Von news.de-Mitarbeiter Ayke Süthoff - 04.11.2010, 10.47 Uhr

Arbeitsplatz: Was der Schreibtisch über die Kollegen verrät

Fast jeder hat Mühe, auf dem Schreibtisch Ordnung zu halten. Doch was bedeutet es, wenn darauf Chaos herrscht? Sind Aufräumer die besseren Menschen? Und wo versteckt der Chef sein Frühstück? News.de kennt die vier Schreibtisch-Typen.

Auf diesem Schreibtisch ist das Chaos perfekt: Zeit für ein ernstes Wörtchen unter Kollegen! Bild: ddp

Er ist ein Mythos: der perfekt aufgeräumte Schreibtisch. Die Realität sieht meist anders aus. Denn: Wer hält seinen Arbeitsplatz schon wirklich in Ordnung? Ständig flattern neue Zettel herein: Hier ein Fax, dort ein Brief und es dauert nicht lang, bis sich derlei meterhoch stapelt.

Dabei gibt es tatsächlich Menschen, die ihren Schreibtisch perfekt ordentlich halten, sagt Regina Umland. Die seien jedoch sehr selten. Umland ist Trainerin für Büromanagement. Sie hilft anderen dabei, ihren Arbeitsplatz zu organisieren - eine ausgewiesene Schreibtisch-Expertin also.

Vorbild: erster Chef

Regina Umland hat in Sachen Schreibtisch schon alles erlebt. Das Ideal bleibt für sie aber der Tisch ihres ersten Chefs. «Der hatte wirklich einen sehr aufgeräumten Schreibtisch und hat immer nur das bearbeitet, was er vor sich hatte. Der war ordentlich, ohne dass er penibel war», erzählt die Expertin. Doch einen so perfekten Schreibtisch hat sie während ihrer Arbeit als Büromanagerin nie wieder gesehen.

FOTOS: Schreibtische Arbeiten in Wald und See

Es gibt jedoch Schreibtisch-Typen, die sich häufen. Ein Blick auf den Schreibtisch genügt, um die Persönlichkeit des Kollegen zu offenbaren:

Der Schludrige. Stapelweise vollgekritzeltes Papier, Visitenkarten aus den vergangen zehn Jahren und Spielzeug finden sich auf und um den Arbeitsplatz. «Ein solcher Schreibtisch kann gut gehen, vor allem im kreativen Bereich», sagt Regina Umland. Manche bräuchten genau dieses Chaos, um arbeiten zu können. Trotzdem sollte auch der kreative Kopf regelmäßig seinen Tisch aufräumen. «Wenn jemand permanent Chaos auf seinem Schreibtisch hat, hat er zumindest in seinem Beruf den Überblick verloren», glaubt Umland.

Der Penible. «Das ist der Buchhalter-Typ, bei dem alles seine Ordnung hat, einschließlich der Bleistifte, die angespitzt daliegen», so die Büromanagerin. Der Block liegt im rechten Winkel zum Telefon, kein Staubkorn trübt den Glanz der Tischplatte. Ist der Kollege jedoch so sehr auf seine Ordnung bedacht, dass er bei der geringsten Verletzung seines Systems explodiert, ist der Bürofrieden in Gefahr: Wenn die Putzfrau da war oder ein Kollege sich einen der spitzen Bleistifte ausleiht, ist schlechte Stimmung vorprogrammiert.

Der Persönliche. Dieser Kollege bringt seine komplette Familie mit ins Büro - in Form von Fotos, Briefen und Ansichtskarten. Tante Bruni im Schweizurlaub 1968. Die Kinder 1992 im Garten - damals waren sie noch so jung. Oma, Mutter, Patenkind. Den eigenen Partner nicht zu vergessen. «Da ist nichts gegen einzuwenden, wenn es nicht den ganzen Schreibtisch einnimmt», sagt die Expertin. «Wenn aber nur das Zuhause da ist, sollte man sich schon fragen, ob man an dem Arbeitsplatz überhaupt richtig ist.» Auch Ansichtskarten sollten regelmäßig entsorgt werden. Wirken diese nur noch vergilbt und gammelig, verschönern sie den Arbeitsplatz nicht mehr.

Der Hungrige. Essen und Essensreste gammeln neben Bergen von Pizzakartons vor sich hin. Und die drei Kaffeetassen haben einen weißen Bart, der nicht aus Milchschaum besteht. Der Schreibtisch des hungrigen Kollegen ist schlicht eklig. «Mit diesem Typen muss man ein ernstes Wörtchen reden, denn das ist nicht nur Unordnung, sondern eine Zumutung», findet Regina Umland. Wenn sich dann noch immer nichts ändere, solle der Kollege vom Nachbartisch einfach mal ungeniert seine eigenen Essenreste herüberschieben. Spätestens dann merke der Hungrige meist, dass er die Kollegen mit seinen Essensresten nerve. «Da muss man brutal sein», empfiehlt Regina Umland. «Sonst lernt er das nie!»

Auf dem Weg zum Messie

Der Schreibtisch sollte - egal zu welchem Typ Sie sich zählen - ab und zu aufgeräumt werden. Spätestens, wenn der Überblick verloren gegangen ist. «Wenn man selbst nicht mehr durchblickt, sollte man sagen: Jetzt nehme ich mir eine Viertelstunde und räume auf», sagt die Schreibtisch-Expertin. «Wenn man nur noch sucht, ist man auf dem Weg zum Messie!» Dabei darf der Kollege nie bevormundet werden - jeder hat seine eigene Ordnung. Natürlich gibt es einen gewissen Rahmen, der nicht gesprengt werden sollte. Aber Toleranz ist das wichtigste Gebot, um den Bürofrieden zu wahren.

Wer bemerkt, dass er die Gewalt über seinen Schreibtisch verliert, sollte sich Hilfe von außen holen. Das Buch Den Schreibtisch im Griff von Regina Umland ist ein erster Schritt. Manchmal reicht es aber auch aus, sich einfach eine ruhige Stunde zum Ausmisten zu nehmen.

ham/reu/news.de

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