Studentenrekord Unis platzen aus allen Nähten

Studenten im Hörsaal (Foto)
Noch haben die Studenten Platz im Hörsaal - aber es wird immer enger an deutschen Universitäten. Bild: dpa

Im Hörsaal wird es noch kuscheliger: 2011 erhöht sich die Zahl der Erstsemester durch doppelte Abiturjahrgänge und die Aussetzung der Wehrpflicht weiter. Die Hochschulen haben schon jetzt Probleme, die Studenten unterzubringen.

Im vergangenen Jahr starteten rund 443.000 Erstsemester ein Studium, wie das Statistische Bundesamt  in Wiesbaden mitteilte. Dies waren vier Prozent mehr als 2008. Die Gesamtzahl der Studenten erreicht damit einen neuen Rekordwert von 2,2 Millionen.

Eigentlich ist eine hohe Studienanfängerquote für Deutschland sehr wichtig. Denn schon heute bemängeln Wirtschaft und Politik einen Fachkräftemangel. Bundesbildungsministerin Annette Schavan wertete die neuesten Zahlen deshalb als Erfolg des Hochschulpaktes und der jüngsten Bafög-Erhöhungen. «Dieses Ergebnis zeigt, dass die Bildungsrepublik auf dem richtigen Weg ist», sagte sie.

Im Hochschulpakt hatten Bund und Länder vereinbart, die Zahl der Studienplätze auszubauen. In einem ersten Schwung von 2007 bis 2010 sollten Plätze für 91.000 zusätzliche Hochschüler entstehen, in einem zweiten Schwung bis 2015 insgesamt 275.000 weitere Studienplätze.

Hochschulen sind überfordert

Für die Hochschulen jedoch fällt der Ansturm in eine Zeit, in der die Länder auch mit Blick auf die Schuldenbremse ihre Ausgaben kürzen. Trotz enormer Anstrengungen sehen sich die Hochschulen deshalb finanziell überfordert. «Die Länder haben große Schwierigkeiten, ihren Verpflichtungen bei der Finanzierung der Hochschulen nachzukommen», klagt die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz, Margret Wintermantel. Schon jetzt werden Stellen abgebaut, Tarifsteigerungen nicht übernommen oder einschneidende Kürzungen verfügt. Sie plädiert daher für mehr Kooperation von Bund und Ländern bei der Hochschulfinanzierung.

Dies sei umso dringlicher, weil die Aussetzung der Wehrpflicht im Juli 2011 neue Studienanfänger an die Universitäten bringe. Die Hochschulrektoren rechnen mit einem Plus von 30.000 bis 40.000 Studenten im kommenden Wintersemester. Auch die doppelten Abiturjahrgänge durch das achtjährige Gymnasium in einigen Bundesländern sorgen für mehr Studienanfänger.  Wintermantel sagte, sie sehe nicht, wie die Hochschulen ohne finanzielle Hilfe weitere Erstsemester aufnehmen könnten.

Auch die Opposition forderte die Bundesregierung zum Handeln auf.  SPD-Bildungspolitiker Swen Schulz forderte, es müssten ausreichend Plätze für die kommenden Studieninteressenten geschaffen werden. Auch das Bafög müsse die Koalition weiter aufstocken. Die Linke-Hochschulexpertin Nicole Gohlke warnte, die Unis seien auf den Ansturm nicht vorbereitet. Während die Zahl der Studenten steige, stagnierten die Mittel für die Hochschulen. Viele Studierwillige kämen schon jetzt nicht an die Unis, weil schlicht Plätze fehlten oder es an ausreichender finanzieller Unterstützung mangele.

Der Grünen-Bildungspolitiker Kai Gehring kritisierte, der Hochschulpakt reiche «hinten und vorne» nicht aus. «Schwarz-Gelb lamentiert über Fachkräftemangel, während Schavans Studienplatzmangel den Bildungsaufstieg einer ganzen Generation vermasselt», beklagte er.

Schavan räumte ein, der Hochschulpakt müsse «weiterentwickelt» werden. Die Ministerin kündigte außerdem an, gemeinsam mit dem Verteidigungsressort Vorschläge zu machen, um die Folgen der Wehrreform zu bewältigen. «Wichtig ist, dass wir Studienbewerber nicht in die Warteschleife schicken», sagte sie. Details nannte Schavan bislang aber nicht.

sua/sca/news.de/ddp/dpa

Leserkommentare (3) Jetzt Artikel kommentieren
  • Ralf
  • Kommentar 3
  • 20.09.2011 21:26

Na hoffentlich bekommen die Studenten dann einen Arbeitsplatz dann ,wenn Sie fertig sind .

Kommentar melden
  • Nichtwähler
  • Kommentar 2
  • 15.08.2011 14:13

Dieser Run auf die Unis hätte doch eigentlich vorhersehbar sein können. Aber wer in der Politik denkt schon mit den Leuten mit, die deren Ideologien ausbaden müssen!

Kommentar melden
  • Nichtwähler
  • Kommentar 1
  • 15.08.2011 14:12

Dümmliche Schulpolitik hatte für diese Katastrophe gesorgt sollte die Überschrift heissen. Schulpolitik ist ein einziger Flickenteppich, der leider nach jeder Reform veschlimmbessert worden ist. Ich bin für die Wiedereinführung von G9 odeer aber man muß das Abitur soweit erleichtern, dass man nach dem Englischen Modell mit nur wenigen Fächern Abitur machen kann. Hoch spezialisierte Generalisten, das geht einfach nicht. Entweder man ist hoch speuialisiert oder ein Generalist. Gelegendlich muss man den deutschen Zopf auch mal abschneiden, ganz besonders beim Unterichtsstoff!

Kommentar melden
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig