Duale Ausbildung Azubi und Student in einem

Juliane ZiegengeistVon news.de-Mitarbeiterin
Für viele Hochschüler ist das Studium vor allem eins: zu theoretisch. Deshalb entscheiden sich immer mehr für einen dualen Studiengang, der Berufsausbildung und Unilaufbahn kombiniert. Geld gibt's obendrauf. News.de hat das Angebot unter die Lupe genommen.

Drei Jahre, zwei Ausbildungen, zwei Abschlüsse: Mehr als 27.000 Unternehmen und 900 duale Studiengänge machen es möglich. Kein Wunder, dass Kombimodelle aus Studium und Berufslehre immer beliebter werden - bei Firmen und Abiturienten. Praxisnah lernen und dabei Geld verdienen, klingt verlockend. Doch die damit verbundene Doppelbelastung ist nicht zu unterschätzen.

Was ist ein duales Studium?

Es gibt vier verschiedene Formen, erklärt Jochen Goeser vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) gegenüber news.de. «Die wichtigste ist das ausbildungsintegrierte duale Studium. Dabei erwirbt der Student nicht nur einen Hochschulabschluss, sondern auch einen Abschluss in einem Ausbildungsberuf.» Andere Formen wie das praxisintegrierende Studium sehen keine komplett duale Berufsausbildung vor, sondern zeichnen sich lediglich durch einen erhöhten Praxisanteil im Vergleich zum normalen Studium aus.

Kombi-Ausbildung
Hier wird dual studiert
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Berufsintegrierendes und berufsbegleitendes Studium erfolgen parallel zur Berufstätigkeit. Es sei für jene interessant, die im Erststudium bereits einen BachelorNiedrigster akademischer Abschlussgrad. An den deutschen Hochschulen wird dieser Abschluss in der Regel nach drei Studienjahren (sechs Semester) erreicht. -Abschluss erlangt haben, jetzt arbeiten und nebenbei den MasterIn europäischen Staaten ist der Master der zweite erreichbare akademische Grad. In der Regel ist dazu ein ein- bis zweijähriges Studium notwendig, dass Studenten oft direkt nach dem Bachelor-Abschluss beginnen. machen wollen, allerdings nicht als Vollzeitstudenten, sagt Goeser.

Der größte Teil der dualen Studienangebote entfalle auf Wirtschaftswissenschaften, weiß der Experte vom BIBB. Auch Ingenieurwissenschaften seien in dieser Hinsicht breit aufgestellt. «Sie werden keine klassischen Geisteswissenschaften als duales Studium finden», betont er. Es gebe vor allem in solchen Fachbereichen Angebote, an denen Wirtschaftsunternehmen besonders interessiert sind und in denen der Bedarf an qualifizierten Fachkräften hoch ist.

Wieso ist die Kombi-Ausbildung so beliebt?

BIBB-Angaben zufolge ist das Angebot an dualen Studiengängen in Deutschland im vergangenen Jahr um 12,5 Prozent gestiegen - dreimal so viel wie noch 2009. Die Zahl der teilnehmenden Unternehmen stieg um 9 Prozent, die der Studenten um 6 Prozent. Rund 51.000 Jugendliche durchliefen Mitte 2010 die praxisnahe Hochschulausbildung. Seither dürfen die Zahlen noch gestiegen sein, ist Goeser überzeugt.

Gerade das, was duale Studiengänge ausmacht - die enge Verknüpfung von Theorie und Praxis -, begeistere viele junge Menschen, glaubt er. «Stellen Sie sich vor, sie machen ein wirtschaftswissenschaftliches Studium und hören eine Vorlesung über Controlling. Die nächste Woche sind Sie im Rechnungswesen eingesetzt und können das Gelernte direkt anwenden.» Das erhöhe nicht nur den Lernerfolg, sondern verschaffe den Hochschülern Bestätigung und motiviere sie, weiter zu lernen.

Ein weiterer Vorteil: Dualstudenten verden bereits früh mit betrieblichen Abläufen vertraut gemacht, müssen sich mit Hierarchien im Unternehmen auseinandersetzen und mit Kollegen arrangieren. Sie lernen, ihre Meinung zu vertreten und Kompromisse auszuhandeln. Hinzu komme der zeitliche Vorsprung. «Bei ausbildungsintegrierenden Angeboten haben die Absolventen in der Regel nach drei Jahren zwei vollwertige Abschlüsse. Das ist viel wert auf dem Lebenslauf», sagt Goeser.

Auch nicht von der Hand zu weisen, ist der finanzielle Bonus: Da sie schon während des Studiums arbeiten, erhalten Dualstudenten eine Ausbildungsvergütung, vergleichbar mit der eines gewöhnlichen Azubis. Auch eventuell anfallende Studiengebühren werden häufig übernommen. Es könne vorkommen, dass dafür eine arbeitsvertragliche Bindung über das Studium hinaus verlangt wird, aber das sei nicht die Regel, so Goeser.

Wie bewirbt man sich?

Ausbildungsintegrierende Studiengänge werden gemeinhin von Unternehmen angeboten. Das heißt: Die Betriebe haben einen Kooperationsvertrag mit einer Fachhochschule oder Berufsakademie und wählen die Bewerber eigenhändig aus. Wenn man akzeptiert wird, organisiert das Unternehmen die Immatrikulation an der entsprechenden Hochschule. «Bewerber sollten deshalb in erster Linie nach einem Betrieb suchen», rät der BIBB-Experte. Auf der Internetplattform ausbildung-plus.de kann eine Datenbank nach Betrieben, die mit Studieneinrichtungen kooperieren, durchsucht werden.

Der Fall, sich an einer Hochschule einen Studienplatz zu sichern und dann nach einem geeigneten Ausbildungsbetrieb zu suchen, gestalte sich schwieriger, weiß Goeser. «Wann man an der Hochschule, an der Berufsschule und im Betrieb ist, muss genau abgestimmt werden.» Für einen Studenten allein sei das kaum zu bewerkstelligen. Bestehende Strukturen und Kooperationen in Anspruch zu nehmen, schätzt Goeser als bequemere und erfolgsversprechendere Variante ein. Größere Betriebe bieten häufig auch firmeneigene Seminare an.

Welche Nachteile gibt es?

Jugendliche, die dual studieren, berichten laut Goeser übereinstimmend: Wer sich für diesen Ausbildungsweg entscheidet, muss wissen, was er will. «Das hilft einem, den erhöhten Zeitbedarf zu überstehen», sagt der Experte. Denn zwei Vollzeitausbildungen unter einen Hut zu bringen, sei nicht immer einfach. Es bedürfe einer hohen Eigenmotivation. Doch auch der gemeine Student müsse in den Semesterferien arbeiten gehen oder Aufsätze schreiben, «insofern unterscheidet sich beides gar nicht so stark».

Anders als bei herkömmlichen Studiengängen binde sich ein Dualstudent allerdings eng an ein bestimmtes Unternehmen. So könne beispielsweise die Themenwahl bei der Bachelor-Arbeit eingeschränkt sein, da die Ausbildungsstätte meist ein Mitspracherecht hat.

Dennoch sei das duale Studium ein Geben und Nehmen: Der Betrieb müsse im Regelfall ähnlich viel investieren wie die Studenten selbst. Deshalb hätten beide Seiten ein Interesse am Erfolg der Ausbildung. «Insofern gibt es nach unseren Erfahrungen nur wenige Abbrecher», betont Goeser. Die Gefahr, dass das Studium scheitert, sei dann besonders hoch, wenn die Hochschüler ihren Unialltag selbst koordinieren müssen.

Was haben Unternehmen davon?

Das duale Studium hat besonders in den 1970er Jahren an Beliebtheit gewonnen - ausgehend von Baden-Württemberg und auf Initivative von Unternehmen. «Sie haben sich eine praxisnähere Hochschulausbildung gewünscht», erklärt Goesner. Bis heute seien sie bestrebt, qualifizierten Nachwuchs an ihren Betrieb zu binden, und treten zu diesem Zweck an Fachhochschulen heran. Diese entdecken das duale Studium nicht selten als Marktlücke und werben ihrerseits um Kooperationsunternehmen.

Betriebe können auf Lerninhalte Einfluss nehmen und so Fachkräfte nach eigenem Bedarf ausbilden. Da die Studenten bereits Teil der Unternehmensstruktur sind, müssen die Firmen nicht mit anderen um Hochschulabsolventen konkurrieren. «Der Wettbewerb wird vor das Studium verlegt», so der Experte. Die meisten Unternehmen seien an einer Übernahme ihrer Studenten, sofern sie sich im Umkreis ihrer Kollegen bewiesen haben, sehr interessiert, sagt er. Dualstudenten bräuchten sich deshalb keine Gedanken über ihre berufliche Zukunft zu machen.

ham/news.de

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Cb Sturamed
  • Kommentar 1
  • 01.07.2011 19:27

War Azubi ,plötzlich nicht mehr . Er kam nicht mehr . Oh die Disertation .Ade Leoplpoldina und Dr. med .

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