Steuertipps Der «Umweg» zum Betrieb

Autobahn (Foto)
Die Kosten für den Arbeitsweg, ein wichtiges Thema für die Steuererklärung. Bild: dpa

Von Holger Kunadt
Nachdem das Bundesverfassungsgericht den Abzug einer Entfernungspauschale für die Fahrtkosten von der Wohnung zur Arbeitsstätte wieder zugelassen hat, ist die Bemessung des Weges wieder ein Thema. Was Sie beachten müssen.

Für die Bestimmung der Entfernung zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte ist die kürzeste Straßenverbindung zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte maßgebend. Dabei sind nur volle Kilometer der Entfernung anzusetzen, ein angefangener Kilometer bleibt unberücksichtigt.

Die Entfernungsbestimmung richtet sich nach der Straßenverbindung; sie ist unabhängig von dem Verkehrsmittel, das tatsächlich für den Weg zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte benutzt wird.

Bei Benutzung eines Kraftfahrzeugs kann eine andere als die kürzeste Straßenverbindung zugrunde gelegt werden, wenn diese offensichtlich verkehrsgünstiger ist und vom Arbeitnehmer regelmäßig für die Wege zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte benutzt wird. Dies gilt auch, wenn der Arbeitnehmer ein öffentliches Verkehrsmittel benutzt, dessen Linienführung direkt über die verkehrsgünstigere Straßenverbindung erfolgt (z.B. öffentlicher Bus).

Eine von der kürzesten Straßenverbindung abweichende Strecke ist verkehrsgünstiger, wenn der Arbeitnehmer die regelmäßige Arbeitsstätte - trotz gelegentlicher Verkehrsstörungen - in der Regel schneller und pünktlicher erreicht.

Die Nachweisführung für die verkehrsgünstigere Straßenverbindung ist in der Praxis sehr schwierig. Der Steuerpflichtige muss seine Aufwendungen glaubhaft machen, also den Finanzbeamten mit Argumenten überzeugen.

Die Finanzämter verwenden zur Nachprüfung der Angaben des Steuerpflichtigen
zunehmend verschiedene Web-Routenplaner (Google-Maps, Falk, Map24 und andere). Häufig werden verschiedene Entfernungen ermittelt. Das Finanzamt geht natürlich von der kürzesten Route aus. Man muss dann erklären, warum man auf einem längeren Weg sein Ziel «in der Regel schneller und pünktlicher erreicht».

In der Praxis führt das häufig zu unschönen Auseinandersetzungen, bei denen der Finanzbeamte auch schon mal mit der Einleitung eines Strafverfahrens droht. Liegt aber tatsächlich ein längerer, verkehrsgünstigerer Weg vor, sollte sich der Steuerpflichtige nicht entmutigen lassen und gegebenenfalls fachkundigen Rat bei einem Steuerberater einholen. Eine amtliche Tolleranzgrenze gibt es leider nicht.

Gibt der Steuerpflichtige in seiner Erklärung aber einen längeren Weg als die verkehrsgünstige Straßenverbindung an und führt das zu einer Verminderung der Steuer, liegt auch hier eine Verkürzung und möglicherweise Steuerhinterziehung vor.


Autor dieses Textes ist Holger Kunadt. Er ist Steuerberater in Leipzig.

mat/news.de

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