Karrieretipp «Das Internet ist nur Mittel zum Zweck»

Gute Qualifikationen, tolle Zeugnisse - und trotzdem hagelt es bei Bewerbungen Absagen. Dann fehlt es vielleicht am Vitamin B. Dabei muss es nicht die Verwandtschaft sein, die hilft. Entscheidend sind gute Netzwerke.

Profile bei Xing und Co. (Foto)
Wer seiner Karriere online RĂŒckenwind verschaffen will, darf die reale Welt nicht vergessen. Bild: iStockphoto (Montage news.de)

Die Kommunikationstrainer und Autoren Christian Schmid-Egger und Caroline KrĂŒll setzen vor allem auf die Social Communities. In ihrem Buch Netzworking mit Xing, Facebook & Co. zeigen sie, wie virtuelle soziale Netzwerke als Sprungbretter dienen, doch nur wenn ein paar Regeln beachtet werden. Und sie rĂ€umen mit dem Vorurteil auf, nur erfolgreiche Menschen könnten Netzwerke aufbauen.

Wozu Netzwerke?

«Wir Menschen sind soziale Wesen, die sich schon immer in Gruppen organisierten. Die Gruppe vermittelt Sicherheit, bietet RĂŒckhalt - sorgt fĂŒr ein soziales Netz», so die Autoren. Damit fĂ€ngt Netzwerken schon in der Familie, der sogenannten Innengruppe, an.

Zur Außengruppe gehöre, wer sich bei einem Unternehmen bewirbt. Und erst wer lĂ€ngere Zeit bei einer Firma arbeiten, geht Schritt fĂŒr Schritt in die Innengruppe ĂŒber.

Netzwerke: Das digitale Profil

Wer unter FĂŒhrungskrĂ€ften Freunde habe, werde bei einer Bewerbung bereits als Mitglied der Innengruppe betrachtet: «Wenn Sie intern empfohlen werden, geht der Personalchef davon aus, dass Ihre menschlichen Eigenschaften in Ordnung sind und Sie zum Unternehmen passen.» Die Entscheidung zwischen jemandem, der bereits bekannt ist, und jemanden, der sich ĂŒber eine Annonce bewirbt, fĂ€llt deshalb meist fĂŒr ersteren.

Wie nutzt man Netzwerke fĂŒr die Karriere?

Der erste Schritt kann der Familien- und Freundeskreis sein. Wer gezielt fragt, weiß ob in einem Unternehmen Stellen frei sind. Andererseits gilt es langfristig zu denken. Und da heiße die Devise, «gezielt Menschen kennen zu lernen, die Ihnen weiterhelfen können». Das kann auf Messen geschehen, bei Kongressen, GeschĂ€ftsterminen oder Konferenzen.

Doch auch das aktuelle Jobumfeld hilft weiter: FĂŒhrungskrĂ€fte, Teamkollegen oder Personaler können ĂŒber vakante Stellen informiert sein. Wer auf soziale Netzwerke im Internet setzen will, sollte bei der Wahl der Plattform darauf achten, dort ein berufliches Profil eingeben zu können.

Ebenso wichtig, ist eine gute Strategie: So netzwerke am besten, wer nach dem Prinzip «Geben und Nehmen» vorgehe. Die Autoren raten: «UnterstĂŒtzen Sie ihre Kontakte und tun Sie etwas fĂŒr sie. Dann werden Ihre Kontakte auch Sie unterstĂŒtzen.» Also: Ohren offenhalten, Informationen sammeln und diese an mögliche Interessenten weitergeben. Es helfe aber auch, als Kontaktvermittler zu fungieren: Also empfehlen Sie einen Bekannten, der auf ein gesuchtes Stellenprofil eines anderen Kontakts passen könnte. Ein weiterer Rat: Wird eine Anfrage gestellt, antworten sie oder finden Sie jemanden, der antworten könnte.

Soziale Netzwerke: Welche Community passt zu mir?
zurĂŒck Weiter Karrierenetzwerk Xing (Foto) Zur Fotostrecke Foto: news.de (Screenshot)

Wie wird man in Netzwerken gezielt gefunden?

Entscheidend dabei ist die Gestaltung des eigenen Profils. Am Bespiel Xing betonten Schmid-Egger und KrĂŒll: «Ihr Profil dient der Xing-internen Suchmaschine als Stichwortgeber. Verwenden Sie vor allem Schlagworte, unter denen man Ihr Angebot auch abfragen wĂŒrde.» Nach dem Motto: AnwĂ€lte gibt es viele. Doch wer einen Scheidungsexperten sucht, will keinen Patentanwalt. Der Tipp der Experten: «Je seltener und exotischer die von Ihnen verwendeten SchlĂŒsselwörter sind, desto eher werden Sie bei entsprechenden Anfragen gefunden.»

Wer seine Auffindbarkeit noch mehr forcieren will, sollte etwas ĂŒber seinen Werdegang einstellen. Ausbildung und Jobstationen sind wichtig. Die Kommunikationsexperten raten, sich an den Regeln fĂŒr eine schriftliche Bewerbung zu orientieren. Denn: «Ein Personaler kann sich heute ganz einfach ihr Profil bei Xing oder einem anderen Netzwerk ansehen. Und wenn er keinen guten Eindruck von ihnen erhĂ€lt, lĂ€dt er sich vielleicht gar nicht erst ein.»

Wie behĂ€lt man den Überblick?

Wer sich ĂŒber Xing und Co. prĂ€sentiert, wird - abhĂ€ngig von den Angaben im eigenen Profil - hĂ€ufig selbst als Kontakt angefragt. Bisweilen kann das ĂŒberhand nehmen. Wer erfolgreich netzwerken will, muss wissen: «QualitĂ€t geht vor QuantitĂ€t.» Zwar ist hilfreich, so viele Menschen wie möglich kennen zu lernen. Doch es nĂŒtzt wenig, weiß man nichts ĂŒber die Eigenschaften und QualitĂ€ten dieser Kontakte.

Deshalb gilt es, die Kontaktliste zu pflegen und unsinnige Kontakte auszusortieren. Was ĂŒbrig bleibt, sollte mit sinnvollen Schlag- und SchlĂŒsselwörter versehen werden. Das erleichtert die Suche. Karriere- und Freundesplattformen bieten meist entsprechende Notizfunktionen.

Doch auch fĂŒr die eigene PrĂ€sentation im Netz zĂ€hlt Klasse statt Masse. Wichtig sei es, herauszufinden, «welches Netzwerk fĂŒr die eigenen Zwecke am sinnvollsten ist oder ob man gar in mehreren Branchennetzwerken aktiv sein sollte». Die Wahl kann auch durch Ausprobieren fallen.

Wie viel Virtuelles ist gut?

Die Kommunikationstrainer warnen jedoch davor, ausschließlich virtuell zu netzwerken. Ihre Devise: «Das Internet ist nur Mittel zum Zweck.» Persönliche GesprĂ€che seien deshalb unerlĂ€sslich. Nur so lasse sich entscheiden, ob Kontaktpartner wirklich nĂŒtzt. Und: «GeschĂ€fte macht man immer noch am liebsten von Angesicht zu Angesicht.»

Lesetipp: Christian Schmid-Egger, Caroline KrĂŒll: Networking mit Xing, Facebook und Co., Verlag C.H. Beck, 128 Seiten, 6,80 Euro.

kat/news.de

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