Reich werden Wie Sie im Geld baden können

Geld (Foto)
Der Traum vom Schwimmen im Geld beeinflusst unsere Entscheidungen - und leert das Portemonnaie. Bild: dapd

Von news.de-Redakteurin Ulrike Bertus
Die meisten Menschen hätten gern viel Geld. Doch irgendwas steht immer im Weg. Zwei Autoren haben nun herausgefunden: Wir sind es selbst. Egal ob Börsianer oder Laie, die Gier treibt und blendet uns. News.de zeigt, wie Sie diese Tücke umgehen.

«Mein Haus, mein Boot, meine Frau», sagt ein Mann in der Werbung, knallt Fotos seiner Errungenschaften auf den Tisch und grinst. Und spätestens dann, wenn wieder ein Klassentreffen ansteht, wünschen sich die meisten, ebenso die Fotos auf den Tisch werfen zu können. Aber: Die meisten können das nicht.

Daraus entwickelt sich der Wille, irgendwie alles zu bekommen. Es werden Kredite aufgenommen und waghalsige Finanzierungsmodelle unterschrieben. Rund 1022 Milliarden Euro wurden im Jahr 2010 an Krediten für Privatpersonen gewährt, hat der Bundesverband deutscher Banken herausgefunden.

Wenn die Münze glitzert und der Schein knistert, dann schaltet sich nicht nur bei Laien das Gehirn aus. Auch Experten fallen immer wieder auf ihr Bauchgefühl rein. Die Wissenschaftler Ellen und Michael Kaplan zeigen in ihrem Buch Auf Fehler programmiert - warum der Mensch irren muss, wieso wir immer wieder auf falsche Versprechungen reinfallen und warum wir unnötig Geld ausgeben und so selbst zwischen uns und dem Reichtum stehen. 

Umsonst leben
Leben, ohne zu zahlen

Warum Kredite gar nicht gut für unser Konto sind

Wir wissen, dass wir uns das neue Kleid eigentlich gar nicht leisten können. Aber es sieht so gut aus! Anstatt noch eine Woche zu warten, bis das Gehalt auf unserem Konto ist und wir das Kleid bar bezahlen können, würden die meisten Menschen dazu neigen, für das Kleid einen Kredit aufzunehmen, was insgesamt teurer ist. Wegen der Zinsen. Warten wollen wir nicht - ein großer Fehler, schreiben die Autoren. Weil wir schon eine Woche später - mit nur etwas Geduld - das Kleid kaufen können, ohne danach für ein Jahr auf einem Kredit zu sitzen.

Schuld daran ist der Fluch des Kredits, schreiben die Autoren. Wenn es um materielle Dinge geht, denken die meisten Menschen zu kurzfristig. Sie wollen alles - und zwar jetzt, sofort. Die Vorfreude, die wir beispielsweise Weihnachten so sehr schätzen, ist kein Argument, wenn wir vor dem schönen Kleid oder dem Sportflitzer stehen.

Wieso wir so gerne auf aufregende Versprechen reinfallen

Da haben wir nun also Geld gespart, weil wir lieber bar bezahlen, als einen Kredit aufzunehmen. Und dann kommt da dieser Mann. Er hat einen schönen Anzug, seine Worte zeugen von guter Bildung und seine Zähne strahlen uns ganz weiß an. Überzeugend legt er da, wir unser Geld sich bei ihm wundersam vermehren wird. Er nennt Beispiele von Kunden, die sich große Wünsche erfüllen konnten, die statt zu arbeiten mit einer Yacht über das blau glitzernde Meer fahren. Wir lächeln den Mann an, geben ihm das Geld - und sehen weder unser Erspartes noch den Mann je wieder.

Warum? «Betrügereien basieren auf zwei mentalen Macken, die eine entscheidende Rolle spielen», schreiben Ellen und Michael Kaplan. Zum einen messen wir einprägsamen und wortreichen Dingen auch viel Gewicht zu. Wer uns viel erzählt, dem glauben wir auch viel. Zum anderen möchten wir nur zu gerne glauben, dass wir so wichtig sind, dass sich der Mann mit den weißen Zähnen und der tollen Geschichte überhaupt mit uns beschäftigt.

Gegen die leere Kasse
Mit Mist und Bananen zu Geld

Denn wir sind - auch wenn wir es gerne wären - kein Homo Oeconomicus, der immer rational handelt, immer weiß, was er will und nur nach dem besten strebt. Wir handeln zu häufig nach Bauchgefühl, sagen die Autoren -  der Kleinanleger genauso wie der wichtige Mann an der Börse. Niemand solle sich auf Versprechungen windiger Menschen verlassen und glauben, er sei eine Ausnahme. So große Zufälle gebe es nicht, schreiben die Wissenschaftler.

Warum Sex uns nicht mehr klar denken lässt

Die Wirtschaftswissenschaftler Marianne Bertrand hat ein Experiment gemacht. Ein Kreditgeber verschickte 50.000 Briefe, in denen er verschiedene Kredite mit verschiedenen Verzinsungen anbot. Auf einigen Briefen war oben in der Ecke eine attraktive Frau abgebildet und diese Frau führte dazu, dass die Empfänger ebendieser Briefe bei den Krediten zuschlugen. Der Zinssatz war egal - hauptsache die Frau auf dem Foto lächelte so nett.

Ein Anschluss-Experiment in Belgien zeigte: Je mehr Testosteron, ein Sexualhormon, ein Mann im Blut hatte, umso eher war er geneigt, unsinnige Geschäftsabschlüsse zu unterzeichnen. Er war so durch seine Hormone getrieben, so sehr davon beseelt, sich als wagemutiger und starker Mann zu produzieren, dass er bereit war, alles zu tun. Je weniger Testosteron, umso mehr Bedenkzeit wollten die Männer haben, prüften die Vorschläge und ließen sich auch von nett lächelnden Frauen nicht beeindrucken.

Und nun raten Sie mal, warum eine Frau mit blonden, langen Haaren mit dem Namen Alice Aushängeschild eines Telekommunikationsunternehmens ist...

Wieso wir so gerne Markenklamotten tragen

Das kleine Krokodil auf der Brust, die drei Streifen auf den Turnschuhen: Auf vielen Kleidungsstücken prangt ein Logo, wir sind die wandelnde Litfasssäule. Wenn unser Shirt von einer bekannten Marke stammt, dann glauben wir, etwas von Wert gekauft zu haben. «In Ermangelung von Klasse ist der Preis stets ein guter Führer für Uninformierte», schreiben die Autoren. Doch zu glauben, dass wir etwas von Wert gekauft haben, nur weil der Kaufwert so hoch war, sei falsch. Denn mit dem Emblem auf der Brust glauben wir, dass dadurch unsere Rolle in der Gesellschaft gefestigt wird. Weil wir es uns leisten können, eine Marke zu tragen. Ein Label ist auch gleichzeitig ein Wert, denken wir.

Dabei hat ein Versuch gezeigt: Marktwert und das, was wir bezahlen, hängt gar nicht mal so sehr zusammen. Tester bei Weinproben beispielsweise bewerteten Wein besser, wenn ihnen gesagt wurde, der Wein sei teuer. Gab es keine Preisinformation, schmeckte der Wein für zwei Dollar regelmäßig besser als die Flasche zu 150 Dollar.

Warum die Reichen reich bleiben

Die Reichen sind anders, hat Ernest Hemingway gesagt, weil sie reich sind. Und sie legen ihr Geld auch anders an, haben die Autoren des Buches festgestellt. Während der Normalverdiener schnell alles auf eine Karte setzt, legt der Reiche immer etwas zurück. Was - natürlich - einfacher für ihn ist. Denn er hat ja ohnehin mehr Geld. Außerdem verteilt er sein Geld. Er steckt nicht alles in ein Projekt, er teilt auf. Und entgeht damit der Wahrscheinlichkeit, alles zu verlieren.

Und zu guter Letzt haben die Reichen keine Angst vor dem Geld. Sie leben damit (ist ja auch einfach, wenn man es hat) und arbeiten damit, während wir beinahe ehrfürchtig vor unseren Kontoauszügen stehen. Wir sollten, so die Autoren, das Geld wie einen Freund sehen. Das mal da ist - und mal eben nicht. Dann sollte es auch mit dem kleinen Reichtum klappen.

Bestes Zitat: «In einer Welt voller dummer Überzeugungen ist Zweifel der Beginn der Weisheit.»

Titel: Auf Fehler programmiert - warum der Mensch irren muss
Autor: Michael Kaplan, Ellen Kaplan
Verlag: Rowohlt
Seiten: 397
Preis: 19,95 Euro
Verkaufsstart: bereits erschienen

jag/news.de

Leserkommentare (15) Jetzt Artikel kommentieren
  • RAGNAROEKR
  • Kommentar 15
  • 05.09.2011 17:06
Antwort auf Kommentar 12

Warum wollen Sie keine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Mit dieser sind doch alle zufrieden. Die Armen können auf die Reichen schimpfen und sagen, dass sie arm weil die Reichen reich sind. Ist doch gut.Was ist aber in Ihrer Einklassengesellschaft.Da haben Sie Dumme und Gescheite. Und welche Ausrede hat der Dumme in Ihrer schönen neuen Welt? Oder sollen dort auch die Unterschiede beseitigt werden? Das ist doch das sozialdemokratische Dilemma, dass der Aufsteiger reich bleiben will und sich nicht mehr um den Firlefanz des Gesellschaftsmodells kümmert.Erfolg schwächt die Sozis.Weg mit ihnen.

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  • Käsehoch3
  • Kommentar 14
  • 02.09.2011 22:26

Die Reichen bleiben reich=Käse hoch 3 . Ich war sehr reich und hatte mich irgendwann auf einer Bahnhofbank wieder gefunden. Bin froh das ich da wieder aus eigener Kraft weggekommen bin. So etwas geht schneller als es sich mensch einer denkt. Plötzlich Job weg, Haus weg. vermietete ETW auch. Scheidung, Kampf um die Kinder, Kontos leer geräumt...

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  • werner
  • Kommentar 13
  • 02.09.2011 21:05
Antwort auf Kommentar 11

aber sie gehören doch dann auch zu den wohlhabenden und sind sie traurig , den mußen sie was andern und das nächste mal zelten , ich bin auf den schiff oder auf den zeltplatz glücklich

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