Karriere
Wenn Personaler aus der Handschrift lesen

Bewerberauslese dank Schriftanalyse: Rund zehn Prozent der deutschen Unternehmen wählen Mitarbeiter anhand graphologischer Gutachten aus. News.de zeigt die Potenziale und Tücken und erklärt, warum die Schönschrift immer seltener wird.

Für gewöhnlich werden Bewerber in direkten Gesprächen und Assessment Centern auf die Probe gestellt. Einige Unternehmen nehmen auch die Handschrift ins Visier. Bild: dpa

Die Handschrift sagt so viel über uns aus wie Mimik und Gestik. Gelernte Graphologen können aus ihr sogar Eigenschaften ablesen, die dem Schreiber selbst gar nicht bewusst sind. Deshalb sind Erkenntnisse der GraphologieGraphologen analysieren und deuten Handschriften. oder auch Schriftpsychologie besonders für Personaler interessant. Zwar werden Lebensläufe nur noch sehr selten handschriftlich verfasst. Doch die Graphologin Evelin Winands glaubt, neuerdings ein Comeback der graphologischen Gutachten in Geschäftskreisen feststellen zu können.

«Firmen greifen immer häufiger darauf zurück - zur Erweiterung ihrer Urteilsfähigkeit», sagt sie. «Arbeitssuchende bringen oft tolle fachliche Fähigkeiten mit, aber der Job wird auch mit der Persönlichkeit gemacht», so Winands. Diese lasse sich im direkten Gespräch nur schwer lesen, weiß ihre Kollegin Christiane Sarreiter.

FOTOS: Graphologie Schau' mir in die Handschrift, Kleines

Beide glauben, dass die Graphologie hier helfen kann. Mittels Handschriftproben, die von Bewerbern extra angefordert werden, ließe sich die Person ausführlich beschreiben. Entspricht sie den Anforderungen aus dem Stellenprofil? Passt der Job zu ihr? «Das Gutachten rundet das Gesamtbild ab. Allein für sich ist es natürlich nicht ausschlaggebend für eine Einstellung», sagt Sarreiter.

Charakter, Beruf und Schrift bedingen sich gegenseitig

In Deutschland nehmen etwa zehn bis 15 Prozent der Unternehmen diesen Dienst in Anspruch, schätzt Winands. Das Problem: Gerade bei einer Bewerbung gebe sich der Schreiber besonders viel Mühe, was die Schriftanalyse erschwere. «Bei einer schön gestalteten Schrift fehlt sicherlich das eine oder andere Merkmal», sagt die Graphologin. Dann müsse sie auf zusätzliche Proben zurückgreifen, etwa ein beschriftetes Briefkuvert oder Notizen, die beim Bewerbungsgespräch entstanden sind.

Winands stellt oft Parallelen zwischen Berufsfeld und Schrift fest. «Menschen, die im kreativen Bereich tätig sind, haben eine sehr eigenwillige Handschrift, auch Sauklaue genannt», sagt sie. Ihnen sei das aber keineswegs unangenehm. Sie hätten so viel Selbstbewusstsein, dass sie sich weder im Leben noch bei der Handschrift anpassen würden. Diese sei ebenso ausdrucksstark und mutig wie ihr Schreiber.

In Berufen, in denen es auf Genauigkeit ankommt, wie in der Verwaltung oder Buchhaltung, sind Schriften häufig durch ein sehr präzises und kleines Bild gekennzeichnet. Sowohl die Eigenschaften der Person als auch die Anforderungen des Berufes drückten sich so in der Handschrift aus, erklärt Winands. «Ein Verkaufsleiter muss einfach eine expansivere Schrift haben als jemand, der im Büro sitzt und Akten ordnet», ergänzt Sarreiter.

Mit der Digitalisierung insbesondere in Geschäftskreisen wird Handgeschriebenes immer mehr zur Privatsache. Und selbst dort beschränkt es sich häufig auf Notizen. «Aber unser Schreiben ist auch unser Kulturgut. Und das sollten wir pflegen», sagt Winands. Nicht nur um des Schreibens willen. Mit Stift in der Hand denken wir anders, sind konzentrierter und vorausschauender als am Computer, wo schnell etwas korrigiert oder ergänzt werden kann.

Wir schreiben, wie wir tippen

Das viele Tippen wirkt sich langfristig auch auf den Schreibstil aus. Als noch mit Feder geschrieben wurde, war die Schrift eine sehr fließende und geschwungene. Sobald der Schreiber den Füllhalter absetzte, konnte es Tintenkleckse geben. Auf der Computertastatur ist der Rhythmus ein anderer, eher abgehackter. «Wer sehr viel auf der Tastatur schreibt, übernimmt diesen Bewegungsablauf in die Schrift. Bei jüngeren Schreibern erkenne ich oft eine Veränderung», sagt Winands.

Deren Schriften seien eher unverbunden. Das heißt: Die Buchstaben stehen alleine, die Schreibweise passt sich immer mehr der Druckschrift an. Das sei nicht prinzipiell falsch, denn auf die Lesbarkeit komme es an. Doch die geschwungene Schreibschrift gehe dadurch mehr und mehr verloren. «Die Schriften sind nicht mehr so schön, wie sie früher waren. Sie sind nicht mehr so geübt und gelernt», weiß Sarreiter.

Hier fehle das Training, denn natürlich könne nur aus bereits Gelerntem etwas entwickelt werden. Winands sieht das durchaus kritisch: «Es ist wie mit einem Musikinstrument: Wenn Sie Geige spielen wollen, können Sie nicht nur ein bisschen zupfen. Da muss man üben, üben, üben.»

Lesen Sie in einem weiteren Artikel, wie Graphologen anhand der Handschrift einen Menschen charakterisieren.

Klicken Sie sich in unserer Bilderstrecke durch verschiedene Schriften und erfahren Sie, was Graphologen über Angela Merkel und den Papst sagen.

ham/rzf/reu/news.de

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3 Kommentare
  • jungstilling

    16.02.2011 13:48

    Antwort auf Kommentar 1

    1. Die Graphologie ist durch keine Untersuchung bisher „widerlegt“ worden. Was Sie sicherlich meinen ist, dass die Graphologie bisher durch keine Untersuchung ihre Wirksamkeit nachweisen konnte. Das ist durchaus ein Unterschied, und sicherlich kein unbedeutender. 2. Die Untersuchungen, auf die sich die GWUP (Spektikerorganisation) bezieht, sind allesamt wissenschaftlich wenig aussagekräftig. Bei genauerer Betrachtung stellt man nämlich fest, dass an den Einzelstudien zur Graphologie zumeist nur zehn Graphologen und weniger teilgenommen haben – deutlich zu wenig, um valide Rückschlüsse zuzulas

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  • willi

    15.02.2011 23:19

    Antwort auf Kommentar 1

    An Horoskope glaubt auch keiner und jeder liest sie, oder wie war das?

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  • gast

    15.02.2011 20:18

    Diskutieren Sie mit und kommentieren Sie den Artikel Karriere : Wenn Personaler aus der Handschrift lesen. Muss das sein, dass Sie einer so längst widerlegten Parawissenschaft wie der Graphologie nun hier einen unkritischen Artikel veröffentlichen. Spricht nicht gerade für ihre journalistische Kompetenz um ehrlich zu sein: Das die Kritik nicht mal erwähnt wird, sagt schon alles http://blog.gwup.net/2010/03/21/schadeldeuter-und-graphologen/ http://www.gwup.org/component/content/article/107-sonstige-themen/958-graphologie

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