Karrierenetzwerke «Was zählt, ist Ehrlichkeit»

Profil unter der Lupe (Foto)
Headhunter nehmen auf ihrer Suche nach Führungskräften auch soziale Netzwerke unter die Lupe. Bild: ddp

Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann
Fast jeder deutsche Internetnutzer hat ein Profil auf einem sozialen Netzwerk. Doch taugen diese tatsächlich für den Karrieresprung? Headhunter Johannes Laursen klärt bei news.de auf.

Herr Laursen, inzwischen hat fast jeder, der Karriere machen will, ein Profil auf einem sozialen Netzwerk. Nützt das wirklich etwas?

Laursen: Wir, und auch viele andere Headhunter, nutzen diese Art von Netzwerken regelmäßig. Auch wenn der Bedarf an Kandidaten im Vergleich zum Angebot natürlich relativ begrenzt ist.

Wo suchen Sie?

Laursen: Für uns sind Xing, LinkedIn und ein paar spezielle, sehr kleine Netzwerke die Basis. Der Vorteil: Wer hier ein Profil hat, sucht meist tatsächlich neue berufliche Angebote. Und wir finden hier Angaben zur aktuellen, manchmal auch zu früheren Arbeitsstellen. Facebook dagegen ist, auch wenn ich es nicht ausschließe, weniger wichtig. Das betrachte ich als Kommunikationsportal, bei dem es eigentlich nicht um Business geht.

Netzwerke
Das digitale Profil

Und wer könnte einem Headhunter bei Xing und Co. tatsächlich auffallen?

Laursen: Interessant sind diese Netzwerke für viele, wenn auch nicht alle Berufsgruppen. Aber es lohnt sich für Berufe und Berufsgruppen ab einer gewissen Gehaltsebene. Die meisten Unternehmen, die über uns Fachleute suchen, haben Stellen ab einem Jahresgehalt von 50.000 Euro aufwärts zu vergeben. Wir suchen Spezialisten und bieten Jobs, in denen eine gewisse Verantwortung zu tragen ist.

Das heißt, Sie suchen auf Netzwerken vorrangig Führungskräfte?

Laursen: Wir suchen Führungskräfte, aber auch IT-Fachleute, Vertriebsexperten und ähnliches. Andererseits geht es auch um Nischen, also Menschen, die - wie Patentanwälte - nur einen kleinen Berufsteil darstellen, dafür aber umso höher qualifiziert sein müssen. Handwerker sind für uns auf Karriereplattformen wenig interessant.

Gibt es Profile, die Sie bei Ihrer Arbeit links liegen lassen?

Laursen: Grundsätzlich gibt es für uns keine Grenze. Aber wir arbeiten mit Vorgaben, denn wenn ein Unternehmen einen Jobkandidaten finden will, existieren ganz klare Wünsche, was die Kompetenzen angeht. Entsprechend suchen wir mit Stichwörtern. Das heißt, arbeitet jemand im IT-Bereich, sollte seine Position genau angegeben sein. Hat derjenige beispielsweise studiert, sollte nicht Hochschulabschluss dastehen, sondern genau angeben, um was für einen Abschluss es sich handelt. Was wir auf Profilen brauchen, sind ganz konkrete Angaben. Privates ist eher unterinteressant. Für uns steht die professionelle Kompetenz im Mittelpunkt. Um Persönlichkeits- und Verhaltensprofile geht es erst später.

Soziale Netzwerke
Welche Community passt zu mir?

Welche Tricks gibt es, auf Xing und Co. einem Headhunter aufzufallen?

Laursen: Was zählt, ist Ehrlichkeit, was die geleisteten Jobs angeht, welche Ausbildung absolviert, welche Verantwortung getragen wurde. Hilfreich sind für uns Hinweise wie «Ich bin auf Jobsuche» oder «Ich suche eine neue Herausforderung». Dabei ist natürlich zu bedenken, dass auch aktuelle Arbeitgeber sich solche Profile anschauen. Insofern müssen die Profil-Inhaber abwägen. Aber wir sprechen auch Leute an, die nicht explizit ihr Jobinteresse bekunden. Denn auch diese sind einem guten Angebot nicht abgeneigt.

Wie viel Aufwand lohnt sich, in ein Profil zu stecken?

Laursen: Wer sich das Ziel setzt, über sein Profil einen neuen Job zu finden, sollte sich dabei Mühe geben, aber es nicht übertreiben. Auf jeden Fall sollte deutlich werden, welcher Tätigkeit derjenige aktuell nachgeht. Darüber hinaus muss man sich im Klaren sein, dass diese Netzwerke nur den ersten Kontakt herstellen, also nur ein Sprungbrett sind. Alles Wichtige wird ohnehin in einem möglichen persönlichen Gespräch geklärt.

Johannes Laursen ist Geschäftsführender Gesellschafter bei SAM Headhunting Germany. Unter den Auftraggebern finden sich internationale Banken und Großkonzerne wie Daimler Chrysler, HSH Nordbank, Sun Microsystems und BASF.

kat/reu/news.de

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