Griechenland-Rettung Ein Olivenfass ohne Boden

Griechenland braucht Hilfe (Foto)
Nachschub muss her: Bekommt Griechenland bis Mitte Juli kein neues Geld, ist es pleite. Bild: dpa

Von news.de-Volontärin Annika Einsle
Seit April 2010 weiß es die ganze Welt: Griechenland steht kurz vor dem Bankrott. Seither kämpft die EU um die Rettung des Landes und schnürt immer neue Hilfspakete. News.de schlüsselt auf, wie viele Milliarden bereits geflossen sind - und wie viele noch folgen.

Wie funktioniert der IWF?

Seit mehr als einem Jahr gilt Griechenland als schwer kranker Patient der Eurozone. Immer neue Finanzspritzen sollen dem Land auf die Sprünge helfen. Doch die drohende Staatspleite ist noch längst nicht abgewendet. Schlimmer noch: Griechenland wird zum Fass ohne Boden. Die finanziellen Hilfen betragen schon jetzt «ein Vielfaches dessen, was ein normaler Staatsbankrott in anderen Fällen gekostet hat», sagte Volkswirt Charles Blankart kürzlich im Interview mit news.de. Wie viel Geld fließt jetzt eigentlich? News.de hat die Kosten aufgeschlüsselt.

Erste Nothilfe: 45 Milliarden Euro

Griechenlands Ministerpräsident Giorgos Papandreou war im April 2010 der erste Staatschef Europas, der die Schuldenkrise seines Landes eingestand. Der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Euroländer entschlossen sich daraufhin, dem Land mit 45 Milliarden Euro unter die Arme zu greifen. 30 Milliarden Euro gab es als Kredite von der EU, 15 Milliarden Euro steuerte der IWF bei.

Schuldenkrise
Der Euro in Not
Zwar haben Bundestag und Bundesrat am 29. Juni 2012 den ESM zur Euro-Rettung gebilligt, doch reichten die Linke, der CSU-Abgeordnete Gauweiler und eine Bürgerinitiative Klagen vor dem Bundesverfassungsgericht ein. (Foto) Zur Fotostrecke

Regierungsangaben zufolge betrug allein der deutsche Anteil 8,4 Milliarden Euro. Er kam von der staatlichen Förderbank KfW, der Kreditanstalt für Wiederaufbau. Als Bürge trat der Bund ein. Doch schnell wurde klar: Diese Mini-Finanzspritze reichte vorn und hinten nicht. Der Patient brauchte mehr Geld.

Hilfspaket I: 110 Milliarden Euro

Einen Monat später beschlossen die 16 Euro-Finanzminister deshalb ein weitaus größeres Hilfspaket. Aus den anfänglich 45 Milliarden Euro, die Griechenland 2010 erhalten hat, wurden 110 Milliarden Euro, aufgeteilt auf drei Jahre. Der IWF verdoppelte seinen Anteil auf 30 Milliarden Euro, 80 Milliarden kommen nun insgesamt von den Eurostaaten. Die Bundesrepublik beteiligt sich mit insgesamt 22,4 Milliarden Euro.

Die deutsche KfW kündigte an, zu den bisherigen 8,4 Milliarden Euro 2011 weitere sieben bis acht Milliarden Euro an Griechenland zu überweisen. Auch dafür bürgt der deutsche Staat.

Da es sich bei den Zuschüssen um Kredite handelt, bekommt Griechenland das Geld nicht geschenkt, sondern muss es irgendwann mit Zinsen zurückzahlen. Schaffen es die Hellenen, den Kredit plus fünf Prozent Zinsen zurückzuzahlen, ist das für Deutschland ein gutes Geschäft. Schaffen sie es nicht, dann bleiben die Kosten am deutschen Steuerzahler hängen.

Die Hälfte des Geldes ist bislang Richtung Griechenland geflossen, die nächste Kredittranche von 12 Milliarden Euro ist demnächst fällig. Laut KfW beträgt Deutschlands Anteil daran 5,05 Milliarden Euro. Damit stemmt die Bundesrepublik mehr als die Hälfte der 8,7 Milliarden Euro von der EU.

Ohne Moos nix los
Die größten Staatspleiten
Staatspleiten (Foto) Zur Fotostrecke

Die Genehmigung der fünften Tranche war an die Zustimmung des Parlaments zum Sparpaket Papandreous geknüpft. Es sieht Einsparungen in Höhe von 78 Milliarden Euro vor. 50 Milliarden Euro durch den Verkauf von Staatsbesitz, die restlichen 28 Milliarden Euro durch Einsparungen im öffentlichen Leben, die vor allem die Bevölkerung betreffen und deshalb immer wieder wütend auf die Straße treiben.

Hilfspaket II: bis zu 120 Milliarden Euro

Bereits jetzt ist absehbar, dass auch die 110 Milliarden Euro nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sind. Griechenland braucht noch mehr Geld. Das zweite Hilfspaket wurde deshalb beschlossen: Dafür sollen ab 2012 weitere Milliarden fließen, von bis zu 120 Milliarden Euro ist die Rede. Das Geld gibt es als Kredite über den temporären Rettungsschirm EFSF (Europäische Finanzstabilitätsfaszilität) abgewickelt. Er nimmt sie am Finanzmarkt auf, die EU-Staaten bürgen.

Die EFSF ist während der Griechenlandkrise im Mai 2010 ins Leben gerufen worden und hat ein Volumen von 440 Milliarden Euro, das auch für andere Euroländer mit finanziellen Schwierigkeiten bereit steht. Irland und Portugal bezogen bereits Hilfskredite aus dem Fonds. Deutschland hält mit 211 Milliarden Euro einen Löwenanteil an der Beteiligung.

Der Rettungsschirm ermöglicht es Schuldenländern, trotz herabgesetzter Kreditwürdigkeit Kredite zu günstigeren Konditionen als am übrigen Finanzmarkt zu bekommen, da hinter ihm finanzstarke Länder wie Deutschland oder Frankreich stehen.

Ab 2013 soll die EFSF in den ständigen Krisenfonds ESM (Europäischer Stabilitätsmechanismus) übergehen, sein Budget wird dann von 440 Milliarden Euro auf 780 Milliarden Euro aufgestockt. Auch die Banken haben sich nach zähen Verhandlungen bereit erklärt, einen Anteil von 3,2 Milliarden Euro am zweiten Hilfspaket zu tragen. Um ihn zu füllen, überweisen die Euroländer Geld auf ein Konto, das die Europäische Kommission bei der Europäischen Zentralbank (EZB) eingerichtet hat. Gerät ein Land in Schieflage, kann es Hilfen aus dem ESM beantragen und die Auszahlung bei der EZB veranlassen.

Im Unterschied zum EFSF sollen beim ESM aber neben den Kreditgarantien erstmals auch Bareinlagen gezahlt werden. Das heißt, nicht die KfW, sondern die Bundesrepublik zahlt in den Fonds ein. Bis zu 80 Milliarden Euro sind dafür vorgesehen, Deutschlands Anteil betrüge 22 Milliarden Euro an Bareinlagen und 168 Milliarden Euro an Garantien. Im Extremfall wird der Bundeshaushalt also mit rund 190 Milliarden Euro belastet - das wären 2317 Euro pro Kopf der Bevölkerung. Wie viel Geld im Falle Griechenlands tatsächlich fließen wird, ist bislang noch nicht absehbar.

che/news.de/dpa

Leserkommentare (15) Jetzt Artikel kommentieren
  • Nichtwähler
  • Kommentar 15
  • 09.07.2011 14:24

Es pfeift von allen Dächern Für heut´ die Arbeit aus Es ruhen die Maschinen Wir gehen müd nach Haus Daheim ist Not und Elend Das ist der Arbeit Lohn Geduld, verratne Brüder Schon wanket Judas Thron

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  • oliver
  • Kommentar 14
  • 07.07.2011 14:46

Auf zurück auf www.bundestag.de und Petition 18123 unterzeichen. Im nächsten Schritt sollte allerdings eine Partei aufgebaut werden, die mir angenehmer erscheint als die 68iger Einheitsbrei. Da sind so viele Kröten die man als Deutscher zu schlucken hat, ich denke damit könnte man eine Partei auf Jahrzehnte füttern.

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  • boxerhandschuh
  • Kommentar 13
  • 07.07.2011 11:56
Antwort auf Kommentar 12

Absolut richtig! Amtseide beinhalten, für das Wohl des deutschen Volkes zu sorgen.Das war wohl gestern.Jetzt wird für das Wohl der Warmwasserländer gesorgt, die Deutschen brauchen nur noch zu zahlen, vor allem ihre Kinder und Enkelkinder.Manche Politiker haben keine, da ist das eben kein Problem.Das Gesundheitssystem, die Bildungseinrichtungen, die Verkehrsinfrastruktur(von den Schlaglöchern auf den Straßen reden wir schon gar nicht mehr)und die Energieversorgung der Zukunft erfordern schon alle Steuereinnahmen.Vor der Wahl Steuererleichterungen, danach Steuererhöhungen, so wird es kommen.

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