Beliebte Studiengänge Der falsche Traum vom Traumberuf

In Deutschland studieren zu viele junge Menschen Fächer, die kein Mensch braucht. Dabei fehlen der Wirtschaft zunehmend studierte Fachkräfte - ein Einstieg in die Arbeitswelt wäre so einfach. Doch das verhindert der Traum vom Traumberuf.

Medizinstudenten in der Ausbildung (Foto)
Ein Medizinstudent trainiert am Patientensimulator. Geht es nach dem Bedarf, müssten mehr junge Menschen als Ärzte ausgebildet werden. Bild: dpa

In Deutschland fehlen Fachkräfte, das ist eine altbekannte Tatsache. Eigentlich. Trotzdem bemühen sich zu wenige Schulabsolventen, dieses Loch zu stopfen. Wichtiger als gute Jobaussichten ist den meisten Studienanfängern offenbar, sich selbst zu verwirklichen. Laut der Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks (DSW) belegen mehr als 40 Prozent der deutschen Studenten Fächer aus den Bereichen Kultur- und Sprachwissenschaften oder Rechts- und Wirtschaftswissenschaften - obwohl der Arbeitsmarkt nicht annähernd genug Beschäftigung für die Absolventen bietet.

In der Wirtschaft nachgefragte Abschlüsse sind bei den Studenten weniger beliebt: Würden sich die jungen Deutschen einzig nach dem Bedarf für eine bestimmte Studienrichtung entscheiden, müssten Ingenieurwissenschaften und Medizin einen noch höheren Anteil haben. Einer von der Wirtschaftswoche in Auftrag gegebenen Studie zufolge sind Ärzte und Bauingenieure momentan die gefragtesten Berufe.

Dauerbrenner BWL

Am beliebtestes bleiben aber seit Jahren Wirtschaftswissenschaften. Nach einer Studie des Statistischen Bundesamtes schlossen im Jahr 2009 mehr als 55.000 Studenten in Betriebswirtschaftslehre (BWL) oder Volkswirtschaftslehre (VWL) ab, so viele wie in keinem anderen Studiengang. Die Folgeplätze belegten in der Wirtschaft weitaus nachgefragtere Fächer: Fast 22.000 junge Menschen abslovierten ein Studium in Maschinenbau oder Verfahrenstechnik, ungefähr 19.000 beendeten erfolgreich ein Informatikstudium.

Auch was den Ärztemangel angeht, bemühen sich deutsche Studenten: In der Statistik belegt das Fach Medizin den vierten Platz, zwar weit nach Betriebswirtschaftslehre (BWL), aber vor Germanistik und Sozialwesen. Es würde sogar noch mehr Medizinstudenten geben, wären da nicht die Zulassungsbeschränkungen an den Universitäten. Im Wintersemester 2009 lag der Numerus ClaususLatein für «geschlossene Zahl», bezeichnet eine Zulassungsgrenze für bestimmte Studiengänge, festgemacht am Durchschnitt des Abiturs. (N.C.) für ein Medizinstudium je nach Bundesland zwischen 1,0 und 1,2. Kein Wunder, dass nicht jeder zugelassen wurde, der gerne Arzt werden möchte.

Fehlendes Interesse am Medizinstudium ist als nicht der Grund für den Ärztemangel, sondern die Kapazitäten der Universitäten. Diese können nicht mehr Medizinstudenten aufnehmen als sie bereits jetzt ausbilden. Doch die aktuellen Absolventenzahlen genügen nicht: Jeder zweite der 150.000 in Deutschland niedergelassenen Ärzte ist über 55 Jahre alt, viele gehen in den nächsten Jahren in Rente. Dabei steigt der Bedarf an Ärzten aufgrund der demographischen Entwicklung ständig. Zusätzlich wandern viele junge Mediziner in Länder wie die Schweiz oder Norwegen ab. Dort werden sie besser bezahlt und haben bessere Arbeitsbedingungen. Gut für Absolventen des Medizinstudiums - sie sind gefragt wie nie.

Wo sind die jungen Bauingenieure?

Aber auch in anderen Bereichen fehlen junge Akademiker, allen voran Ingenieure, Chemiker und Informatiker. Bauingenieure zum Beispiel belegen in der Statistik der gefragtesten Jobs den zweiten Platz, tauchen aber in den Top Ten der Absolventen  nicht auf. Insgesamt machen Ingenieurswissenschaften etwa 19 Prozent der Studenten aus, Anfang der 1990er Jahre lag der Wert noch bei 24 Prozent. Weniger Studenten bei mehr Jobs - kein Wunder, dass Fachkräfte fehlen.

Das gilt auch bei Chemikern, die spezialisiert auf Elektro-Chemie sehr gute Jobchancen in der Entwicklung von E-Motoren haben. Doch unter den zehn beliebtesten Studiengängen taucht Chemie nicht auf. Informatiker dagegen belegen einen beachtenswerten dritten Platz in der Fächerstatistik, doch das ist längst nicht genug, wenn man den Bedarf der Wirtschaft betrachtet. Derzeit sind laut des Branchenverbandes Bitkom 28.000 Stellen für IT-Experten unbesetzt.

Trotz des hohen Bedarfs steigt das Interesse an den Bereichen Naturwissenschaften und Mathematik, zu denen auch Informatik, Biologie und Chemie gehören, bei Studierenden kaum - insgesamt belegen seit 1991 konstant 20 Prozent der Studenten solche Fächer. Unter diesen Studierenden sind auch Lehramtsanwärter, ebenso wie bei Sprach- und Kulturwissenschaften. Diese haben momentan ebenfalls sehr gute Jobchancen, ähnlich wie bei den Ärzten ist das Durchschnittsalter der Lehrer hierzulande hoch - bundesweit müssen in den nächsten Jahren Stellen besetzt werden. Ein Strohhalm für Germanistik-, Anglistik- und Geschichtsstudenten: Sie können notfalls nach dem vollendeten Bachelorstudium noch auf Lehramt umsatteln.

som/ivb/news.de

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Leserkommentare (6) Jetzt Artikel kommentieren
  • michael-mika85
  • Kommentar 6
  • 21.07.2012 17:05

Das Problem liegt wo anders, wer als Ingenieur bei Burger King arbeitet hat was falsch gemacht. Die meisten Akademiker sind einfach nur Pfeifen. Taugenichtse welche ein zwei Mark mehr verdienen wollen, aber mehr nicht. Wer keine Faszination am Ingenieursberuf, also auch an der Mathematik, Physik, Chemie ........... findet, ist ungeeigntet und muss eben bei BurgerKing arbeiten, weil man solche Low-Brainer einfach zu nichts gebrauchen kann. Manche vergessen schon direkt, nach dem sie sich durchs Grundstudium gemogelt haben, mit schummeln, spicken...., was da dran kam und sind auch noch stolzdrau

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  • Mary28
  • Kommentar 5
  • 24.01.2011 17:22

Wie traurig ist das denn, da brauch sich doch keiner Wundern das wir keine Fachkräfte haben, weil alles nur auf Lohndomping rausläuft, weil ein Student der sein Ingeneneur gemacht hat, der hat auch Jahre lang verzichtet und wenn er sein Diplom in der Hand hat dann muss er da auch ordentlich bezahlt werden und da meine ich nicht nur die Branche und wie alle die vorher geschrieben haben, der Jugendwahnsinn muss aufhören, die Älteren sind unsere Schätze und die Jugend unsere Zukunft und so wird es auch immer bleiben.

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  • RAGNAROEKR
  • Kommentar 4
  • 24.01.2011 16:24

Kein einziges Wort dieses Kommentars hält der Analyse stand. Jahrelang war das Desinteresse an Naturwissenschaftern und Ingenieuren hoch. Auch deren Aussichten. Jetzt kommen die Strolche aus vielen Lagern und beklagen die Zustände wie immer: Ihr seid schuld, da ihr nach euren Neigungen studiert, oder umgekehrt. Die richtige Vermutung ist, dass diesen Leuten auf die es ankommt, immer nichts passt. Das sind nämlich ausgesuchte Dummköpfe,die nichts von Wissenschaft und schon garnichts von Zukunft verstehen. Besserung verspricht:Verbannt Juristen und BWLler aus der Gegenwart,dann habt ihr Zukunft!

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