Beratung ohne Bank Guter Rat kostet Geld

Euromünzen (Foto)
Wer mehr aus seinem Geld machen will, kann es aufs Sparbuch legen, in Aktien investieren oder einem unabhängigen Finanzberater anvertrauen. Bild: ap

Von Matthias Schäfer
Seit der Finanzkrise lassen sich Verbraucher immer häufiger von unabhängigen Finanzfachleuten beraten - und zwar gegen Honorar. Ob ein Berater wirklich unabhängig ist, lässt sich für Verbraucher aber nicht auf den ersten Blick erkennen.

Viele Anleger haben aufgrund der Finanzkrise das Vertrauen in Banken und Sparkassen verloren. Durch die Pleite von amerikanischen Instituten wie Lehman Brothers oder der isländischen Kaupthing Bank sind sie verunsichert. In diesen Zeiten wächst der Bedarf an neutraler Finanzberatung. Und die gibt es oftmals nicht bei Banken. Eine Alternative ist eine Beratung bei einem unabhängigen Honorarberater - und zwar gegen Bezahlung. Verbraucherschützer und Politiker finden zunehmend Gefallen an dem Modell, wie es bereits in Skandinavien oder Großbritannien verbreitet ist.

Honorarberater bieten Beratungen zu allen Finanzthemen wie der Geldanlage oder Altersvorsorge an. «Schon heute kann jeder jedes Finanzprodukt über einen Honorarberater bestellen - ob Versicherungen, Beteiligungen, Aktien oder Fonds - und zwar provisionsfrei», berichtet Dieter Rauch, Geschäftsführer des Verbundes Deutscher Honorarberater (VDH) in Amberg. «Auf diese Weise kann der Kunde sicher sein, dass er neutral und produkt-unabhängig von den Angeboten eines Kreditinstitut beraten wird.»

Seit Beginn der Finanzkrise spürt der VDH, dass seine Dienste zunehmend gefragt sind. Bislang ist der Marktanteil jedoch verschwindend gering - er liegt momentan bei rund einem Prozent. Das zeigt, dass der größte Anteil der Verbraucher sich nach wie vor in Banken und Sparkassen oder von Finanzdienstleistern wie MLP oder AWD beraten lassen, wofür die Mitarbeiter eine Provision bei erfolgreichem Abschluss kassieren.

Unabhängige Finanzberatung gegen Honorar bieten auch die Verbraucherzentralen an. Als eine der ersten Banken in Deutschland hat die Berliner Quirin-Bank ein Beratungsmodell auf Honorarbasis eingeführt. Außerdem haben sich weitere Unternehmen wie «Die alten Hasen» in Frankfurt am Main etabliert - ein Netzwerk aus ehemaligen Bankmitarbeitern, die Kunden unabhängige Finanzdienstleistungen gegen Bezahlung anbieten.

Ob ein Honorarberater wirklich unabhängig ist, lässt sich für Verbraucher nicht auf den ersten Blick erkennen. «Das Problem ist, dass der Begriff ,Honorarberater' juristisch nicht geschützt ist. Jeder kann sich so nennen», erklärt Dieter Rauch. Damit besteht die Gefahr, dass Honorarberater zusätzlich von Dritten Provision bekommen. Der VDH rät daher, sich von einem Berater vorher schriftlich bestätigen zu lassen, dass er keine weiteren Vergütungen außer dem Honorar vom Kunden bekommt.

«Wir vom VDH verpflichten unsere Berater daher zu drei Grundsätzen, die jeder schriftlich bestätigen muss: 1. Honorarberatung ist eine Dienstleistung neutraler Berater, bei der ausschließlich das Wissen und der Zeitaufwand vergütet wird. 2. Honorarberatung beruht auf absoluter Transparenz und der Ablehnung jeglicher offener und versteckter Vergütungen durch Dritte. 3. Honorarberatung verfolgt die nachhaltige Betreuung vom Mandanten in deren ausschließlichem Interesse. Wer dies alles unterzeichnet hat, darf den geschützten Titel ‹Honorarberater VDH› tragen», betont Dieter Rauch. Diese Regeln würden regelmäßig kontrolliert.

«Zudem prüft der VDH seine Berater alle sechs Monate auf ihre Bonität, damit sichergestellt wird, dass nicht unter wirtschaftlichen Zwängen beraten wird. Außerdem muss jeder mindestens ein ausgebildeter Finanzfachwirt sein und ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis vorweisen. Darüber hinaus muss ein Honorarberater pro Jahr mindestens zwei Fortbildungslehrgänge besuchen. Wer die Grundsätze nicht einhält, hat keine Zukunft beim VDH», erkärt der Geschäftsführer des VDH: «Dann trennen wir uns von Honorarberatern und dies kam auch schon vor.»

mat/tno/news.de

Leserkommentare (4) Jetzt Artikel kommentieren
  • Max Million
  • Kommentar 4
  • 19.11.2009 15:59

There is just one thing that counts: Profit!

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  • Susi aus Kiel
  • Kommentar 3
  • 18.11.2009 12:10

Also ich bin ganz zufrieden mit der Honorarberatung. Ich denke sowas eignet sich hauptsächlich für den "Ottonormalanleger" und nicht für Anleger, die selbst irgendwelche Börsen- und Wertpapiergeschäfte bei Onlinebrokern abschließen. Honorarberatung finde ich hilfreich, wenn man z.B. was erbt und erstmal nicht weiß was tun (nur Tagesgeld? Was ist mit Inflation?) oder sich grundsätzlich komplett in Finanzfragen beraten lassen möchte (Versicherungen, Altersvorsorge, Steuerlast, Erbschaft, etc.) da wiederrum lohnt sich Honorarberatung auf alle Fälle!!!

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  • rene nottrodt
  • Kommentar 2
  • 17.11.2009 19:50
Antwort auf Kommentar 1

Hallo Max. Ja da stimme ich Dir zu, doch leider nur teilweise. Warum? Ich habe einen banken unabhängigen Vermögensverwalter, bei dem ich ein einziges mal 6.5% bezahlt habe. Seitdem zahle ich nur 0,9% im Jahr meinen VV, wo andere zw. 1 und 5% nehmen. Und meine Rendite liegt sogar in den angeblichen schlechten Zeiten bei 15%. Es gibt also noch Verm.-verwalter, die im Sinne des Privatanlegers arbeiten.

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