EU Neuer Starttermin für Galileo bestätigt

Der neue Termin für die Doppel-Premiere für das europäische Satellitennavigationssystem Galileo und seine russische Trägerrakete Sojus steht.

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Neuer Starttermin für Galileo bestätigt Bild: dpa

Oberpfaffenhofen/Kourou (dpa) - Der neue Termin für die Doppel-Premiere für das europäische Satellitennavigationssystem Galileo und seine russische Trägerrakete Sojus steht.

Am Freitag um 12.30 Uhr MESZ soll der Sojus-Veteran mit den Satelliten an Bord vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana abheben, wie die Europäische Raumfahrtbehörde ESA und der Raketenbetreiber Arianespace am späten Donnerstagabend auf ihren Internetseite mitteilten. Der Start war am Donnerstagmittag kurzfristig wegen technischer Probleme abgebrochen worden. Um das teure europäische Prestigeprojekt Galileo wurde jahrelang gerungen.

Die ESA und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hatten nach dem Startabbruch berichtet, beim Betanken der dritten Raketenstufe habe eine Signalanlage ein Problem angezeigt. Es sei aber kein Fehler an der Sojus-Rakete selbst gewesen, sondern ein Problem an der neuen Rampe, betonte Arianespace. Nach Arbeiten an der neuen Startrampe und zusätzlichen Checks sei schließlich beschlossen worden, den Countdown am Freitag wieder aufzunehmen. Techniker hatten auf Kourou mit Hochdruck daran gearbeitet, den Fehler zu beseitigen.

Die Europäer wollen eine doppelte Premiere feiern: den ersten Start einer russischen Sojus-Rakete von europäischem Hoheitsgebiet und nach jahrelanger Verzögerung den Beginn des neuen Galileo-Zeitalters als Konkurrenz zum amerikanischen GPS-System. Deutschland ist der größte Finanzier des EU-Projektes, deutsche Unternehmen bauen weitgehend die Satelliten und das Galileo-Kontrollzentrum beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen soll nach dem Start die Steuerung der Satelliten übernehmen.

Bereits etwa vier Stunden nach dem Abheben von der Erde sollen die Satelliten ihre Umlaufbahn erreichen, schon vorher sollen sie erste Signale funken und Kontakt zu den Bodenstationen aufnehmen. Was passiert, wenn der Start auch am Freitag nicht klappt, ist offen. Die Rakete kann laut DLR 52 Stunden für einen neuen Startversuch betankt bleiben. Ob dann aber am Samstag noch ein Versuch möglich wäre, war am Donnerstag zunächst unklar.

Verschiebungen von Starts gebe es nicht nur in der bemannten Raumfahrt, sondern auch bei Satellitenstarts, sagte ESA-Direktor Thomas Reiter. Es gehe darum, die Satelliten sicher ins All zu bringen. «Es war klar, dass die Situation eine besondere ist», sagte DLR-Vorstandschef Johann-Dietrich Wörner. Schließlich sei die Rampe auf Kourou neu, damit sei es praktisch ein Jungfernflug. Für den weiteren Fortschritt Galileos bedeute die Verschiebung nichts.

«Politisch gesprochen schreiben wir in diesen Tagen europäische Raumfahrtgeschichte, und ein bisschen auch Weltgeschichte», betonte der Koordinator der Regierung für die Luft- und Raumfahrt, Peter Hintze, in Oberpfaffenhofen. «Ein russischer Träger bringt an einem französischen Startplatz Satelliten ins All, die ganz wesentlich in Deutschland entwickelt und gebaut wurden - für ein europäisches Navigationssystem. Das ist internationale Kooperation vom Feinsten.»

Das Galileo-System soll die Vormacht des US-amerikanischen GPS (Global Positioning System) brechen, das unter militärischer Kontrolle steht. Galileo soll viel präziser arbeiten und weltweit metergenaue Positionsbestimmungen ermöglichen. Als Einsatzszenarien nennt die EU den Verkehr zu Lande, zu Wasser und in der Luft, aber auch die Industrie oder die Landwirtschaft. Fahnder könnten die Daten bei der Verbrecherjagd benutzen, Bauingenieure beim Einmessen von Gebäuden, Landwirte beim Verteilen von Dünger.

Immer wieder aber haben massive Verzögerungen im Zeitplan und Kostensteigerungen Galileo in die Kritik gebracht. Statt der anfangs geplanten 3,4 Milliarden Euro sollen es nun rund 5 Milliarden sein. Und der Betrieb war eigentlich schon für 2008 geplant. «Ich habe manchmal fast den Eindruck, dass die technischen Probleme leichter zu lösen sind als die politischen», sagte Reiter. Nun soll es endgültig 2014 losgehen. Bis dahin sollen mindestens 18 Satelliten im All sein. Bis 2020 sollen dann 30 Satelliten in einer Entfernung von gut 23 000 Kilometern um die Erde kreisen.

Nach den bisherigen Plänen sollen die nächsten beiden Galileo-Satelliten Mitte kommenden Jahres starten. Die Startverzögerung der ersten Satelliten beeinträchtige diesen Zeitplan bisher nicht, hieß es.

DLR Galileo

EU-Kommission zu Galileo

Arianespace

ESA mit Live-Übertragung

news.de/dpa

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