Tipps für Eltern Mit den Kindern lesen

Helfen beim Lesenlernen (Foto)
Vorlesen macht Ihren Kindern auch Lust auf eigenes Lesen. Bild: dpa

Von news.de-Mitarbeiter Ayke Süthoff
Die Pisa-Studie hat gezeigt, dass deutsche Schüler im Lesen noch immer Nachholbedarf haben. Schuld daran sind nicht nur die Schulen und Lehrer, denn Lesen lernen Schüler auch im Alltag. Auf die Familie kommt es besonders an.

Lesefähigkeiten erkennen. Achten Sie vor allem auf das Leseverhalten: Liest Ihr Kind gerne oder legt es das Buch nach zehn Seiten auf den Stapel ungelesener Bücher? Ist Ihr Kind neugierig auf die Geschichten in den Büchern? Daran können Sie erkennen, was ihr Kind drauf hat. Falls Sie sich ganz unsicher sind, fragen Sie offen in der Schule nach, wie gut Ihr Kind liest. Warten Sie damit nicht, bis sich der Lehrer an Sie wendet, denn dann kommt elterliche Hilfe meistens schon zu spät.

Internet und Computer. Verbringt ihr Kind viel Zeit vor dem Computer, vor allem beim Surfen im Internet, ist dies nicht unbedingt problematisch. Das Internet ist ein Lesemedium. Zwar gibt es massenweise Video- und Hörbeiträge, doch das ganze System baut auf Texten auf. Daher verbessert die Beschäftigung mit dem Internet sogar das Leseverständnis. Halten Sie Ihr Kind also nicht zwanghaft vom Computer fern. Achten Sie aber darauf, welche Internetseiten Ihr Kind besucht. Interaktive Nachrichtenseiten für Kinder bauen auf Texte, sind aber einfach und verständlich geschrieben.

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Schreiben am Computer. Was Rechtschreibung und Grammatik angeht, ist das Thema Internet sehr komplex. Kommunikation in Chat, E-Mail und Co. ist nah an der mündlichen Sprache. Auf Zeichensetzung, Klein- und Großschreibung und korrekte Grammatik achten die wenigsten. Deswegen sollten Kinder sich auch mit anderen Texten beschäftigen. Mit literarischen Geschichten oder anschaulichen Sachbüchern machen Kinder andere Spracherfahrungen als am Computer.

Tageszeitung und Magazine. Journalistische Artikel eignen sich sehr gut, um das einfache Leseverständnis zu schulen - was sagt der Artikel aus, worum geht es? Das lernen Kinder gut, wenn Sie Ihnen morgens am Frühstückstisch einen Teil der Zeitung überlassen oder ein Abonnement eines für die Kinder interessanten Magazins schenken. Die Auswahl an Magazinen für Kinder ist übrigens sehr groß, für jede Altersstufe lässt sich etwas finden.

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Zurück zum Buch. Lesen kann zwar heute ohne Bücher erlernt werden, doch damit geht ein kultureller Verlust einher: Kindern fehlen die Fiktionserfahrungen, sie verlieren den Bezug zu schön erzählten Geschichten. Dieser Verlust kann sehr einfach aufgefangen werden: Hören Sie mit Ihrem Kind Hörbücher oder gehen Sie ab und zu mit ihm ins Theater. Auch gute Filme können helfen. So lernen Kinder, sich auf Geschichten zu konzentrieren und regen zusätzlich - vor allem bei Hörspielen und -büchern - ihre Fantasie an. Literatur zu lesen, wird ihnen damit leichter fallen.

Literarisches Lesen. Literarisches Lesen ist eine komplexere Form des Lesens - hier geht es nicht nur um simples Verständnis, wie in einem Zeitungsartikel oder einer Gebrauchsanweisung, sondern darum, sich eine fiktive Landschaft vorzustellen oder mit einer Figur in der Geschichte mit zu gehen. Diese Fähigkeiten lassen sich am besten mit dem Buch erlernen. Deshalb sollten Eltern schon früh beginnen, ihren Kindern etwas vorzulesen. So führen Sie Ihr Kind an das Buch heran. Je früher und je zwangloser es mit Büchern in Kontakt kommt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es auch später noch gerne liest.

Beraten lassen. Wissen Sie nicht, welches Buch sich für Ihr Kind eignet, dann fragen Sie nach: zum Beispiel in der Buchhandlung oder in der Bibliothek. Auch Freunde und Bekannte mit Kindern geben bestimmt gerne Rat. Machen Sie das Buch zum Thema, so fördern Sie auch das Interesse Ihres Kindes daran.

Nicht überfordern. Die Gefahr, dass Sie Ihr Kind überfordern, besteht vor allem bei Texten, für die Ihr Kind noch nicht bereit ist. Also Bücher, die sehr anspruchsvoll geschrieben und deshalb schwer zu verstehen sind. Auch thematisch sollten Sie sich in erster Linie an den Interessen des Kindes orientieren und nicht an Ihren eigenen. Selbst wenn Sie zu einem Buch greifen, das Sie selbst für Schund halten. Das Wichtigste ist jedoch, dass Sie Ihrem Kind ausreichend Zeit geben, sich mit dem Buch zu beschäftigen und zwar gemeinsam mit Ihnen. Verbringen Sie viel Zeit mit Ihrem Kind mit Lesen und Vorlesen, das unterstützt nicht nur die Lesefähigkeiten, sondern verbessert auch die Bindung zwischen Ihnen.

 

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit Professorin Dr. Andrea Bertschi-kaufmann, Leiterin des Instituts Forschung & Entwicklung an der Pädagogischen Hochschule Nordwestschweiz, Privatdozentin an der Universität Basel und Autorin mehrerer Fachbücher.

Lesetipp: Lesekompetenzen - Leseleistung – Leseförderung, (Fachbuch für Lehrer und Studierende) Andrea Bertschi-Kaufmann; Kallmeyer Verlag; 280 Seiten; 24,95 Euro.

Für Eltern: Leselust: Kinder und Bücher - ein Ratgeber; Heide Niemann; Kallmeyer Verlag; 96 Seiten; 8,95 Euro.

ham/reu/news.de

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • oliver
  • Kommentar 1
  • 09.12.2010 12:42

Wo die Schule versagt, schlägt man die Schuld bei den Eltern drauf. Hallo News les mal:"Wann soll ich mit G8-Kindern zu Hause noch viel Lesen?" Das beste wäre, man würde mal ganz andere Parteien wählen, die das System Schule mal aus Kinderperspektive durchdenken können anstatt es in einem Flickenteppich zu verwandeln. Es kann nicht sein, dass ich neben Schule 1200 Euro im Jahr für Nachilfe azusgeben muß, nur um durch das blöde Schulsystem zu kommen. Meine Eltern mussten das nicht mit mir machen.

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