IWF IWF: Krise nicht abhaken

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IWF: Krise nicht abhaken Bild: dpa

IWF und Weltbank warnen die Staatengemeinschaft eindringlich, die Wirtschafts- und Finanzkrise abzuhaken und wieder zum Tagesgeschäft überzugehen.

Washington (dpa) - IWF und Weltbank warnen die Staatengemeinschaft eindringlich, die Wirtschafts- und Finanzkrise abzuhaken und wieder zum Tagesgeschäft überzugehen.

«Wir sind immer noch in der Krise», sagte der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, am Donnerstag in Washington vor der Frühjahrstagung der beiden Institutionen. Dies betreffe nicht nur die Euro-Schuldenkrise. Kernprobleme seien zudem explodierende Nahrungspreise, weiterhin hohe Staatsschulden, ein weltweit ungleicher Konjunkturaufschwung und drohende Konjunkturüberhitzung in manchen Schwellenstaaten.

«Wir müssen schnell handeln», forderte der IWF-Chef. Der mit dem Aufschwung einhergehende Beschäftigungszuwachs sei zu gering. «Was wir brauchen, sind Jobs, Jobs, Jobs», sagte Strauss-Kahn. «Der Aufschwung ist nicht so, wie wir ihn uns vorstellen.»

Die weltweit rasant gestiegenen Nahrungsmittelpreise drohen nach Einschätzung der Weltbank die globale Armut weiter zu verschärfen. «Immer mehr Arme leiden darunter, und immer mehr Menschen könnten durch hohe und stark schwankende Lebensmittelpreise in Armut gestürzt werden», warnte Weltbank-Präsident Robert Zoellick. Einem neuen Bericht der Entwicklungshilfeorganisation zufolge kostet Nahrung im weltweiten Durchschnitt 36 Prozent mehr als vor einem Jahr.

«Wir können nicht warten, die Uhr läuft gegen uns. Wir müssen uns beeilen, um Schritt zu halten, wollen wir nicht eine ganze Generation verlieren», sagte Zoellick. Hohe und stark schwankende Preise zusammen mit hohen Treibstoffkosten «ergeben ein giftiges Gebräu, das tiefe Schmerzen verursacht und soziale Unruhen schürt.»

Seit Juni müssen den Angaben zufolge wegen der Preisentwicklung 44 Millionen Menschen zusätzlich unterhalb der Armutsschwelle leben, wo man mit weniger als 1,25 Dollar am Tag auskommen muss. Werden Lebensmittel um weitere zehn Prozent teurer, könnte zusätzliche 10 Millionen Menschen dieses Schicksal ereilen, heißt es in dem Weltbank-Bericht. Ein Sprung von 30 Prozent bedeute entsprechend 34 Millionen zusätzliche Arme. Der Organisation zufolge leben derzeit 1,2 Milliarden Menschen unterhalb der Schwelle.

Die Weltbank macht eine Reihe von Ursachen für den rasanten Preisanstieg verantwortlich, darunter höhere Treibstoffkosten durch die jüngsten politischen Umwälzungen, schlechte Ernten, Exportbeschränkungen, gestiegene Biotreibstoffproduktion und geringe Lagerbestände. Arme sind von steigenden Nahrungspreisen besonders betroffen, weil sie einen weit höheren Anteil ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben müssen als Menschen in Industrieländern. Als Gegenmaßnahmen fordert die Weltbank gezielte Hilfsprogramme für Menschen in Not und die Beseitigung von Ausfuhrbeschränkungen. Daneben müsse es mehr Investitionen in den vernachlässigten Agrarsektor geben.

Mit Blick auf die Lage der Weltwirtschaft sagte Strauss-Kahn, es gebe Ungleichgewichte zwischen den Wirtschaftsmächten und Ungleichgewichte innerhalb der Länder. An den internationalen Finanzmärkten müssten die wachsenden Probleme mit dem Schattenbanksektor sowie der Umgang mit großen, grenzüberschreitenden Finanzinstituten angegangen werden. Strauss-Kahn verwies zudem auf die neuen Bankenstresstests in Europa, die eine weitere Eigenkapitalstärkung zur Folge haben dürften.

Am Rande der Frühjahrstagung kommen auch die Finanzminister der führenden Industrieländer (G7) zu Beratungen über die Lage in Nordafrika und im Nahen Osten zusammen. Zudem erörtern die wichtigsten Wirtschaftsmächte (G20) die Finanzmarktreformen.

news.de/dpa

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