Kritik im Büro So feedbacken Sie fair

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Dem Kollegen ein professionelles Feedback zu geben ohne ihn zu kränken ist nicht leicht.  Schnell klingen die gutgemeinten Hinweise anklagend, vorwurfsvoll oder abschätzig. Bild: Istock

Corina BroßmannVon news.de-Redakteurin
Mussten Sie auch schon Ihren Büronachbarn, Angestellten oder Geschäftspartner bewerten? Damit Ihr Feedback zu einer echten Chance für den einzuschätzenden Kollegen wird, sollten Sie vier einfache Regeln befolgen. 

Gelungenes Feedback ist durchaus wertvoll. Denn Selbstbild und Fremdbild abzugleichen, kann bei der Selbsteinschätzung wegweisend sein. Doch eben nur, wenn konstruktiv kritisiert und professionell gelobt wird.

Betonen Sie Ihre Subjektivität. Jedes Feedback ist von Natur aus subjektiv. Wie jemand auf uns wirkt, ist nicht verallgemeinerbar. Was der eine als kreativ und sozial kompetent erlebt, ist für den anderen zu emotional. Was für den einen wie Schneckentempo wirkt, ist für den anderen Gewissenhaftigkeit.

Diese Subjektivität muss auch in den Formulierungen zum Ausdruck kommen: Verwenden Sie deshalb Ich-Botschaften wie «Ich finde...». «Meiner Meinung nach...», «Ich habe beobachtet...», «Auf mich hat das ... gewirkt!» So weiß der Empfänger Ihrer Einschätzung, dass Sie nur aus Ihrer Sicht schildern und ihn nicht allgemeingültig beurteilen oder verurteilen. Du-Botschaften klingen dagegen immer vorwurfsvoll, anklagend und oberlehrerhaft. Das kränkt schnell und kann zum Abblocken jeglicher weiterer Kritik führen.

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Seien Sie konstruktiv. Das ideale Rückmeldung an den Kollegen ist unterstützend und lädt ein, an Schwachstellen zu arbeiten. Es darf nicht zurechtweisend erscheinen. Der Feedback-Empfänger soll etwas über sich erkennen, was er vielleicht noch nicht wusste, weil es sich im sogenannten «blinden Fleck» der Selbstwahrnehmung befindet, und an dem er in seiner bewussten Entwicklung ansetzen kann.

Sie müssen aber nicht gezwungen spezielle, möglichst nie gehörte Hinweise geben. Wenn jemand offensichtlich schüchtern ist, muss das nicht als bekannt vorausgesetzt werden und der Punkt unerwähnt bleiben, um nicht mit zu Offensichtlichem zu kritisieren. Sprechen Sie ruhig auch Altbekanntes an. Der Eingeschätzte braucht ein vollständiges Bild. Schonung bringt keinen weiter, sondern fördert Wahrnehmensverzerrung.

Geben Sie nur nützliche und konkrete Informationen. Keiner kann etwas damit anfangen, wenn verallgemeinernd kritisiert wird, er wäre während einer Präsentation unsicher gewesen. Die entscheidende Frage ist schließlich, wodurch dieser Eindruck entstand. Nur dann kann der Feedback-Empfänger sofort etwas an seinem Verhalten ändern.

Beschreiben Sie also genau, was wie und warum auf sie gewirkt hat. Zum Beispiel: «Für meinen Geschmack hast du sehr leise gesprochen und oft auf den Boden geschaut. Das hat auf mich unsicher gewirkt.» Feedbacken Sie immer möglichst konkret und auf das Verhalten bezogen. Interpretieren, bewerten und mögliche Motive unterstellen hingegen geht einen Schritt zu weit und ist unbegründet subjektiv.

Motivieren Sie. Die Bewertung sollte immer Positives und Negatives ansprechen. Bemühen Sie sich, lobenswertes Verhalten nicht als selbstverständlich anzusehen. Schnell geht der Blick für wünschenswerte Entwicklungen verloren, wenn man auf der Suche nach Punkten ist, an denen gearbeitet werden sollte. Erfährt der Betroffene aber etwas darüber, was er beibehalten kann und was andere an ihm schätzen, ist es leichter, sich zu motivieren und angesprochene Schwachstellen anzugehen.

Lesetipp: Wie sehen mich die anderen - Der erste Eindruck zählt, Heidrun Vössing, Cornelsen, 94 Seiten, 6,95 Euro.

ham/rzf/news.de

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