Finanzkrise Länder, die keine Schulden kennen

Moschee in Brunei (Foto)
Ein Leben in Prunk und Pracht: Brunei kennt keine Staatsverschuldung. Das Land hat so viel Geld, dass seine Einwohner nicht einmal Steuern zahlen müssen. Bild: dpa

Von news.de-Volontärin Annika Einsle
Griechenland: fast pleite. Spanien: tief in der Kreide. Deutschland: hoch verschuldet. Doch nicht überall ist die Haushaltspolitik von den Banken abhängig. News.de hat Länder gefunden, die keine Kredite brauchen. Doch keine Schulden sind auch keine Lösung.

Im nordwestlichen Zipfel der indonesischen Insel Borneo liegt es: das Land, das keine Staatsverschuldung kennt. Brunei Darussalam heißt es, übersetzt ins Deutsche bedeutet Darussalam «Ort des Friedens». Und das muss es tatsächlich sein. Öffentliche Debatten über Finanzkrisen und Sparpakete kennt das Sultanat Brunei nicht. Im Jahr 2008 erwirtschaftete der kleine asiatische Staat sogar einen Haushaltsüberschuss von knapp 2,9 Milliarden US-Dollar.

Wie schafft es Brunei, finanziell so gut dazustehen? Sein Geheimnis liegt unter der Erde: Große Erdölvorkommen und Erdgasfelder bringen dem Land jährliche Einnahmen in Milliardenhöhe. Brunei hat so viel Geld, dass seine Einwohner nicht einmal Steuern zahlen müssen.

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Doch so weit in die Ferne müssen wir gar nicht blicken auf der Suche nach einem schuldenfreien Land. Auch Liechtenstein schreibt seit Jahren schwarze Zahlen. 2008 erwirtschaftete es ein Plus von 123 Millionen US-Dollar. Günstige Steuern, eine stark exportorientierte Industrie und eine schlanke Bürokratie sind der Schlüssel zum liechtensteinschen Erfolg. Außerdem hat das Land keine Armee, die in anderen Staaten einen Großteil des Vermögens auffrisst. «Liechtenstein ist eher wie eine Art Familienunternehmen», sagt Wirtschaftsexperte Klaus-Jürgen Gern zu news.de.

Deutschland ist nicht Liechtenstein

Gern ist Fachmann für internationale Konjunktur am Institut für Weltwirtschaft der Universität Kiel. Regelmäßig analysiert er die konjunkturellen Entwicklungen in der Welt. Er weiß: Auf Deutschland und viele andere Länder ließen sich die Konzepte der schuldenfreien Staaten nicht übertragen. «Wir haben weder ein Füllhorn aus irgendwelchen Rohstoffeinnahmen wie in einigen arabischen Ländern. Noch sind wir so klein, dass wir unseren Staat aus bestimmten Nischen unterhalten können, wie das zum Beispiel Macau tut.»

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Macau ist ein weiteres Land, das am Ende des Jahres eine schwarze Null ins Scheckbuch schreiben kann. Genau genommen ist es allerdings kein eigenständiger Staat, sondern eine Sonderverwaltungszone Chinas. 1999 ging die ehemalige portugiesische Kolonie an China, das sozialistische Wirtschaftssystem der Asiaten hat Macau jedoch nicht übernommen.

Der kleine Inselstaat hat sich vielmehr dem Glücksspiel verschrieben. Das Las Vegas Asiens zieht Touristen aus aller Welt an und scheffelt damit ordentlich Geld: Mehr als 70 Prozent des Staatshaushaltes werden über Steuereinnahmen aus der Glücksspielindustrie finanziert. Staatsverschuldung ist auch für die Macauer ein Fremdwort.

Keine Schulden sind auch keine Lösung

Dabei gibt es laut Gern gute Gründe, Staatsschulden zu machen. «Sie müssen nur im richtigen Verhältnis zu den investiven Ausgaben stehen und rentabel sein», sagt der Experte. Luxemburg zum Beispiel erwirtschaftet normalerweise Haushaltsüberschüsse. Davon kauft es jedoch Staatsanleihen verschuldeter Länder und wirtschaftet damit selbst ins Minus - zumindest auf dem Papier. Denn das Geld ist nicht weg, sondern nur woanders. Zahlen die beliehenen Staaten ihre Kredite plus Zinsen zurück, bekommt Luxemburg sogar noch etwas oben drauf.

Außerdem sind verschuldete Länder wie Deutschland, die Staatsanleihen herausgeben und dafür Kredite bekommen, ein wichtiger Bestandteil des Finanzkreislaufs. Gern erklärt, warum: «Staatsanleihen werden, sofern die Staatsschuld nicht zu hoch wird, als sichere Anlage angesehen und sind für Privatanleger geeignet, ihre Ersparnisse sicher zu parken.» Wäre ein Staat schuldenfrei, gäbe es auch keine Staatsanleihen mehr. Die private Wirtschaft möchte aber nicht vollständig auf private Anlagen angewiesen sein und greift deshalb gern auf staatliche Papiere zurück, da das Risiko eines Zahlungsausfalls hier sehr gering ist. «Es ist also gar nicht das Ziel eines Staates, schuldenfrei zu sein», sagt Gern.

Sparen für schlechte Zeiten

Das zeigt auch ein weiteres Beispiel: Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) haben einen aktuellen Schuldenstand von 122,7 Milliarden US-Dollar. Im Abu Dhabi Investment Authority (ADIA) Staatsfonds liegen allerdings geschätzte 625 Milliarden US-Dollar, die aus dem äußerst lukrativen Erdölgeschäft des Staatenbundes kommen. «Einzelne ölexportierende Länder haben einen Großteil ihres Vermögens in Fonds ausgelagert», sagt Ferdinand Fichtner vom Deutschen Institut für Wirtschaft zu news.de. Verrechne man dieses Vermögen mit dem Schuldenstand der Länder, dann ergebe sich am Ende ein dickes Plus.

Die VAE könnten die Einnahmen aus dem Ölgeschäft also direkt in die Tilgung ihrer Schulden stecken. Sie haben aber einen anderen Weg gewählt. Denn so kurzfristig möchte man nicht denken: Irgendwann geht das schwarze Gold zur Neige und die Gewinne bleiben aus. Für die Länder sähe es dann nicht sehr gut aus. Der Fonds soll den finanziellen Absturz verhindern: Er unterstützt innovative Technologien und hilft bei der Ansiedlung von Industriebetrieben - um den Emiraten auch langfristig einen guten wirtschaftlichen Ausgangspunkt zu verschaffen. 

kra/news.de

Leserkommentare (8) Jetzt Artikel kommentieren
  • loddel
  • Kommentar 8
  • 06.09.2011 15:21
Antwort auf Kommentar 5

Der wirklich geniale Loddel empfiehlt dem wortgewandten, aber etwas starren ER Literatur der frühkindlichen Hirnforschung. Der IQ hängt zum weitaus größten Teil von Bildungvoraussetzungen ab und zwar nicht erst ab Schulbeginn sondern ab Geburt. Nie lernt der Mensch am effektivsten als in den ersten 6 Lebensjahren. Dies zeigt sich am deutlichsten bei Kindern, die mehrsprachig aufwachsen. Also ein klarer Pluspunkt für Multi-Kulti.

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  • RAGNAROEKR
  • Kommentar 7
  • 23.08.2011 12:25
Antwort auf Kommentar 6

R gehört nicht zur Klasse der Intelligenten, sondern zur Oberschicht der Genialen. Im Übrigen gilt: Beide Volksparteien haben einen falschen Begriffshof von "Mitte". Die sog. Mitte leidet unter einen rapiden Schrumpfkurs. Da hat K 3 völlig recht. Nur hat das dumpfe Vegetieren der Unterschichtler und Niedrigleister nichts mit Intelligenz zu tun. Leider wieder so ein Zustand, der durch Politikversagen unterstützt wird. Leistung einfordern, Nichtleistung bestrafen. Niedrigleister ausgrenzen.

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  • Peter Pan
  • Kommentar 6
  • 23.08.2011 11:04
Antwort auf Kommentar 5

@RAGNAROEKR: Dafür, daß Sie nicht zur Klasse der Intelligenten gehören, ist Ihr Beitrag gar nicht so schlecht. Falsch ist der letzte Satz im Kommentar 3! Richtig wäre: Die Zwei-Klassen-Gesellschaft blüht: Intelligente und Dumme - das christlichdemokratische Credo ist der Niedergang von Deutschland.

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