Islamkonforme Fonds Geldvermehrung mit Allahs Segen

Gierige Spekulanten, Zocker-Banken, riskante Fonds. Das Image der Finanzwelt ist mies, das Vertrauen der Anleger futsch. Als Gegenpol zu gewissenlosen Börsenwetten haben Ethikfonds Zulauf - davon will auch der erste islamkonforme Fonds profitieren.

Fatih-Moschee in Essen (Foto)
Der Koran enthält auch einige Vorgaben zum Thema Geldanlage. Bild: ddp

Wer zum ersten Mal von einem islamkonformen Mischfonds nach Grundsätzen der Scharia hört, staunt zunächst ungläubig. Hochspekulative Geschäfte sind verboten. Investitionen in Tabak, Alkohol, Erotik, Glücksspiel, Musikindustrie und Waffenhandel auch. Zinsen gibt es keine. Der Vermögensverwalter Meridio hat im Mai den einzigen aktiv gemanagten Fonds dieser Art hierzulande aufgelegt. Er richtet sich vor allem an die gut vier Millionen Muslime in Deutschland, sagt Vorstandschef Uwe Zimmer. Aber auch Nicht-Muslime gehören zur Zielgruppe. Branchenexperten nicken vorsichtig.

«Es gibt ein großes Potenzial für islamkonforme Investments - in Deutschland, aber auch EU-weit, wo die Muslime über ein geschätztes Sparvermögen von 150 Milliarden Euro verfügen», erklärt der Fondsinitiator. Weltweit sei eine Billion Euro in diesem Sektor angelegt, plus jährliches Wachstum von 15 bis 20 Prozent. An Deutschland sei der Boom bisher vorbeigerauscht.

Ethische Anlagen auch von der Kirche

Marco Cabras von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) rechnet auch mit Interesse bei nicht-muslimischen Anlegern, die ethisch-moralisch «sauber» investieren wollen: «Seit einiger Zeit liegen Ethik-Fonds im Trend, das ist inzwischen eine eigene Gattung geworden. Ethische Anlagemöglichkeiten gibt es auch von den christlichen Kirchen». Klare Grundsätze, eine Philosophie des «sauberen» Geldes und hohe Transparenz seien Argumente, die gerade in der Krise immer mehr Anleger überzeugten.

«Die Menschen suchen nach einer Anlage, in die sie mit reinem Gewissen investieren können. Viele wollen auch die Gier in ihre Schranken verweisen, eben nicht nach dem Motto: Morgen den schnellen Gewinn und danach geht alles kaputt», weiß DSW-Sprecher Cabras. Auf dem gigantischen Weltfinanzmarkt sind Fonds unter dem Ethik-Label zwar noch eine Nische, wachsen aber stark. Auch Nachhaltigkeitsfonds, die auf soziale Kriterien und Umweltstandards achten, legen zu.

Interesse an islamkonformen Geldanlagen ist groß

Das Institut für Islamisches Bank- und Finanzwesen (Ifibaf) in Frankfurt sieht ein gutes Umfeld für das Islamic Banking. Die in Deutschland lebenden Muslime haben einer Ifibaf-Studie zufolge 22 bis 38 Milliarden Euro auf der hohen Kante. Gut 70 Prozent seien interessiert an islamkonformen Geldanlagen. Der Nachfrage stehe aber noch kein «adäquates Konzeptangebot gegenüber.» Auf diese Lücke setzt der «Meridio Global Islamic Multi Asset».

«Meridio, ganz klar ein seriöser Anbieter, hofft auf der aktuellen Popularitätswelle der ethisch vertretbaren Fonds mitschwimmen zu können», meint Chefredakteur des Brancheninformationsdienstes Markt intern, Pascal Holz. Auch er sieht Chancen für das neue Produkt, das allerdings mit einem sehr kleinen Fondsvolumen starte. Der Zentralrat der Muslime (ZMD) meint, solche Fonds könnten auch eine «vernünftige Antwort» auf die Finanzkrise sein.

Zins wird in der islamischen Welt abgelehnt

Eine Ethikkommission aus theologisch und ökonomisch bewanderten Gelehrten überwacht die Regel-Einhaltung. «Wir unterwerfen uns hier strengen Ausschlusskriterien», sagt Investmentmanager Zimmer, seit langem auch als Berater der arabisch-muslimischen Welt tätig. Zinsen würden nicht ausgezahlt, weil Geld nach islamischem Verständnis keinen «inneren Wert» habe: «Aus dem Koran heraus kann Geld allein keinen Mehrwert schaffen.» Für gläubige Muslime sei das Zinsverbot wichtig, es gehöre zu den Grundsätzen der Scharia als Gesamtheit aller Gebote und Verbote des Islam.

«Wir fangen unseren Fonds mit nur zwei Millionen Euro an, das ist eher Kleingeld, aber auch mit Unterstützung von primär türkischen Partnern wie Versicherern werden wir in den nächsten Jahren ein dreistelliges Millionen-Wachstum haben», hofft der Meridio-Chef. Ziel ist ein Vertrieb auch in Belgien, Frankreich, Italien, Spanien, Österreich oder im Libanon. Einen islamkonformen Anlauf gab es bereits, erinnert sich Holz: «2000 hatte sich die Gesellschaft Cominvest mit dem ‹Al-Sukoor-Fonds› als erste in Deutschland auf diesem Markt vorgewagt, ist damit aber nach einigen Jahren gegen die Wand gefahren.»

mat/ivb/news.de/dpa

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