Deutsche Bank «Der schlimmste Übeltäter»

Betrügereien im großen Stil: US-Generalstaatsanwälte ermitteln zu den Hypothekengeschäften, die 2008 das globale Finanzsystem fast zum Kollabieren brachten. Die Deutsche Bank soll dabei eine zentrale Rolle gespielt haben.

Josef Ackermann nimmt die Ermittlungend der US-Staatsanwälte ernst (Foto)
Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank, erwartet einen Rekordgewinn von zehn Milliarden Euro in diesem Jahr. Jetzt drohen Schadensersatzforderungen aus den USA. Bild: dapd

Die Deutsche Bank kämpft an immer mehr Fronten in den USA: Staatsanwälte in New York City werfen der Deutschen Bank Betrügereien bei Kreditbürgschaften vor, Ankläger in Los Angeles bezichtigen sie rüder Methoden bei Zwangsräumungen. Ein Untersuchungsausschuss des Senats hatte der Bank vorgeworfen, mit seinem Verhalten die Finanzkrise befeuert zu haben.

Staatsanwälte wollen Informationen zu Hypothekengeschäften

 Die Deutsche Bank weist die erhobenen Vorwürfe zurück. «Wir halten die gegen uns in den USA erhobenen Klagen für unbegründet, gleichwohl nehmen wir sie sehr ernst», hatte Vorstandschef Josef Ackermann Anfang Mai gesagt. «Die Bank hat ihre Lehren aus der Finanzkrise gezogen. Ich selbst betone seit Jahren, dass kein Geschäft es wert ist, den guten Ruf der Deutschen Bank aufs Spiel zu setzen.»

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Die «New York Times» berichtete in ihrer Montagausgabe von einer neuen Front, die sich für die Deutsche Bank auftut: Demnach verlangen die Generalstaatsanwälte der Bundesstaaten New York und Delaware von dem Institut Informationen über bestimmte Hypothekengeschäfte. Die Ermittlungen kreisen darum, ob diese Geschäfte sauber dokumentiert wurden und damit rechtskräftig sind.

Sollte dies nicht der Fall sein, drohten kostspielige Rechtsstreitigkeiten, warnte die Zeitung. Geprellte Investoren könnten Wiedergutmachung verlangen. Gerade in den USA und noch dazu in der Finanzbranche erreichen Schadenersatz-Summen schnell einen dreistelligen Millionenbetrag oder gehen sogar in die Milliarden. Ein Sprecher der Deutschen Bank in Frankfurt wollte den Bericht auf Anfrage nicht kommentieren.

Konkret geht es um die Rolle der Deutschen Bank als sogenannter Trustee. Dieser Treuhänder kommt in den USA immer dann ins Spiel, wenn Banken etliche kleine Hauskredite zu großen Paketen bündeln und an Investoren weiterverkaufen. Der Trustee hat dafür zu sorgen, dass alle Unterlagen stimmen und dass die Investoren letztlich ihr Geld von den Kreditnehmern erhalten.

Aufarbeitung der Finanzkrise nimmt Fahrt auf

Die Deutsche Bank ist neben der Bank of New York Mellon einer der größten Spieler auf diesem Markt, der zwar keine riesigen Profite, aber dafür stabile Einnahmen verspricht. Auch die Bank of New York Mellon ist nach Angaben der «New York Times» von den Staatsanwälten kontaktiert worden. Bislang stand das eher dröge Verwaltungsgeschäft der Trustees nicht im Fokus der Ermittler.

In den USA läuft die juristische Aufarbeitung der Finanzkrise jetzt erst richtig an. Die Bündelung und der Weiterverkauf von Eigenheim-Krediten in den Vereinigten Staaten hatte den Grundstein für die Beinahe-Katastrophe gelegt. Weil viele US-Hausbesitzer ihre Raten ab dem Jahr 2007 nicht mehr zahlen konnten, ging zahlreichen Investoren rund um den Globus am Ende das Geld aus. Das gesamte Finanzsystem drohte zu kollabieren, was nur das massive Eingreifen von Staatsseite verhinderte. In jüngerer Zeit sorgten zudem unrechtmäßige Hauspfändungen für Aufruhr.

Die Finanzmarktregulierer, Staatsanwälte und Politiker hatten sich bislang vor allem die US-Investmentbank Goldman Sachs vorgeknöpft, um die Verfehlungen der Finanzbranche aufzuzeigen. Nun scheint es, als sei die Deutsche Bank an diese Stelle gerückt. Die Deutsche Bank sei zwar nicht das einzige Kreditinstitut, das gegen das Gesetz verstoße, hatte die Staatsanwaltschaft von Los Angeles erklärt. «Sie ist aber der schlimmste und am wenigsten zugängliche Übeltäter.»

cvd/news.de/dpa

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Leserkommentare (3) Jetzt Artikel kommentieren
  • Camelion
  • Kommentar 3
  • 14.06.2011 11:40

wer heute noch den Banken oder der Politik traut ist selber Schuld. In den USA können zumindestens Betroffene noch entschädigt werden. Hier ist sowas undenkbar - erst Recht nicht in diesen Dimensionen. Wer sich mit unserem Finazsystensystem wirklich mal intensiv beschäftigt muss erkennen dass hier die Banker, allen voran Herr Ackermann, mit unserer Politik beim Kaffeeklatsch die Gewinnmaximierung und Haftungsausschluß so weit wie möglich immer durchsetzt. Die BRD ist eine Wirtschafts- und Verwaltungseinheit , siehe GG, somit dürfte alles erklärt sein.

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  • Rudolf Micknass
  • Kommentar 2
  • 14.06.2011 04:20

Vor einigen Jahren las ich,dass die Volksbanken am Anfang drei Prozent Zinsen zahlten und vier Prozent nahmen und da- mals im Handbetrieb ohne Computer,aber auch ohne Edelholz, Marmor oder Granit und ohne "edelmuetige" Sponsorentaetigkeit. Was jetzt laeuft bei der Deutschen Bank als bekannteste und praktisch bei allen anderen,waere bei unserem "seeligen" Groefaz Adolf zumindest wegen Wucher und Schaedigung der Volkswirtschaft mit mindestens Gefaengnis bestraft worden. Ist es der Aktienbesitz oder mangelnder Durchblick,der un- sere Volksvertreter untaetig laesst?

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  • alterknacker
  • Kommentar 1
  • 13.06.2011 17:36

Nun ist für mich die Frage wie unsere Regierung dazu stehen wird. Gibt es dann auch noch paar Millarden an die DB? Denn as Vorgehen wie oben beschrieben ist doch auch im Interesse unserer Politiker gewesen-ODER? Geld und Machtgier,das ist das Problem und Globalisiert wirkt es verheerend,Wann wird die glaobalisierte Gesellschaft als Gegengewicht dazu endlich auch aktiv?

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