Homeoffice Wenn das Zuhause zum Büro wird

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Online am Schreibtisch zu Hause: Ein Homeoffice macht Arbeitnehmer zeitlich flexibel. Es hat aber auch seine Tücken. Bild: dpa

Juliane ZiegengeistVon news.de-Mitarbeiterin
Home! Sweet Home! Gilt das auch für das Heimbüro? Zehn Prozent der Deutschen sagen «Ja». Sie arbeiten von zu Hause aus. Welche Vor-, aber auch Nachteile das hat und wie Sie Ihr Heimbüro am besten organisieren, erklärt news.de.

Arbeiten und doch in den eigenen vier Wänden sein - das klingt verlockend. Der lästige Weg ins Büro entfällt, der Chef ist weit weg, Mittags- und Kaffeepause können frei eingeteilt werden. Zehn Prozent der berufstätigen Deutschen sind laut einer Bitkom-Umfrage Homejobber. Sie arbeiten ganz oder teilweise von zu Hause aus. Gut 20 Prozent wünschen sich, nur noch im Heimbüro zu arbeiten, 37 Prozent ziehen das für einige Tage in der Woche in Erwägung. Nur 30 Prozent der Arbeitnehmer ziehen das Büro ihres Unternehmens vor.

Das Homeoffice liegt im Trend. Moderne Kommunikationskanäle wie Computer und schnelle Internetverbindungen machen es möglich. Da diese in den meisten Haushalten vorhanden sind, scheint der Schritt zum Heimbüro ein kleiner zu sein. Trotzdem sollten die Anforderungen eines Homeoffice nicht unterschätzt werden. «Es gibt Leute, die sich in einem Büro zu Hause superwohl fühlen und das als rosig bezeichnen würden. Aber es gibt auch eine Menge Tücken», sagt Autorin Gudrun Sonnenberg im Gespräch mit news.de.

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Sie hat das Buch Kollege Ich. Die Kunst allein zu arbeiten geschrieben und betreibt einen gleichnamigen Blog. Selbst im Homeoffice tätig, kennt Sonnenberg die Schwierigkeiten. «Wer sich die Arbeitszeit selbst einteilen muss, muss auch die Disziplin aufbringen, sie einzuhalten, pünktlich anzufangen, aber auch rechtzeitig aufzuhören», erklärt sie. Beides komme vor: Dass weniger gearbeitet wird, als sich der Homejobber vorgenommen hat, oder dass mehr gearbeitet wird, als gut wäre.

Räumliche Trennung ist unabdingbar

Sonnenberg bezeichnet die freie Zeiteinteilung beim Homeoffice als Luxus, aber auch als Herausforderung. «Das zweite große Problem vieler Homejobber ist, dass sie sich einsam fühlen», so die Autorin weiter. Weil die Kollegen fehlen, fiele einigen früher oder später die Decke auf den Kopf. Das hänge auch von den privaten Lebensumständen ab. Wer Familie hat, müsse mit einer weiteren Hürde zurechtkommen. Denn beim Homeoffice besteht nicht nur die Gefahr, dass die Arbeit im Privatleben stets präsent ist. Umgekehrt könne Privates das Berufsleben stören.

«Die Grenzen verschwimmen leichter», sagt Sonnenberg. Hieran müsse stärker gearbeitet werden als im Büro, das außerhalb des eigenen Zuhauses liegt und räumlich eine klare Trennung schafft. Das sollte das Ziel im Heimbüro sein. «Wichtig ist, dass es einen klaren Arbeitsbereich gibt. Man sollte sich einen guten Platz suchen und nicht in der Abstellkammer arbeiten», empfiehlt die Expertin. Sofern die Wohnung es hergibt, sei ein separates Zimmer die optimale Lösung. In jedem Fall sollte der Platz genug Licht bieten und ergonomisch eingerichtet sein.

Wichtig ist, nicht nur die selbst gesetzten Arbeitszeiten einzuhalten, sondern auch Kontaktpflege zu betreiben. Sich zum Mittagessen zu verabreden, zu Kollegennetzwerktreffen zu gehen oder mit diesen virtuell zu kommunizieren, seien Maßnahmen, um nicht zu vereinsamen. Beim Dresscode gebe es kein Patentrezept. «Ich persönlich finde das nicht so wichtig. Es gibt Leute, die können gut im Pyjama arbeiten. Andere bringt das aus dem Konzept», sagt sie. Letztere kleideten sich auch im Heimbüro professionell, weil es ihnen leichter falle, ihren Arbeitsrhythmus vom Privatleben zu trennen. Dabei können eine Bürotelefonnummer und geschäftliche E-Mail-Adresse helfen.

Die Mischung macht's

Studien zufolge haben Homejobber schlechtere Karrierechancen. Der Grund: Anders als Kollegen im Firmenbüro sind sie für ihren Chef weniger präsent und fallen deshalb, etwa bei Beförderungsmaßnahmen, nicht sofort ins Auge. Sonnenberg vermutet, dass das durchaus stimmt. Wer angestellt ist, sei deshalb gut beraten, zu wichtigen Meetings immer vor Ort zu sein oder einmal in der Woche im Unternehmen vorbeizuschauen. «Auch wenn das rein funktional gar nicht nötig wäre», sagt die Autorin. Zwar sei es dank moderner Technologien möglich, ständig in Kontakt zu stehen. Rein psychologisch sei es jedoch immer etwas anderes, jemanden hin und wieder auch persönlich zu treffen. «Ein gesunder Mix ist meist die beste Lösung», urteilt Sonnenberg.

Wer den findet, kann die Vorteile eines Heimbüros genießen. Seine Zeit frei einteilen zu können, heißt, Zeit zu gewinnen. «Weil ich vormittags einkaufen gehen kann statt nach Feierabend, wenn alle Läden voll sind», sagt die Expertin. Auch die Stunden, die mitunter für den Weg zur Arbeit anfallen, können effizient genutzt werden. Überhaupt nehmen viele Deutsche Arbeit gerne mit nach Hause, so Sonnenberg, weil sie glauben, dort effizienter arbeiten zu können. «Sie haben ihre Ruhe und können sich besser konzentrieren.»

In den eigenen vier Wänden lässt sich die Arbeit dem eigenen Lebensrhythmus anpassen. Joggen in der Mittagspause ist kein Problem mehr, erst recht nicht, wenn Heimarbeiter damit das mittägliche Leistungstief zu überwinden versuchen. Familie und Beruf sind leicht zu vereinbaren, die Betreuungszeiten der Kinder flexibler zu gestalten. Störeinflüsse, wie sie in Großraumbüros in Form telefonierender Kollegen lauern, entfallen oder können mindestens besser kontrolliert werden. «Die Chance, eine gute Work-Life-Balance zu haben, ist im Homeoffice deshalb größer als in einem Büro, in dem man sich an feste Arbeitszeiten halten muss», sagt Sonnenberg.

Bürogemeinschaften und Coworking Spaces als Alternativen

Ein weiterer Vorteil, den die Expertin nennt, sind Einsparungen, die ein Homeoffice mit sich bringt. Gerade für Selbstständige und Freiberufler entstünden weniger Kosten, da kein Büro angemietet werden muss. Sie seien auch jene, die den Löwenanteil der Heimarbeiter ausmachen. Oft stammten sie aus Künstler- und Kreativkreisen. Aber auch Vertriebler und Wissenschaftler arbeiten Sonnenberg zufolge häufig von zu Hause aus.

Ob ein Homeoffice für jemanden das Richtige ist, hänge vom Beruf und von der Person ab. Dass Arbeit mit nach Hause genommen wird, kenne jeder, glaubt sie. Die Übergänge von sporadischer zu regelmäßiger Heimarbeit seien oft fließend. Dennoch müsse sich jeder, der mit dem Gedanken spielt, sich ein professionelles Heimbüro einzurichten, folgende Fragen stellen: Arbeite ich gerne selbstständig oder lieber im Team? Brauche ich die Gesellschaft und das Feedback von Kollegen oder bin ich lieber auf mich allein gestellt? Ein erster Gradmesser könnten Erfahrungen aus dem Studium sein, sagt die Expertin. «Manche haben es als grauenhaft in Erinnerung, allein zu Hause vorm Computer zu sitzen und Hausarbeiten zu schreiben», so Sonnenberg.

Als Alternativen hält sie Bürogemeinschaften für sinnvoll. Dabei sucht sich der Homejobber andere Arbeitnehmer, mit denen er ein Büro mietet und nutzt, aber nicht notwendigerweise zusammenarbeitet. Seit einiger Zeit seien auch sogenannte Coworking SpacesCoworking Spaces bezeichnen eine neue Arbeitsform, bei der voneinander unabhängige Personen in größeren, mit Computertechnik ausgestatteten Räumen gegen einen festen Tagessatz arbeiten können. Der Unterschied zur Bürogemeinschaft besteht vor allem in zeitlicher Flexibilität und freiem Zugang. stark im Kommen. «Dort kann man sich tage- oder wochenweise für einen Pauschalpreis reinsetzen. Das ist eine nette Möglichkeit für diejenigen, die ihr Homeoffice behalten, aber auch mal in Gesellschaft arbeiten wollen», sagt Sonnenberg. In Berlin koste ein Tag etwa 15 Euro. Ob das in Frage kommt, müsse jeder für sich durchkalkulieren.

rzf/ham/reu/news.de

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