Pfändung Ein Konto schützt vorm Kuckuck

Miete, Strom und Wasser - die meisten Verbraucher lassen diese Kosten vom Konto abbuchen. Bisher haben Schuldner da das Nachsehen. Doch mit dem neuen P-Konto wird alles anders.

P-Konto beschränkt Pfändung (Foto)
Das neue P-Konto sorgt dafür, dass auch Schuldner noch Geld für die Miete haben. Bild: dpa

Seit dem 1. Juli können säumige Zahler auf das neue Pfändungsschutzkonto, kurz P-Konto, zugreifen. Gepfändeten Schuldnern bleibt damit automatisch der Grundbetrag von 985,15 Euro im Monat, aus dem laufende Kosten wie die Miete bezahlt werden können. Der Gang zum Gericht ist nicht mehr nötig. Auch Selbstständige profitieren. «Bei vielen Betroffenen kann über das P-Konto ein höherer Betrag geschützt werden als bisher», sagt Lutz Wilde von der Zeitschrift Finanztest.

Bisher war die Gesetzeslage folgendermaßen: Wer eine Kontopfändung am Hals hatte, musste damit rechnen, dass sein Girokonto komplett gesperrt war und er nichts mehr ausgezahlt bekam. Daueraufträge für Miete, Versicherungen sowie Lastschriften für Strom oder Gas gingen nicht mehr raus, was die meisten Betroffenen noch tiefer in die Schuldenfalle riss.

In der Regel musste der Schuldner schnell einen Antrag beim Vollstreckungsgericht stellen, um sich Pfändungsschutz zu holen und Teile seines Einkommens vor dem Zugriff der Gläubiger zu schützen. Aber auch nach der gerichtlichen Freigabe war ein gepfändetes Konto nur eingeschränkt nutzbar und wurde häufig von der Bank gekündigt.

Kinder bringen mehr Grundbetrag

Damit soll es ab Juli vorbei sein. «Sowohl die Kontensperrung wie auch der Gang zum Gericht fallen jetzt weg, das ist eine wirkliche Erleichterung», betont Marius Stark von der Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände. Auch die Justiz soll künftig entlastet werden. Eine Unterscheidung zwischen der Art der Einkünfte, also ob Lohn oder Sozialleistungen wie Rente oder Arbeitslosengeld, gibt es nicht mehr. Auch Selbstständige können sich ein P-Konto zulegen.

Der Schutzbetrag von 985,15 Euro bleibt aber nur dann automatisch auf dem Konto stehen, wenn der Gepfändete zuvor ein P-Konto eröffnet oder sein Girokonto umgewandelt hat. Dazu muss er persönlich bei seinem Geldinstitut erscheinen, wie Michaela Roth, Sprecherin des Zentralen Kreditausschusses, erläutert. Das Einrichten oder Umwandeln ist kostenlos. Je nach Bank können allerdings Kontoführungsgebühren anfallen. Der Pfändungsschutz muss spätestens nach drei Geschäftstagen eingeräumt sein.

Der Pfändungsgrundbetrag kann aufgestockt werden, wenn der Schuldner die entsprechenden Nachweise gleich beim Gang zur Bank mitbringt. So kann sich die geschützte Summe um 370,76 Euro erhöhen, wenn der säumige Zahler eine Unterhaltsverpflichtung für ein Kind oder einen Ehepartner belegen kann. Für jede weitere unterhaltsberechtigte Person steigt die Freigrenze um 206,56 Euro. Zusätzlich kann sich der Kontoinhaber die Freigabe des Kindergeldes sowie den Bezug von Sozialleistungen schützen lassen. Die Bescheinigungen dafür stellen vorher der Arbeitgeber oder Sozialleistungsträger wie die Familienkasse aus.

Außerdem neu: Überschuldete Bürger können jetzt kleine Beträge bis zur Höhe des Grundfreibetrags ansparen, wenn mal einen Monat etwas übrig bleibt. Beispiel: Wer von seinen gut 985 Euro nur 900 verbraucht hat, kann die restlichen 85 in den Folgemonat mitnehmen, ohne dass sie ihm gekürzt würden.

Jeder Bürger in Finanznot kann sich lediglich ein P-Konto einrichten lassen. Die Kontoeröffnung oder -umwandlung wird der Schufa gemeldet, um Missbrauch zu verhindern.

ham/kat/ivb/news.de/ap

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Leserkommentare (9) Jetzt Artikel kommentieren
  • Pazifiko
  • Kommentar 9
  • 24.06.2012 22:35
Antwort auf Kommentar 8

"Da hilft nur eine Beschw...?" Quatsch! Da hilft nur eines: Bank wechseln!

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  • Leopold
  • Kommentar 8
  • 22.05.2012 20:28

Auch ein P-Konto bietet keinen optimalen Schutz, wenn die Bank - hier Sparkasse MM-LI-MN - ihre eigenen - gesetzwidrigen - Berechnungsmethoden anwendet (Pfändung von Geldern unterhalb des eigentlich pfändungsgeschützten Sockelbetrages). Machen aber auch andere Banken/Sparkassen so ... Siehe dazu Bericht bei Frontal21(ZDF) vom 08.05.12 unter dem Titel "Banken plündern Konten von klammen Kunden" (ist dort in der Mediathek zu finden - Kurzlink dazu www.doiop.com/frontal21 Beschwerden an die Rechtsabteilung der Bank werden ignoriert, werden einfach gar nicht beantwortet. Da hilft nur eine Beschw

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  • tony
  • Kommentar 7
  • 31.12.2011 19:11

Dat P-Konto ist doch Supi!!! Geld weg,Frau weg,alles weg....Geil Gruss tony

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