacht. Könnte auch die Einläutung der nächsten Preisrunde ankündigen. Vielleicht erleben wir in nächster Zukunft dann Berichte über die lebenserhaltende Notwendigkeit des Dönerverzehrs, und dass sich die Bürger doch gefälligst in Form von Subventionen an den Kosten für die Beschaffung der Döner-Tüten nochmals beteiligen sollen. Über die normale Kalkulation geschieht das doch ohnehin schon...

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  • ingo
  • Kommentar 1
  • 25.12.2011 13:22

Eigenartig, ich denke die Stromversorgung ( Kraftwerke ect. ) in Deutschland ist privatisiert ? Wenn die erzeugte Energie zum Verbraucher gelangen soll muss auch ein ausreichendes Leitungsnetz vorhanden sein. Haben wir in Schule in Physik gelernt! Dafür sorge zu tragen ist Sache der Ernergielieferanten. Wenn dem nicht so ist, hat jemand geschlafen Zu was brauchen wir da eine Bundesbehörde wie die Bundesnetzagentur ? Vermutlich nur ein Versorgungsunternehmen für Beamte.

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