Von news.de-Volontär Ronny Janke - 29.06.2011, 07.31 Uhr

Sportler-Gehälter: Gegen Klose ist Prinz bettelarm

Die DFB-Frauen gewinnen fast alles, was es zu gewinnen gibt. Dennoch bekommen sie keine Millionenbeträge wie Schweinsteiger & Co., sondern eher so viel wie ein Arzt. Warum ist das so? Und vor allem: Ist das gerecht?

Fifa Frauen-WM 2011

Erster Platz, vielleicht noch einen Weltrekord aufstellen, jede Menge Ruhm und noch mehr Gehalt bekommen als vorher: So ungefähr stellen wir uns das Leben eines Sportlers vor. Das der Sportlerinnen sieht natürlich genauso aus, denken wir. Doch weit gefehlt. Auch wenn sich Frauen im Sport ähnlich gut schlagen, bekommen sie zum Teil deutlich weniger Gehalt als ihre männlichen Kollegen. Das fängt beim Fußball an und hört beim Boxen auf.

Kulig bekommt nur 5000 Euro brutto

Obwohl die Frauen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft 2003 und 2007 den Weltmeistertitel nach Deutschland geholt haben, verdienen die Spielerinnen noch heute deutlich weniger als Schweinsteiger & Co. Während sich der Mittelfeldspieler über ein Jahreseinkommen von mehr als 13 Millionen Euro freuen darf, kratzt Kim Kulig, Schweinsteigers weibliches Pendant bei den Frauen, pro Jahr gerade mal an der 60.000-Euro-Grenze.

Nicht anders sieht es bei Kuligs Kollegin, Birgit Prinz, aus: Diese stürmt zwar genauso motiviert in Richtung gegnerisches Tor wie Miroslav Klose, verdient aber im Jahr nur 130.000 Euro. Immerhin hat sie sich damit schon zu einer der besserverdienenden Spielerinnen hochgearbeitet. 2006 lag Prinz' Jahreseinkommen noch bei etwa 96.000 Euro. Auch hier kassieren die Männer wieder mehr, wie Kloses Jahresgehalt zeigt: Etwa sieben Millionen Euro landen jährlich auf seinem Konto.

Die Zahlen beruhen auf Schätzungen. Wie viel die Sportler ihrem Verein tatsächlich wert sind, bleibt ein Geheimnis. Genauso wie die hohen Gagen, die Sportler zusätzlich bekommen, wenn sie neben dem Sport noch Werbung machen. Mesut Özil etwa, Mittelfeldspieler im DFB-Team der Männer, hat im vergangenen Jahr geschätzte sechs Millionen Euro verdient. Mit verantwortlich dafür sind auch Nutella und Nike - zwei Marken, für die Özil wirbt.

Unterschiede im Tennis und Boxen

Auch beim Tennis sind die Verdienstunterschiede zwischen Männern und Frauen eklatant: Während sich Roger Federer jährlich etwa 30 Millionen Euro durch Preisgelder und Werbung erwirtschaftet, verdient Serena Williams nur knapp acht Millionen Euro im Jahr.

Sogar im Box-Geschäft klafft ein tiefes Loch zwischen dem, was Männer und Frauen verdienen. Zu Beginn ihrer Karriere bekam Regina Halmich ein Bruttogehalt von 3500 Euro. Obwohl Halmich dem Frauenboxen einen deutlichen Popularitätsschub versetzt hat, kann davon ausgegangen werden, dass sie keine Millionenbeträge erboxt hat. Anders Vitali und Wladimir Klitschko: Jeder der beiden Brüder verdient durch Boxkämpfe, gewonnene Siegprämien und zusätzliche Werbeinnahmen jedes Jahr etwa zwei Millionen Euro. Nach dem Ende ihrer Karriere setzt Halmich immerhin auf ihre Popularität und versucht, im Fernsehgeschäft Fuß zu fassen. Für Kabel Eins moderierte sie 2010 und 2011 die Abnehm-Show The Biggest Loser.

FOTOS: Gehälter-Vergleich Mann muss man sein

Doch egal ob Regina Halmich, Boris Becker, Steffi Graf oder die Schwimmerin Franziska van Almsick: Sie alle zeigen, dass sich auch neben und nach dem Sportlerleben noch Geld verdienen lässt. Erfolge im Sport und die so gewonnene Bekanntheit machen die Prominenten als Werbefiguren interessant. Sollte man zumindest meinen. Obwohl das für viele Sportarten gilt, ist es beim Frauenfußball anders.

Aber warum ist das so? Weil sich die verschiedenen Frauensportarten, nicht nur der Fußball, noch nicht ausreichend etabliert haben und so kaum Einschaltquoten erzielen, interessiert sich die Wirtschaft kaum dafür. Die Folgen: Es fehlt an Werbepartnern und die Siegprämien fallen geringer aus als bei den Wettkämpfen der Männer.

Das alles könnte sich jetzt ändern - zumindest für die Spielerinnen der deutschen Nationalmannschaft: Das Eröffnungsspiel Deutschland gegen Kanada verfolgten mehr als 14 Millionen Zuschauer. Ein deutliches Signal also an die Wirtschaft, die nicht leugnen kann, dass die Gesellschaft Frauenfußball ernst nimmt. Birgit Prinz und Co. können sich, abgesehen von sportlichen Erfolgen, also vielleicht auch bald über mehr Geld auf ihren Konten freuen. Verdient haben sie es allemal.

 

phs/news.de

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