Banken Deutsche Bank senkt Gewinnziel und streicht Stellen

Die Krise auf den Finanzmärkten verdirbt Josef Ackermann den Abschied als Vorstandschef der Deutschen Bank. Der 63-jährige Manager kassierte am Dienstag das Gewinnziel der Bank für dieses Jahr und kündigte den Abbau von 500 Stellen im Investmentbanking an.

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Deutsche Bank senkt Gewinnziel und streicht Stellen Bild: dpa

London/Frankfurt (dpa) - Die Krise auf den Finanzmärkten verdirbt Josef Ackermann den Abschied als Vorstandschef der Deutschen Bank. Der 63-jährige Manager kassierte am Dienstag das Gewinnziel der Bank für dieses Jahr und kündigte den Abbau von 500 Stellen im Investmentbanking an.

Der deutsche Branchenprimus hält es nicht mehr für möglich, wie angestrebt 10 Milliarden Euro vor Steuern zu verdienen, wie Ackermann bei einer Analystenkonferenz in London erklärte. Bislang hatte sich die Deutsche Bank im Vergleich zu vielen internationalen Konkurrenten recht gut geschlagen.

Ackermann sprach am Dienstag nun von einem enttäuschenden dritten Quartal im Investmentbanking, das deutlich unter Plan liege. Als Reaktion auf die schwachen Geschäfte in dieser Sparte will das Institut bis Ende März kommenden Jahres 500 Stellen vor allem außerhalb Deutschlands streichen. Das Investmentbanking wird von Anshu Jain gemanagt, der zusammen mit dem amtierenden Deutschland-Chef Jürgen Fitschen im kommenden Mai die Nachfolge Ackermanns als Vorstandschef antreten soll.

Die Zuspitzung der Schuldenkrise in Europa hat vielen Anlegern die Lust am Investieren verdorben. Die meisten Analysten gingen daher bereits davon aus, dass die Bank ihr Ziel nicht erreichen werde. Erst Anfang September hatte Ackermann darauf hingewiesen, dass das ehrgeizige Gewinnziel der Bank nur bei einer Erholung der Kapitalmärkte realistisch sei.

Hinzu kommen millionenschwere Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen. Ihren gesamten Bestand an griechischen Bonds hat die Deutsche Bank laut Ackermann im dritten Quartal auf aktuelle Marktpreise abgewertet und damit stärker, als in den Rettungsplänen bislang vorgesehen ist. Dadurch fielen weitere Abschreibungen von 250 Millionen Euro an. Im zweiten Quartal waren es bereits 155 Millionen Euro. Die Notwendigkeit für eine Kapitalerhöhung besteht aus Sicht Ackermanns nicht. Das Institut sei sehr gut kapitalisiert, betonte der Vorstandschef.

An der Börse ging die Deutsche-Bank-Aktie weiter auf Talfahrt. Sie verlor bis zum Nachmittag etwas mehr als sieben Prozent und war damit einer der schwächsten Werte im Dax. Insgesamt erwartet die Deutsche Bank für das dritte Quartal ein positives Ergebnis und ein «robustes Ergebnisniveau für 2011», wie es in einer Pflichtmitteilung für die Börse hieß. In seinen klassischen Geschäftsfeldern, zu dem beispielsweise das Privatkundengeschäft gehört, will das Institut in der Summe ein Rekordergebnis erzielen. Den vollständigen Quartalsbericht will die Deutsche Bank am 25. Oktober veröffentlichen.

Zahlreiche Großbanken hatten in der Vergangenheit angekündigt, kräftig auf die Kostenbremse treten zu wollen. Allein die britische HSBC will 30 000 Jobs bis 2013 streichen, bei der ebenfalls britischen Lloyds soll bis 2014 Hand an 15 000 Arbeitsplätze gelegt werden. Die Schweizer UBS will nach einem massiven Gewinneinbruch 3 500 Arbeitsplätze streichen, die Credit Suisse 2 000 Stellen.

news.de/dpa

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