Staatsbankrott Das passiert, wenn Griechenland pleite geht

Ohne Moos nix los
Die größten Staatspleiten

Von news.de-Volontärin Annika Einsle
Griechenland steckt in der Misere: Das Land ist hoch verschuldet und steht kurz vor der Pleite. Doch was genau heißt das? News.de hat mit einem Volkswirt gesprochen, der erklärt: Ein Staatsbankrott ist noch das kleinste Übel.

Ab wann sind Staaten pleite?

Charles Blankart: Ein Staat ist pleite, wenn er seine Rechnungen nicht mehr zahlen kann - seien es die Zinsen für Staatsanleihen oder andere Rechnungen, die irgendwo aufgelaufen sind. Und weil jeder Gläubiger weiß, dass er das Geld nicht zurückbekommt, steigen die Zinsen ins Unendliche, so dass der Staat auch keine neuen Kredite mehr aufnehmen kann.

Worin unterscheidet sich ein Unternehmensbankrott von einem Staatsbankrott?

Blankart: Unternehmen kann man in Teile zerlegen und verkaufen. Sie existieren dann nicht mehr. Ein Staat lässt sich aber nicht zerschlagen, teilen und verkaufen, weil ja auch Menschen darin leben. Es muss immer noch Schulen geben und öffentliche Dienstleistungen müssen bereitgestellt werden. Dieser Teil des Staatsvermögens, das sogenannte Verwaltungsvermögen, ist unkündbar. Das Finanzvermögen, also alles, was der Staat noch an Aktien, Wertpapieren oder Grundstücken hat, kann hingegen verkauft werden. Ein Staat wird nach einer Pleite aber niemals aufhören zu existieren.

Wie geht es nach der Pleite weiter?

Blankart: Als erstes wird man versuchen herauszufinden, was man an Finanzvermögen verkaufen kann. Wenn dieses Vermögen aufgebracht ist, muss man mit den Gläubigern zusammenkommen und besprechen, wie die Schulden reduziert werden können. Da der Staat die Kredite nicht mehr bezahlen kann, bleibt den Gläubigern nichts anderes übrig, als auf einen Teil ihrer Kredite zu verzichten. Das ist der sogenannte Haarschnitt.

Was passiert mit dem großen Schuldenberg?

Blankart: Der Schuldenberg wird gekürzt. Man muss dann realistisch sein und überlegen, wie viel der Staat noch schaffen kann, und auf diesen Betrag wird der Schuldenberg gekürzt. Die Zeit nach dem Haarschnitt wird für den Staat eine sehr schwierige werden. Da er seine Schulden nicht zurückzahlen kann, wird ihm auch niemand neue Kredite geben.

Staatsbankrotte hat es in der Geschichte immer wieder gegeben. Auch Deutschland war bereits acht mal bankrott. Wodurch unterscheiden sich bisherige Pleiten von der aktuellen Situation in Griechenland?

Blankart: Da Griechenland in der europäischen Währungsunion ist, kann es zwar einen Staatsbankrott anmelden, die Währung aber nicht gleichzeitig abwerten, wie das beispielsweise in Argentinien der Fall war. Argentinien hat 2002 den Staatsbankrott erklärt, seine Schulden nicht zurückgezahlt und seine Währung abgewertet. Durch diese Abwertung wurde das Land wieder wettbewerbsfähig, konnte besser exportieren und der Staat konnte sich sanieren. Das ist in Griechenland aber unmöglich, weil das Land derzeit nicht aus dem Euroverbund austreten kann oder will.

Also ist Griechenland in einer nie dagewesenen Notlage?

Die Situation Griechenlands lässt sich eher mit der einzelner Staaten in den USA vergleichen. Vor etwa 35 Jahren ist New York pleite gegangen, im vergangenen Jahr war Kalifornien praktisch staatsbankrott, und auch Illinois ist derzeit am Rande des finanziellen Ruins. In den USA werden solche Pleiten aber mit ziemlicher Leichtigkeit gehandhabt, man lässt den Staatsbankrott zu. Es ist dort niemals der Fall gewesen, dass die Zentralregierung in Washington diesen Staaten Geld zugeschoben hätte, wie das die Europäische Union mit Griechenland, Portugal und Irland tut. Dadurch wird das Problem in der EU aber nur hinausgeschoben und immer größer.

Schuldenkrise
Der Euro in Not

Warum kämpfen die Eurostaaten so vehement für die Rettung Griechenlands?

Blankart: Weil sie meinen, dass einige Banken pleite gehen könnten, wenn die Gläubiger ihre Kredite verlieren. Das ist vielleicht auch der Fall, aber Banken gehen immer wieder pleite, das ist nichts Besonderes. Die Banken wissen ja auch schon seit mehr als einem Jahr, dass die Situation kritisch ist und wenn sie sich darauf einstellen, dann kann auch nicht allzu viel passieren. Das sieht man ja auch am Beispiel der USA: Verschiedene Staaten sind pleite gegangen, der Dollar ist dadurch aber überhaupt nicht in Schwierigkeiten geraten.

Das heißt, es wäre gar nicht so schlimm, wenn Griechenland den Staatsbankrott vermeldet?

Blankart: Es ist alles schlimm, aber von den verschiedenen schlimmen Varianten, die passieren können, ist der Staatsbankrott wahrscheinlich noch die beste. Wesentlich schlimmer ist, dass man immer mehr Geld nachschiebt und die Summe für die Bereinigung des Staatsbankrotts immer größer wird. Sie beträgt jetzt schon ein Vielfaches dessen, was ein normaler Staatsbankrott in anderen Fällen gekostet hat. So entsteht die Gefahr, dass die Länder, die jetzt Geld geben, selbst in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Damit könnte nicht nur ein Teil der Eurostaaten pleite gehen, sondern alle zusammen.

Wie würde sich eine Staatspleite auf die Bevölkerung Griechenlands und das öffentliche Leben auswirken?

Blankart: Die Griechen waren früher sehr arm. Seit sie 2004 den Euro bekamen, sind sie immer mehr von ihrem erwirtschafteten Konsumniveau nach oben abgewichen. Das heißt, sie haben mehr konsumiert als produziert. Der Weg zur Rückkehr zu einem ausgeglichenen Konsumniveau ist jetzt natürlich sehr weit und damit auch sehr schmerzhaft. Intern gibt es derzeit die Auflage, die Löhne so weit zu senken, dass Griechenland wieder wettbewerbsfähig wird, sich international behaupten kann und der Staat dadurch wieder zu Geld kommt. Die Griechen werden auf vieles, was sie gewohnt sind, künftig verzichten müssen. Viele Leute werden arm werden.

Glauben Sie, dass Griechenland eine reale Chance hat, den Staatsbankrott abzuwenden?

Blankart: Vielleicht geht das Land nicht jetzt pleite, aber ich kann mir vorstellen, dass sie es in zwei Jahren tun. Wenn noch mehr Gelder bezahlt werden müssen, wird irgendwann der Punkt kommen, an dem die europäischen Staaten sagen, dass sie nicht mehr bezahlen wollen.

Charles Beat Blankart, Jahrgang 1942, ist ein Schweizer Volkswirtschaftler. Er lehrte unter anderem an der Freien Universität Berlin, an der Universität der Bundeswehr München und an der Technischen Universität. Von 1992 bis 2010 leitete er das Institut für Öffentliche Finanzen an der Humboldt-Universität in Berlin. Zu seinen Forschungsgebieten gehören insbesondere öffentliche Finanzen, Neue Politische Ökonomie und Föderalismus.

che/news.de

Leserkommentare (88) Jetzt Artikel kommentieren
  • Hans Meyer
  • Kommentar 88
  • 14.11.2012 14:47

Es ist ja wirklich die Frage, wie viel muss noch nachgeschoben werden? Wenn man überlegt das Deutschland mit etwa 25% der Summe alleine da steht, dann kann man doch verstehen, das darüber mehr nachgedacht wird.Wenn jedes EU Land den selben Anteil zaheln müsste, wäre Griechenland doch schon längst pleite. Ich denke auch das viele Griechen den Euro nicht haben wollen, das zum Thema Demokratie. Werden genau so wenig gefragt wie alle Anderen.

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  • Wolfgang
  • Kommentar 87
  • 28.10.2012 21:38

Über 2 Billionen Schulden in Deutschland ... über 16 Billionen Schulden in den USA ... fast jeder Staat hat irrsinnig viele Schulden ... Griechenland wird 100 %ig bankrott gehen ... dann kommt Spanien ... usw. ... wer heute noch glaubt, dies alles könnte man in den Griff bekommen ist nichts anderes als ein Träumer !!! Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das gesamte Wirtschaftssystem zusammenbricht. Dann werden Bürgerkriege ... Revolutionen ... Hunger und Armut in ungeheurem Ausmass auf uns zukommen ... Sie glauben dies nicht ? Ich verlange dies ja auch nicht von Ihnen ... warten Sie einfach ab

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  • zhna
  • Kommentar 86
  • 10.08.2012 09:14

griecheland geht pleite das ist sicher,die lohne sind auf 400 euro gekommen.die preise sind gestigen .die griechen konnen nicht mehr leben.die regierung bezahlt nur das wichtigste(damit kein auftand kommt)die doktorn in krankenheuser werden schon seit 7 monate nicht bezahlt und sehr viele andere amten.leider wurden die rentenvesicherung (die das folk eingezahlt hat fur die renten)in aktzionen umgetauscht (haben von der krankevesicherung ungefar 70%verlohren ohne es zu wissen)es kibt keine medikamente,(die apotheken streiken (wurden nicht vom ataht bezahlt)kranenhauser haben nichtmal das wichti

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