Versicherungen Zu teuer oder zu sorglos

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Wer sich gut absichern will, muss bei seinem Versicherungsschutz auch den eigenen Tod mit berücksichtigen. Bild: dpa

Wer nach dem Grundsatz handelt, erst die Risiken, dann alles andere, der kann beim Versicherungsschutz nicht mehr viel falsch machen. Zu bedenken ist: Es muss nicht immer die teure Kapitallebensversicherung sein.

Die Zahlen sprechen eigentlich für sich. Statistisch gesehen hat jeder Deutsche eine Kapitallebensversicherung. Und das, obwohl für mindestens jeden zweiten Kunden diese Wahl der Vorsorge zu teuer, der versprochene Steuervorteil nicht realisierbar und die Vorsorge überhaupt nicht an die Lebensbedingungen angepasst ist. Da ist es wenig verwunderlich, dass mehr als die Hälfte aller Verträge vorzeitig gekündigt werden - mit horrenden Verlusten für die Sparer.

Auf der anderen Seite ist jeder vierte Haushalt in Deutschland ohne den dingend nötigen Schutz einer privaten Haftpflichtversicherung. Macht sich eines der Familienmitglieder schadensersatzpflichtig, droht im schlimmsten Fall das lebenslange Abzahlen einer Verbindlichkeit ohne Hoffnung, jemals aus der Schuldenfalle herauszukommen. Der soziale Abstieg ist vorprogrammiert.

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Das gilt auch, wenn das Risiko der dauerhaften Arbeitsunfähigkeit nicht versichert ist. Gerade einmal jeder Sechste ist abgesichert, wenn er aus gesundheitlichen Gründen seinen Job nicht mehr ausüben kann. Im Schadensfall muss er dann unter Umständen von den Leistungen des Sozialamts leben, denn eine vernünftige Erwerbsunfähigkeitsrente vom Staat kann heute kaum noch jemand erwarten.

Die Zahlen zeigen, dass die meisten Menschen völlig falsch versichert sind. Sie geben viel Geld für Policen aus, die sie nicht brauchen, während an anderer Stelle wichtiger Versicherungsschutz fehlt. Vielen Menschen fehlt das Gespür dafür, welche Risiken versichert werden sollten und welche nicht. Und das wiederum liegt vor allem daran, dass kaum jemand Zeit, Lust und Muße hat, sich mit dem wichtigen Thema Risikovorsorge zu beschäftigen.

Was zählt, ist das Geschäft

Stattdessen wird die Entscheidung in die Hand von Herrn Kaiser und seinen Kollegen gelegt - frei nach dem Motto: Der macht das schon. Das mag sogar zutreffen, nur macht er es leider oft nicht richtig! Vertreter und Makler leben davon, ihren Kunden etwas zu verkaufen - und oft bleiben beim Wunsch nach einem guten Geschäft die Interessen des Kunden außen vor. Nicht selten sind die Folgen verheerend. Der Verkäufer verdient gut und der Kunde ist schlecht versichert.

Umso wichtiger ist es deshalb, selbst das richtige Gespür zu entwickeln, welche Policen nötig sind und welche nicht. Bei der Auswahl hilft schon das strikte Beachten des Grundsatzes «Die großen Risiken zuerst - die kleineren können warten».

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Zunächst müssen existenzielle Risiken abgesichert werden. Dazu gehört - auch wenn es unangenehm ist, sich damit beschäftigen zu müssen - der eigene Tod. Die Familie sollte mit einer Risiko-Lebensversicherung abgesichert sein, wenn der Hauptverdiener ausfällt. Genau aus diesem Grund ist auch eine Berufsunfähigkeitsversicherung ein Muss. Denn ohne Einkommen wird die gesamte finanzielle Lebensplanung über den Haufen geworfen.

Zu den wichtigsten Versicherungen zählt neben der bereits erwähnten Haftpflichtversicherung auch der Schutz gegen Krankheiten und Unfälle in Form einer Krankenversicherung. Demgegenüber stehen die kleinen Risiken, gegen deren finanzielle Folgen die meisten Menschen auch ohne Versicherung gewappnet sind. Dazu zählt unter anderem eine Reisegepäckversicherung, denn kaum jemand wird ernsthaft in finanzielle Nöte kommen, wenn der Koffer gestohlen wird.

Dazu zählen aber auch schlicht überflüssige Versicherungen wie beispielsweise die Insassen-Unfallversicherung für Autos. Diese Versicherung deckt Risiken ab, die in aller Regel bereits durch die Kfz-Versicherung gedeckt sind. Auch viele Ergänzungen zur Hausratversicherung sind purer Unsinn wie etwa die Glasbruchversicherung. Eine kaputte Scheibe stellt einfach kein Risiko dar, das den Versicherten in seiner wirtschaftlichen Existenz bedroht. Doch genau diese Frage sollten sich Interessierte vor jeder Unterschrift unter einen Vertrag stellen.

ham/jan/reu/news.de/ddp

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