Euro-Kontonummer Was sich für Bankkunden ändert

In Zukunft sind mehr Kästchen auszufüllen (Foto)
Im Unterschied zu bisherigen Überweisungen sind bei SEPA eine internationale Kontonummer (IBAN) und eine internationale Bankleitzahl (BIC) nötig. Bild: dpa

Von Marion Trimborn
«IBAN, die Schreckliche»? Die EU-Kommission hat ihre Pläne für neue europaweite Kontonummern bekannt gegeben. Die sind viel länger sind als die herkömmlichen, monieren Kritiker - und die Umstellung teuer. Was ändert sich für die Verbraucher?

Egal, ob Überweisung ins In- oder Ausland: Künftig müssen sich Deutschlands Bankkunden auf internationale Kontonummern und Bankleitzahlen umstellen. Nach den Plänen der EU-Kommission soll spätestens 2013 Schluss mit nationalen Codes sein. Dann gelten die europaweiten Ziffern- und Buchstabenkombinationen (IBAN und BIC), die deutlich länger als die bisher in Deutschland üblichen Zahlenreihen sind. Das müssen Verbraucher beachten:

Welche Vorteile bieten die neuen Sepa-Kontonummern?

«Überweisungen laufen schneller, billiger und sicherer», sagt EU-Binnenkommissar Michel Barnier - quer durch Europa. Für den Kunden fallen Kosten weg, weil versteckte Gebühren für Lastschriftverfahren verboten werden. Privatleute und Firmen müssen nicht länger mehrere Konten in verschiedenen Ländern unterhalten.

Was ändert sich?

Bei Überweisungen muss der Bankkunde künftig mehr Kästchen als sonst ausfüllen. Statt der inländischen Kontonummer mit häufig 10 Stellen muss die 22-stellige internationale Kontonummer IBAN eingetragen werden. Die Bankleitzahl wird durch die internationale BIC ersetzt - an die Stelle der Zahlenkombination tritt eine Buchstabenreihe.

Ab wann gelten die neuen Vorgaben?

Spätestens Anfang 2013 sollen Bankkunden für nationale Überweisungen die neuen Kontonummern nutzen. Für Lastschriften soll die Umstellung Anfang 2014 vollzogen sein. Solange gelten die nationalen Systeme weiter. Der Bankenbranche ist das zu ambitioniert, sie fordert drei bis fünf Jahre für die Umstellung. Der Vorschlag der Kommission wird nur dann Gesetz, wenn das Europaparlament und der EU-Ministerrat, in dem die 27 Regierungen vertreten sind, zustimmen.

Wie kompliziert sind die neuen Angaben wirklich?

Kritiker geißeln die neue 22-stellige Zahl als «IBAN, die Schreckliche». Die EU-Kommission hält dagegen und argumentiert, dass die neue Zahlenkombination der IBAN leicht zu merken sei. Sie besteht aus einem Ländercode (für Deutschland: DE) und einer zweistelligen Prüfziffer. Danach folgen die bekannte Bankleitzahl und die vertraute Kontonummer. Wirklich neu sei also nur die Prüfziffer zu Beginn.

Was hilft in der Praxis?

Schon heute steht die IBAN auf jedem Kontoauszug, manchmal auch bereits auf Bankkarten. Beim Online-Banking kann der Kunde sich die gespeicherten Daten aus einer Liste auswählen, um Fehler zu vermeiden. Die deutsche Debatte erinnert manch einen EU-Diplomaten an die Umstellung der deutschen Postleitzahlen nach der Wiedervereinigung: «Auch damals gab es viel Lärm um nichts.»

Und bei der BIC?

Bei dem Code zur Identifizierung der Bank (BIC), der elf Buchstaben hat, sollen die Banken nach dem Willen der EU-Kommission den Kunden helfen. So fügen in Belgien und Österreich Institute bei Überweisungen den BIC-Code automatisch ein. Denkbar sei auch, dass die Kunden ihre vertrauten Zahlen verwenden und die Banken diese in IBAN und BIC umrechnen. In Luxemburg, Italien, Griechenland und Slowenien ist die Umstellung laut EU-Kommission schon reibungslos vollzogen worden.

Was passiert, wenn die Überweisung im Nichts landet?

Verbraucherschützer warnen: Ist die Überweisung mit einem Tippfehler einmal abgeschickt (zum Beispiel beim Online-Banking), ist sie nicht mehr zu widerrufen. Dann muss der Kunde seine Hausbank informieren, die sich mit der Empfängerbank in Verbindung setzt. Der Kunde muss seine Bank um Rückbuchung bitten. Laut Verbraucherschutzzentrale passiert dies auf eigenes Risiko und eigene Kosten.

Und wie sieht es bei Lastschriften aus?

Bei Lastschriften soll die Umstellung spätestens Anfang 2014 vollzogen sein, allerdings gilt das in Deutschland weitverbreitete elektronische Lastschriftverfahren noch fünf Jahre. Beim Umstieg auf Sepa müssten Bankkunden ihre Einzugsermächtigung beispielsweise für ein Zeitungsabo, eine Versicherung oder den Strom erneuern. Das bedeutet für die Banken einigen Aufwand. Die EU-Kommission geht davon aus, dass der deutsche Gesetzgeber für dieses Problem eine pragmatische Lösung findet, so dass alte Lastschriften einfach fortgeführt werden können.

che/reu/news.de/dpa

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