Konjunktur Institute senken Wachstumsprognosen

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Die deutsche Konjunktur gerät nach Prognosen von Wirtschaftsforschern durch die internationale Schuldenkrise aus dem Tritt. Weitere Institute korrigierten am Mittwoch ihre Wachstumsvorhersagen für das laufende und kommende Jahr drastisch nach unten.

Essen/Halle (dpa) - Die deutsche Konjunktur gerät nach Prognosen von Wirtschaftsforschern durch die internationale Schuldenkrise aus dem Tritt. Weitere Institute korrigierten am Mittwoch ihre Wachstumsvorhersagen für das laufende und kommende Jahr drastisch nach unten.

Für 2012 gehen die meisten Prognosen nunmehr nur noch von einem Plus der Wirtschaftsleistung zwischen 0,8 Prozent und 1,2 Prozent aus, nach etwa 3 Prozent im laufenden Jahr. Der Arbeitsmarkt bleibe aber noch stabil, die Arbeitslosenquoten dürften auch 2012 nochmals leicht sinken.

Das größte Risiko besteht nach Ansicht des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) derzeit in einer dramatischen Zuspitzung der europäischen Staatsschuldenkrise. Die Konjunktur in Deutschland gerate aller Wahrscheinlichkeit nach in eine Phase der Stagnation. Konsumenten und Unternehmen seien verunsichert. Die globalen Kurseinbrüche hätten dazu beigetragen. Die Wirtschaft des Euroraums stehe vor einer erneuten Rezession, warnte IWH-Konjunkturexperte Oliver Holtemöller.

Positive Impulse kämen für die deutsche Wirtschaft nur durch die Nachfrage außerhalb des Euroraumes und die steigenden verfügbaren Einkommen privater Haushalte. Erst für die zweite Jahreshälfte 2012 rechnet das Institut damit, dass die Produktion in Deutschland wieder Fahrt aufnimmt.

Das Essener Wirtschaftsforschungsinstitut RWI sieht die Rezessionsgefahren für Deutschland wachsen. Das Risiko einer weiteren Eskalation der Schuldenkrise bezeichnete RWI-Konjunkturexperte Roland Döhrn als «beträchtlich». Derzeit existierten bereits deutliche Zeichen, dass das Misstrauen der Banken untereinander aufgrund der Schuldenkrise erheblich gestiegen sei. Damit steige das Risiko, dass Unternehmen künftig schwerer an Kredite kommen, um zu investieren.

Für 2012 geht das RWI von einem weiteren Rückgang des Wirtschaftswachstums auf nur noch 1,0 Prozent aus. Noch im Sommer hatte das Institut für das kommende Jahr ein Wachstum von 2,3 Prozent vorausgesagt. Zuvor hatten bereits das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut HWWI und das Institut für Weltwirtschaft IfW ihre Prognose für 2012 auf 1,2 Prozent, beziehungsweise 0,8 Prozent gesenkt. Mit ebenfalls 0,8 Prozent rechnet das IWH.

Für das laufende Jahr erwarten die Essener Experten nur noch ein deutlich abgeschwächtes Wirtschaftswachstum von 2,9 Prozent. Im Juni hatte das RWI ein Wachstum von 3,7 Prozent vorhergesagt. Nicht nur die Euro-Schuldenkrise belaste, dass wirtschaftliche Umfeld habe sich allgemein deutlich verschlechtert, erklärte Döhrn.

Auf dem Arbeitsmarkt sehen die Essener Forscher für 2012 wie die meisten anderen Institute aber sogar einen leichten Rückgang der Arbeitslosenquote - das RWI geht von einem Minus um 0,3 Prozentpunkte auf 6,7 Prozent aus. Ein Einbruch der Beschäftigung sei derzeit noch nicht in Sicht, betonte Döhrn. Auch seien für 2012 vergleichsweise hohe Lohnsteigerungen zu erwarten.

Das IWH erwartet für 2011 rund 3,05 Millionen Arbeitslose in Deutschland nach rund 3,2 Millionen im Vorjahr. 2012 werden nach den Berechnungen der Experten bundesweit 2 991 000 Menschen ohne Job sein. Die Arbeitslosenquote werde 2011 bei 6,9 Prozent liegen (2010: 7,4 Prozent) und 2012 nochmals leicht auf 6,8 Prozent sinken.

Das RWI sieht große Gefahren bei einem Übergreifen der Schuldenkrise auf andere Staaten des Euro-Raums wie etwa Italien oder Spanien. «Die größten Haushaltsrisiken resultieren aus dem Euro-Rettungsschirm», sagte Döhrn. Eine mögliche Staatspleite Griechenlands sei dagegen von den Märkten «schon eingepreist», sagte der Experte.

In der vergangenen Woche hatte die OECD in Paris vor einem drohenden Einbruch der deutschen Wirtschaft zum Jahresende 2011 gewarnt. «Deutschlands Wachstum schwächt immer weiter ab», hatte OECD-Chefökonom Pier Carlo Padoan erklärt.

news.de/dpa

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